14.02.2019

Kleines ABC der Kirchenentwicklung

Die „Architektur der Prozesse“

Oft wird die „lokale Kirchenentwicklung“ zur „Stopfgans“ gemacht: Alles, was modern klingt, wird reingestopft. Doch was ist wesentlich für die Kirche 2030? Es wäre gut, wenigstens einige Begriffe des Pastoralsprech zu verstehen.
Heute geht es in unserem „kleinen ABC“ um die „Architektur“ der Prozesse. Von Johannes Becher.

Wie jeder Um- oder Neubau braucht auch die Kirchenentwicklung einen Plan. | Foto: AdobeStock
Wie jeder Um- oder Neubau braucht auch die Kirchenentwicklung einen Plan.
Foto: AdobeStock

„Not lehrt beten!“ So spricht der Volksmund. Vielleicht lehrt sie auch Reformen … Doch offensichtlich ist „die Not“ noch nicht groß genug in deutschen Landen. Jedenfalls nicht die kirchliche Not. Wie sonst wäre erklärbar, dass in fast allen Diskussionen um anstehende Veränderungen der Volkskirche stets das Feilen an der äußeren Gestalt wesentlicher scheint als die Suche nach dem Kern? Geldsorgen statt Gottsuche …

Und doch ist es die Not, die überhaupt ins Verändern bringt. Ohne Not würde nichts anders in der Kirche. Schade, dass es solchen Druck braucht. Denn das heutige Gesicht einer Versorgungs- und Dienstleistungskirche ist ja weniger theologischem Denken als menschlicher Bequemlichkeit folgend. Dabei ist das Suchen und Finden einer neuen Art, Kirche zu sein, ja etwas, was alle Getauften und Gefirmten betrifft. Frei nach dem Gesellschaftsspiel könnte das Motto lauten: „Mensch, ändere Dich!“
Es geht uns alle an, was aus dieser Kirche wird. Und ob es unsere Kirche bleibt (oder immer mehr wird). Das ist so einfach wie schwierig. Denn es gibt nicht nur Kerngemeinde und Fernstehende, sondern mitten im Zentrum tobt der Kampf zwischen Erneuerern und Bewahrern heftiger denn je. Der Kampf zwischen jenen mit großer Angst vor der bösen Welt, die sich am liebsten zum heiligen Rest sammeln würden, und jenen, die in der Welt von heute Christ sein wollen („Reich-Gottes-Katholiken“).

Johannes Becher Foto: privat
Johannes Becher
Foto: privat

Wenn es da gelingt, überhaupt miteinander im Gespräch zu bleiben ohne sich plakativ zu beschimpfen und gegenseitig das Katholisch-Sein abzusprechen, dann wäre schon viel erreicht. Vielleicht das Wesentliche. Denn „lokale Kirchenentwicklung“ verlangt eine andere Haltung von allen. Doch vor allem Mitwirken geht es zuerst um das Suchen nach Gott. Und um das Danken, Gedenken, Feiern dieser Gemeinschaft im Glauben: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir …“
Auch die Akteure in den pastoraltheo-logischen Denkfabriken wissen um ihre Begrenztheit – oder besser: um das Geschenk der Gnade: „Gott kommt unserem Tun durch seine Gnade zuvor. Lokale KirchenentwicklerInnen sind in diesem Sinne keine MacherInnen, sondern pastorale EntdeckerInnen und ekklesiogenetische MystagogInnen, die im scheinbar Abwegigen und Distanten das Ekklesiale und Eigentliche zu entdecken verkünden.“

Alles verstanden? Wohl kaum. Wesentlich ist: Zuerst kommt Gott. Und er macht sehr viel Geschenke. Und zwar an ganz vielen Orten und bei ganz vielen Menschen, die wir noch gar nicht als Kirche eingesammelt haben …

Trotzdem braucht es in allem Gottvertrauen einen Plan für die Veränderungsprozesse. Es geht nicht um ein Fertighaus – auch wenn offenbar manche Bauteile bereits pastoral-industriell gefertigt scheinen. Stein auf Stein … anders geht es nicht.
(Bau-)Phase 1: „Mobilisieren – Den Menschen die Angst nehmen“ – Weil es vor allem um ein katholisches Heimatgefühl geht und um einen Wandel von der Versorgungskirche zur Kirche von Teilhabern, braucht es vor allem Angstvertreiber. Eine optimistische Vision: Statt die Furcht zu nähren, dass Wärmendes verloren geht, sollte die Freude über neuen Segen gedüngt werden.

Sodann folgt in Phase 2 der „Aufbau“ neuer Orte und Formen des Feierns. Und die verbreitete Grundhaltung, dass alle Jesu Zeugen sind.
In einer dritten Bauphase folgt das „Festigen“. Der Kulturwandel wird alltagsfest gemacht.