30.08.2018

Streitgespräch zwischen Jugendbischof und BDKJ-Vorsitzendem

Wie gewinnt die Kirche die Jugend?

Im Oktober diskutiert in Rom die Bischofssynode, wie sich Jugendliche für den Glauben begeistern lassen. In Deutschland arbeiten an dieser Frage Jugendbischof Stefan Oster und Thomas Andonie, der Vorsitzende des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ). Und finden sehr unterschiedliche Antworten. Ein Streitgespräch.

Foto: Wolfgang Krinninger
Im Gespräch: Jugendbischof Stefan Oster (links) und der BDKJ-Vorsitzende Thomas Andonie. Foto: Wolfgang Krinninger


Herr Andonie, was erwarten junge Menschen von der Synode?
Andonie: Junge Menschen sehen, da wird über sie gesprochen, und sie fragen sich: Wird auf mich gehört? Werde ich echt wahrgenommen? Sie brauchen niemanden, der ihnen wie ein Oberlehrer sagt, was richtig und falsch ist. Viele kirchliche Positionen sind gut und richtig, müssen aber neu erklärt und in die heutige Lebenswelt junger Menschen übersetzt werden. Viele Lebensrealitäten haben sich verändert und sind weiter im Wandel. Wir brauchen Antworten auf Fragen, die es vor Jahrzehnten noch gar nicht gab. In einer Sprache, die alle jungen Menschen verstehen, diejenigen in der Mitte, aber auch diejenigen an den Rändern unserer Gesellschaft.


In den Vorbereitungspapieren der Synode kritisieren junge Menschen die Kirche: Sie soll Beziehung ermöglichen und begleiten, aber nicht als übermächtige Institution erscheinen.
Oster: Ich weiß gar nicht, ob man das so platt auseinanderhalten kann. Seit es die Kirche gibt, gibt es die Spannung zwischen Charisma und Amt, also Institution. Der BDKJ ist eine riesige Organisation mit einer großen Struktur. Jede Gemeinschaft, die sich organisiert, ist irgendwann institutionell.


Aber wie veränderungsbereit ist die Institution Kirche? Sie hat mit ihren Fragen an junge Menschen ja auch entsprechende Erwartungen geweckt.
Oster: Wir haben aber dasselbe Evangelium – seit jeher. Und darin kommt Jesus zunächst einmal mit der Aufforderung: „Bekehrt euch!“ Und um Jesus muss es gehen in der Kirche, von vorne bis hinten. Alles andere muss von ihm her gesehen werden. Kann ich also Jesus den Menschen so präsentieren, dass jemand spürt, dass er größer, herausfordernder, demütiger, freier, liebender, wahrhaftiger ist als jeder Mensch, der je gelebt hat? Wenn ich das innerlich erfahre, verändert sich mein Leben. Dieser Kern des Glaubens verschwindet aber vielfach. Wir sprechen dann schnell von der vermeintlich bösen Institution, die sich verändern muss. Kein Mensch redet zuerst davon, dass Christus einen neuen, erlösten Menschen hervorbringen will.

Andonie: Ich kann aber nur eine Botschaft kommunizieren, wenn sie jemand auch verstehen kann, sprich: Lebensweltbezug hat.

Oster: Natürlich müssen wir uns um gute Kommunikation mühen. Aber das Evangelium war doch damals auch schon schwierig. Wie viele Pharisäer, wie viele religiöse Institutionen waren am Schluss noch da? Jesus hat einfach und klar kommuniziert und an einer Stelle sogar seine Jünger sinngemäß gefragt: Das ist meine – für viele anstößige – Wahrheit. Wollt auch ihr gehen?

Andonie: Diese Wahrheit steht doch auch nicht infrage.

Oster: Doch, natürlich. Ihre Hauptforderungen an die Synode sind, Frauen zu den Ämtern zuzulassen und Beziehungsformen zu bejahen, die keine Ehe sind. Diese beiden Positionen waren damals auch schon anstößig. Denn sie sind seit jeher nicht Teil des Evangeliums.

Andonie: Diese Themen sind aber doch nicht Teil einer unumstößlichen Wahrheit.

