29.10.2018

Anfrage

Messe im TV oder Wortgottesdienst vor Ort?

Was ist segensreicher: eine Wortgottesfeier in der Kirche oder eine heilige Messe im Fernsehen? L. W., 52249 Eschweiler

Zunächst sei gesagt: Es ist segensreich, dass Sie sich über diese Frage überhaupt Gedanken machen. Denn das zeigt, dass Ihnen der Gottesdienst und damit die Begegnung mit Gott wichtig ist.

Zu Ihrer Frage muss man außerdem vorab feststellen: Es gibt keinen Gradmesser für Segen. Überhaupt ist es schwierig, von mehr oder weniger Segen zu sprechen. Wenn etwa ein Bischof die Festgemeinde segnet, ist das nicht segensreicher, als wenn eine Mutter ihrem Kind ein Kreuz auf die Stirn zeichnet. Gottes Segen ist Gottes Segen, immer und ganz. Ein durch das Fernsehen vermittelter Segen eines Priesters ist deshalb nicht mehr oder weniger segensreich als der durch den Leiter oder die Leiterin eines Wortgottesdienstes direkt in der Kirche gespendete Segen.

Ich kann also auf Ihre Frage nur schreiben, was ich für angemessener halte, und da ist meine Antwort klar: Ein wesentlicher Aspekt jedes Gottesdienstes ist – im Unterschied zum privaten Gebet – die Gemeinschaft, die feiernde Gemeinde. In diese Gemeinschaft bringe ich mich aktiv durch Beten und Singen, aber auch schlicht durch meine Anwesenheit ein. Ich bin Teil der Gemeinschaft der Kirche in meiner Stadt, in meinem Ort. Ich werde als Teil dieser Gemeinschaft gebraucht – oder ich fehle dieser Gemeinschaft eben.

Deshalb: Solange es einen sonntäglichen Gemeindegottesdienst vor Ort gibt – und da ist es zweitrangig, ob eine heilige Messe oder eine Wortgottesfeier –, würde ich diesen Gottesdienst immer dem Fernsehen allein in meinem Wohnzimmer vorziehen.

Damit will ich die Übertragung einer heiligen Messe im Fernsehen nicht abwerten. Gerade, wenn jemand krank ist oder gehbehindert, wenn die Witterung zu schlecht oder der Weg zur Kirche zu weit ist, ist die Fernsehübertragung sicher eine gute Alternative. Aber die Versammlung der Gläubigen in der Kirche – und falls gewünscht und möglich anschließend in kurzen Gesprächen vor der Kirche – ist ein klarer Mehrwert gegenüber der Andacht allein im Wohnzimmer. Mehrwert, nicht mehr Segen!

Susanne Haverkamp