26.11.2018

Anfrage

Heilige als Vorbilder und Fürbitter

Ich finde es durchaus in Ordnung, Menschen, die als Vorbilder gelebt haben, als solche zu verehren. Aber als Fürbitter? Wallfahrtsorte verdienen an dieser Lehre. Es wäre seit langem an der Zeit, diesen Unsinn zu beenden. W. S., Tönisvorst

Ich möchte auf drei Dinge aufmerksam machen:
 
1. Ja, mit der Heiligenverehrung wurde Missbrauch betrieben. Sie wurde so übertrieben, dass der direkte Zugang zu Gott nahezu verstellt wurde. Und es wurde Geld damit gemacht. Das haben die Reformatoren zu Recht kritisiert und betont, dass wir uns selbst an Gott wenden können, ohne Vermittler zu brauchen. Ich denke, das ist heute auch katholisch unumstritten.
 
2. Ich wäre vorsichtig damit, eine Form des Glaubens als Unsinn zu bezeichnen, nur weil man selbst damit nichts anfangen kann. Ich bin kein Lourdespilger, habe mir aber schon von vielen Leuten glaubhaft versichern lassen, dass ihnen die Atmosphäre in diesem Wallfahrtsort hilft, ihr Schicksal zu tragen – sei es eine eigene Krankheit oder die von geliebten Menschen. Ihr persönliches Leid gemeinsam mit anderen vor Maria zu tragen, die auch Leid erlebt hat, hilft ihnen. Das hat Respekt verdient.
 
3. Die Bitte um Beistand an jene, von denen wir glauben, dass sie bei Gott sind, hat einen durchaus guten Grund. Sie wurzelt nämlich in der Überzeugung, dass Tote nicht einfach weg sind, dass es zwischen Gottes Reich und der Welt der Lebenden eine Verbindung gibt. Deshalb können wir für Verstorbene bitten – und Verstorbene für uns. Nicht nur die Heiligen. Ich bitte meine verstorbenen Eltern manchmal, dass sie ein Auge auf ihre Enkel haben. Naiv? Unsinn? Vielleicht. Aber auch ein Zeichen für den Glauben daran, dass unsere Toten nicht nur im Grab verrotten oder ihre Asche im Winde verweht.
 
Letztlich ist die von Ihnen kritisierte Lehre nur die Kehrseite unseres Auferstehungsglaubens. Und der ist eben mehr als Erinnerung an längst verstorbene Helden und ihre Taten. Auferstehungsglaube ist das Bekenntnis dazu, dass wir eine Gemeinschaft sind: Lebende, Verstorbene, Gott. Eine Gemeinschaft, die füreinander eintritt. Deshalb muss man nicht die Heiligen um Fürsprache bitten. Aber man kann es.

 

Von Susanne Haverkamp