Oster: Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt? Dass das nicht geht, ist Bestandteil des überlieferten Glaubensgutes. Der Papst hat jetzt noch mal bestätigt, dass das nicht verändert werden kann.   


Das zweite große Streitthema ist der Umgang mit Homosexualität. Warum ist das jungen Menschen so wichtig?
Andonie: Junge Leute fragen sich: Bin ich weniger wert, weil ich in einer homosexuellen Partnerschaft lebe? Wie werde ich als Mensch angenommen? Sie fühlen sich von der Kirche an den Rand gedrängt.


Herr Bischof, können Sie nachvollziehen, dass dieses Thema für junge Menschen eine Frage der Glaubwürdigkeit der Kirche ist?
Oster: Natürlich. Wir müssen damit sehr sensibel umgehen, weil es viele Verletzungen gibt. Aber wenn gefordert wird, die Kirche solle Formen des Zusammenlebens segnen, die keine Ehe sind, steht damit ja zugleich unsere ganze Lehre vom Menschen infrage, von seiner Herkunft, Entwicklung und Erlösungsbedürftigkeit. Und ich glaube schon, dass wir den Menschen hier immer tiefer verstehen werden, aber ich meine nicht, dass es hier eine Änderung der Lehre geben wird. Diese permanenten Forderungen werden Jugendliche daher auf Dauer eher in die Frustration treiben, weil Sie als BDKJ nicht erklären können oder wollen, warum die Kirche das – auch auf Dauer – anders sieht.

Andonie: Der BDKJ versteht seine Aufgabe darin, die Meinungen junger Menschen aufzunehmen und zu vertreten. Wir nehmen wahr, dass solche Positionen anecken. Aber sie entstehen bei uns nicht einfach so, sondern werden lange diskutiert, auch mit theologischer Kompetenz. Es gibt durchaus theologische Möglichkeiten, diese Dinge anders zu sehen. Und daher halte ich diese Forderungen nicht für Frustrationspotenzial, sondern für berechtigte Anliegen. Es gibt einen unveränderlichen Kern, aber auch Themen, über die man diskutieren muss.


Die jungen Leute gehen der Kirche verloren. Ist der Grund, dass die eigentliche Botschaft – die Beziehung zu Jesus – nicht mehr vermittelt wird?
Oster: Da müssen wir ansetzen. Ob es dann schon automatisch um Mehrheiten geht, ist nicht das Thema. Im Evangelium prophezeit Jesus selber, dass es immer schwieriger wird im Lauf der Geschichte: „Wird der Menschensohn noch Glauben finden, wenn er wiederkommt?“ Es muss vor allem und zuerst um diese Person gehen. Glauben wir überhaupt, dass wir als Kirche Menschen in die unmittelbare Begegnung mit Jesus führen können? In weiten Teilen der Kirche kommen wir da doch kaum hin. Wir brauchen Menschen, die Jünger Jesu sein wollen, den Herrn lieben, von ihm entzündet sind und die dann zur Transformation der Welt beitragen. Denn er ist gekommen, um die Welt zu verwandeln, und nicht, damit er für eine postmoderne Gesellschaft möglichst akzeptabel wird.


 

Foto: Wolfgang Krinninger
Stefan Oster und Thomas Andonie teilen nicht immer die gleiche Meinung. Foto: Wolfgang Krinninger

Führt die Jugendarbeit in diese Begegnung mit Jesus?
Andonie: Wir suchen dafür immer den richtigen Weg. Junge Menschen haben von sich aus eine Glaubenssubstanz, ihnen muss ein Glaubensempfinden nicht erst eingepflanzt werden. Es ist eine Saat da, die sich in der Gemeinschaft, in den Verbänden oder bei den Ministrantinnen und Ministranten gut entfalten kann. Diesen Kinderglauben wollen wir wachsen lassen.


