06.07.2021

Klein und fein ist die Tränkhof-Kapelle

Alle zusammen für St. Josef

Klein und fein ist die Tränkhof-Kapelle. Poppenhausens Ortsteil Tränkhof hat 83 Einwohner. Der dortige Verein St.-Josefs-Kapelle bringt es auf 100 Mitglieder. Was läuft da so gut, dass alle sich zusammentun? Evelyn Schwab hat nachgefragt.


Der Vorsitzende und das 100. Mitglied: Walter Bernhardt (links) mit Clemens Hamm


Zwei Wirtshäuser in Tränkhof, aber keine Kirche: Ein Stammtisch-Gespräch unter Einwohnern des Rhöndorfs löste im Juni 1994 die Gründung des Kapellenvereins aus. Dessen Ziel: Kapital ansparen für den Bau eines kleinen Gotteshauses. Erlöse von Dorffesten, die Werbung um Spenden und das Bemühen um Zuschüsse von geeigneten Stellen ließen ein finanzielles Polster anwachsen. Baubeginn war 1999.
Im Juli 2000 fand die Einweihung der Kapelle mit barocken Elementen statt – im Rahmen eines großen Dorffests mit dem damaligen Weihbischof Ludwig Schick. Das geplante 20-Jahr-Jubiläum 2020 konnte pandemiebedingt nicht gefeiert werden. „Wir haben allen Gründungsmitgliedern einen schönen Bildband gestaltet, von der Grundsteinlegung bis zur Weihe“, erzählt Vorsitzender Walter Bernhardt: „Dazu gab es für jeden einen Rosenkranz.“
In der kleinen Kirche von sechs auf neun Metern Grundfläche kamen die gemeinsamen Angebote seit der Coronazeit zum Erliegen. Bernhardt: „Wir haben acht Bänke zu je vier Plätzen. Beim geforderten Abstand mit 1,50 Metern könnten fünf Leute hinein. Das bringt nichts.“ Dann muss es anders laufen, aber wie?

Eine Kapelle, die täglich in der Zeitung steht

„Wir stehen täglich in der Zeitung unter den Ausflugszielen“, sagt der Vorsitzende. An den Einträgen im Besucherbuch ist die Zahl der interessierten Gäste abzulesen: Immer wieder mal zwei oder drei neue. Die Kapelle lockt mit Werken des Oberammergauer Bildhauers, Fresco- und Lüftlmalers Sebastian Pfeffer. Tränkhof liegt an der Landstraße hinauf zur Wasserkuppe, ideal für einen Abstecher von Ausflüglern. Das Kirchlein selbst sieht man von der Straße aus nicht, aber „die Turmspitze guckt auf jeden Fall raus“.
Zum Jahresbeginn 2021 hat der Kapellenverein eine Familien-Mitgliedschaft eingeführt. Das gab mit bisher zehn Neueintritten einen Schub für die Mitgliederzahl und verjüngte die Altersstruktur. Während der übliche Jahresbeitrag pro Person 18 Euro beträgt, kann eine ganze Familie mit mindestens einem Kind unter 21 Jahren für 30 Euro pro Jahr in den Verein. Der siebenjährige Clemens Hamm wurde das 100. Mitglied. Es sei immer gut, wenn man die Jugend früh in die Vereinsarbeit einbinde, so Bernhardt: „Sie lernt Verantwortung für später.“
Die stetige Pflege des kleinen und feinen Kirchleins ist dem Verein sehr wichtig. „Wenn wir schon nichts machen können, soll die Kapelle in Ordnung sein“, sagt Bernhardt. Zweimal pro Jahr ist Generalreinigung. Der komplette Vorstand und Freiwillige, die mit Hacke und Schippe umgehen können, sind dann stets etwa einen halben Tag am Werk. Schon beim Bau der Kapelle erbrachten die Mitglieder viele freiwillige Arbeitsstunden und nahmen wenige Dienste von Firmen in Anspruch. Das wirkte sich auf die Wahl des Kapellenpatrons aus. Bernhardt: „Der heilige Josef ist ein Arbeiter und Schaffer.“ Weil die Helfer auch in Latzhose und Arbeitsschuhen mit Körperkraft ans Werk gingen, benannten sie die kleine Kirche nach Josef.

Regelmäßig wird Unkraut gezupft und werden Blumen gegossen

Noch bis 2007 war der Verein mit der Errichtung einer Kreuzigungsgruppe als dem letzten Bauabschnitt beschäftigt. Dort soll am 1. August um 10 Uhr wieder eine Messe im Freien stattfinden. Gottesdienste draußen an der Westseite der Kapelle haben bereits ihre feste Struktur. Der Pfarrer steht vor dem Hochkreuz mit Christusfigur und den Assistenzfiguren Maria und Johannes, die Gottesdienstbesucher feiern unterhalb mit. „Das ist immer ein tolles Bild“, so Walter Bernhardt.
Ehefrau Luise Bernhardt und Rosemarie Hauke, Frau des ehemaligen Vorsitzenden Hans-Jörg Hauke, schauen täglich nach dem Rechten. Mal wird gegossen oder Unkraut gezupft, mal werden herabgefallene Äste entfernt oder die Kerzen in der kleinen Opferkapelle nebenan nachgefüllt. Vereinsmitglieder, Spaziergänger und Wanderer sollen ihre Freude haben an diesem Ort, wo sich Kraft und Zuversicht auch in Pandemiezeiten tanken lassen.

Geöffnet ist das kleine Kirchlein täglich von 10 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 1. August, um 10 Uhr Freiluftmesse.

Von Evelyn Schwab