Viele Kinder und Jugendliche haben doch noch nicht einmal mehr diesen Kinderglauben ...
Andonie: Junge Menschen haben ein Interesse an Spiritualität und Sensibilität für Glaubensfragen. Das erleben wir in unseren Gruppenstunden, das zeigen aber auch Jugendstudien, wie beispielsweise die Sinus-Studie. Wenn junge Menschen mit ihren Fragen kommen, sprechen wir darüber. Aber erst einmal werden sie so angenommen, wie sie sind. Wir sagen: Du bist von Gott gewollt. So, wie der Herr dich erdacht hat, nehmen wir dich an.

Oster: Das ist schon ein grundlegendes Missverständnis. Kein Mensch – Sie nicht, ich nicht – ist so, wie Gott ihn erdacht hat. Wir sind alle nicht nur, aber auch gebrochene, erlösungsbedürftige Wesen. Jeder Jugendliche auch.

Andonie: Jeder Mensch ist aber ein wertvoller Gedanke Gottes.

Oster: Ja, natürlich. Aber dieses ganze „Gott nimmt dich so, wie du bist“ führt bei uns in der Regel zu „Gott will auch, dass du bleibst, wie du bist“.

Andonie: Das glaube ich nicht. Der Mensch hat ja auch selbst den Wunsch, sich zu entwickeln.

Oster: Das Paradigma der meisten Menschen in der Jugendarbeit ist aber oft: „Erst einmal ist es gut, wie du bist.“


Ist das nicht ein christlicher Zuspruch: Erst einmal nehme ich dich an, wie du bist?
Oster: Ja, stimmt ja auch. Aber dadurch kommt meistens untergründig mit hinein: Jeder Mensch ist schon so, wie Gott ihn gedacht hat. Und das stimmt nicht. Jeder Jugendliche ist ein von Gott geliebtes Kind, aber zugleich ein erlösungsbedürftiges Wesen. Jesus ist gekommen, weil er ein Retter ist, nicht weil er ein Gutmensch ist.

Andonie: Gutes tun aus dem Glauben heraus, ist Basis unseres Wirkens. Das ist der Grund, warum wir uns in der Welt engagieren, uns etwa für Frieden oder Schöpfungsbewahrung einsetzen.

Oster: Und warum höre ich das so selten? In keinem Positionspapier erklären Sie, dass der Mensch ein erlösungsbedürftiger Sünder ist.

Andonie: Wir sagen erst, dass der Mensch grundsätzlich angenommen ist und dass wir daraus handeln. Wir möchten eine Basis schaffen, damit Menschen auch zu uns kommen. Ich kann doch nicht hingehen und zuerst sagen: Du bist fehlerhaft und jetzt komm zu uns. Wir sagen: Hier ist ein Raum, in dem du dich entfalten kannst. Und dann kommen wir auf andere Ebenen.

Oster: In dem Punkt sind wir uns ja einig. Aber den anderen Schritt sehe ich oft nicht mehr.

Andonie: Doch, der ist eindeutig da. Ich engagiere mich ja auch nicht, weil ich so ein guter Mensch bin und gerne durch die Welt reise. Ich möchte aus dem Glauben heraus die Welt gestalten. Darum engagieren sich viele junge Menschen etwa als Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter oder organisieren internationale Begegnungen.


Ist das pädagogisch klug, jungen Menschen erst einmal zu sagen: Ihr seid alle Sünder und müsst erlöst werden?
Oster: Der Punkt ist: Wie sage ich es so, dass ich junge Menschen ernst nehme, sie von Herzen annehme, aber gleichzeitig deutlich mache, dass Jesus eine existenzverändernde Gestalt ist und mit seinem göttlichen Leben unser Herz verwandeln will? Das geht doch meistens unter. Wann haben Sie davon das letzte Mal in einer Predigt gehört? Glaubt noch jemand, dass man verloren gehen kann, weil man ein Sünder ist? Und dass das der eigentliche Grund für das Kommen Jesu ist: die verlorene Menschheit? Ich nenne das Heilsautomatismus: Gott liebt mich ohnehin – also ist es nicht mehr so wichtig, wer er ist und ob und wie ich mit ihm lebe.

Andonie: Junge Menschen kennen doch das Gefühl, verloren und verlassen zu sein. Es ist wichtig, sie erst einmal zu bestärken.

Oster: Fragen Sie doch mal Katholiken, auch junge Menschen in den Jugendverbänden: Wer ist für dich Jesus? Die meisten werden vermutlich sagen, ein besonderer Mensch, der nah mit Gott gelebt hat – aber nicht Gott. Und fragen Sie: Was ist der Kern des Evangeliums? Da würden wohl die meisten sagen: Nächstenliebe oder ein guter Mensch sein. Das ist aber nicht das Evangelium!


Den Vorwurf, dass Sie eine Lightversion des Evangeliums vertreten, hat Bischof Oster dem BDKJ ja schon einmal gemacht.
Andonie: Das muss ich immer wieder deutlich abweisen. Wir pflegen ganz stark Glaubensrituale, das gemeinsame Gebet, die Messe als Zentrum, aus dem wir handeln. Jede Veranstaltung ist mit einem Gebet, einer Vesper oder einem anderen Gottesdienst verbunden. Man kann von außen niemals den Glauben eines Menschen beurteilen. Ich finde es auch schwierig, so etwas sehr Persönliches, wie Gott einem Menschen begegnet, bei jungen Menschen auf den Prüfstand zu stellen und zu beurteilen, ob sie nun gut oder schlecht glauben. Wenn Gott so groß, so unfassbar ist, ist er für Menschen nicht zu erklären.

Oster: Stimmt, er ist unfassbar groß. Aber zu sagen, er wäre nicht erklärbar, bedeutet im Grunde, das Evangelium zu verneinen, denn er hat sich uns ja darin erklärt – damit wir es verkünden. Verhindern wir mit so einer Aussage also nicht, junge Menschen in eine echte Begegnung mit dem Herrn zu führen?

Andonie: Das glaube ich nicht. Junge Menschen lassen sich berühren. Wir schaffen solche Möglichkeiten. Aber wir fangen nicht mit der Transzendenz, mit der Jesus-Erfahrung an. Wir fangen bei der Lebenswelt der jungen Menschen an und zeigen das Evangelium als frohe Botschaft, die dich fordert und fördert, deinen Platz in der Welt zu suchen, und erwartet, dass du nicht dort verharrst, wo du bist. Es gibt nicht nur eine Art der Vermittlung. Nicht jeder muss über Jesus sprechen.

Oster: Nicht jeder muss über Jesus sprechen? Wir haben als Kirche den Auftrag, ihn und niemand anders zu verkünden.

Andonie: Wir reden eben nicht nur darüber, sondern setzen unseren Glauben in die Tat um: wenn junge Menschen sich zum Beispiel für einen Freiwilligendienst im Altenheim oder in einer Krisenregion entscheiden.


Geschieht das häufig genug, dass das „Evangelium der Tat“, wie Sie es nennen, rückgebunden wird an Jesus?
Andonie: Ja. Überall, etwa bei Gruppenleitungskursen oder Jugendfreizeiten, werden auch Glaubensinhalte kommuniziert, gemeinsam Morgen- und Abendlöber gestaltet. Da geht es ganz stark darum, wie man über den Glauben sprechen kann, wie man aus dieser Botschaft heraus junge Menschen begleiten kann. Ich möchte nicht immer hören, dass junge Menschen das und das sagen müssen, damit es auch richtig ist. Junge Menschen brauchen eine eigene Sprache, um die Dinge selbst zu begreifen.

Oster: Überhaupt keine Frage. Ich bin ja über jeden froh, der sich in einem Jugendverband engagiert. Aber ich meine, dass wir generell in der Kirche, nicht nur in der Jugendarbeit, diese Mitte des Evangeliums aus den Augen verlieren.


Für Bischof Oster muss die Jugendarbeit also wieder stärker über Jesus sprechen, ihn verkünden. Herr Andonie, was muss sich aus Sicht der Jugendlichen verändern, damit die Kirche für sie wieder attraktiver wird?
Andonie: Sie muss durch die Tat sprechen. Junge Menschen fragen mich doch auch, warum machst du das? Auch als ich als Gruppenleiter, Ministrant oder in der Hochschule aktiv war. Die Kirche muss in der Breite glaubwürdiger sein.


Im Vorbereitungspapier der Synode heißt es, die Jugend verjüngt die Kirche. Geht es bei der Jugendarbeit also um Nachwuchsrekrutierung?
Andonie: Nachwuchsrekrutierung ist hier das falsche Wort. Uns geht es darum, jungen Menschen einen Raum zu bieten, wo sie sich selbst erfahren können, wo sie ihren Glauben erfahren und wachsen können.


Was passiert mit der Kirche, wenn sie die Jugend verliert?
Oster: Mir geht es doch nicht zuerst um die Kirche als Kirche. Sie ist kein Selbstzweck. Mir geht es um Gottes Kommen in die Welt: Wir sollen so vielen Menschen wie möglich erzählen, was uns passiert ist, und jeden in die erlösende Gemeinschaft mit Gott hineinholen. Dafür ist die Kirche da. Nach Paulus ist die Kirche ein lebendiger Organismus. Organismen wollen wachsen oder sie sterben. Wenn Kirche nicht mehr wachsen will, nicht mehr Menschen helfen will, zu Christus zu finden, ist irgendwas faul. Ist es nicht seltsam, dass die Rede von einer missionarischen Kirche in den etablierten kirchlichen Strukturen oft so schlecht goutiert wird?


Verstehen sich die Jugendverbände als missionarisch?
Andonie: Ja, natürlich. Wir gehen nach draußen – etwa im nächsten Jahr mit der 72-Stunden-Aktion. Als Glaubende verändern wir die Welt, wollen die Erde ein Stück dem Himmel näherbringen. Das ist ein ganz klarer missionarischer Anspruch.


Da kann man nicht widersprechen, Herr Bischof: Bei der Aktion übernehmen Jugendliche praktische Aufgaben, renovieren zum Beispiel einen Spielplatz. Zu der Aktion gehört meist ein geistliches Element, etwa ein gemeinsames Gebet.
Oster: Wunderbar. Das ist auch eine Aktion, die wir als gutes Beispiel nach Rom gemeldet haben.


Abseits solcher Events – was ist für Sie ein Beispiel gelungener Jugendarbeit?
Oster: Überall, wo junge Menschen einladende Gemeinschaft erleben. In einer geistlichen Atmosphäre. Die Gemeinschaft muss sich anders anfühlen als bei der Feuerwehr oder im Sportverein. Dann muss in einer solchen Gemeinschaft herausfordernd das Evangelium verkündet werden. Wichtig ist auch, die Ästhetik junger Menschen aufzunehmen. Und – das ist das Zentrale – wir brauchen Menschen, die das können und in der Lage sind, Jugendlichen ihre Freundschaft anzubieten.


Oft wird beklagt, dass junge Menschen dem Sonntagsgottesdienst fernbleiben. Man kann ihnen nicht verübeln, keine Lust zu haben, allein unter deutlich älteren Menschen zu sein.
Oster: Da darf sich die Gemeinde fragen, wie sie jungen Menschen in den Glauben hilft. Man darf auch den örtlichen Jugendverband fragen, ob ihm das gelungen ist. Manchmal kümmert sich kein Hauptamtlicher mehr um die Jugendarbeit. Dann verselbstständigt sich diese. Sie machen dann Zeltlager, Partys und andere Dinge, aber sie haben kaum Rückbindung an die Liturgie oder an die Gottesdienstgemeinschaft. Und wir haben oft wenig Fantasie, wie wir für und mit jungen Menschen lebendige Gemeinde sein können.


Nutzen Pfarrgemeinden die Chancen der Jugendarbeit nicht richtig?
Andonie: Es wirkt auf junge Menschen nicht sonderlich attraktiv, wenn die Gemeinde einfach nur bestimmte Dinge erwartet. Jugendliche brauchen einen Raum. Nicht einen, der sozusagen schon mit Möbeln zugestellt ist, sondern einen Raum, den sie selbst – auch spirituell – gestalten können. Dazu muss es auch geistliche Begleitung geben, die sich an den jungen Menschen orientiert und durch den Pfarrer oder andere Seelsorgerinnen und Seelsorger unterstützt wird.

Interview von Ulrich Waschki