04.11.2022

Anke Jarzina und die "Outdoor-Seelsorge"

Auf Spurensuche im Wald

Anke Jarzina hat das Arbeitsgebiet Outdoor-Seelsorge entwickelt. In einer gesundheitlichen Krise entdeckte die Pastoralreferentin der Pfarrei St. Peter und Paul Wiesbaden die Heilsamkeit des Waldes und der Natur für sich wieder. Von Christa Kaddar


Im Wald fühlt Outdoor-Seelsorgerin Anke Jarzina die heilsame Verbundenheit mit allem, mit sich selbst und mit Gott.


„Ich glaube, dass das, was mir geholfen hat, auch anderen helfen kann“, sagt Anke Jarzina, 44. Nach einem Hörsturz vor einem Jahr hat sie eine intensive Genesungs- und Orientierungsphase durchlebt. Weil sie sich in der Kirchenentwicklung engagiert, hat die Diplom-Theologin dieses neue Aufgabenfeld entwickeln dürfen. Sie bietet Begleitung, Trauerbegleitung, Orientierung, Entspannung und Glaubensgespräche in der Natur für Einzelne und Gruppen an. Bei ihren ersten Einsätzen hat sie Menschen bei Entscheidungsfindungen auf dem Klostersteig und im Schlangenbader Wald begleitet und neben Gesprächen auch Coaching-Karten eingesetzt.

Welche Spuren hat Jesus hinterlassen?

Die Mutter von zwei Kindern übernimmt in ihrer Pfarrei neben der Outdoor-Seelsorge auch Beerdigungen im Bestattungswald und konzipiert Bausteine zum Beispiel für die Erstkommunion-Kinder zur „Spurensuche im Wald“. Dabei geht es um Spuren von Tieren und von Menschen – Abdrücke von Schuhen, Auto- und Fahrradreifen und vieles mehr. „Wenn wir von dieser Spurensuche zurückkommen, werden wir überlegen, welchen Menschenspuren wir gerne folgen und welche Spuren Jesus hinterlassen hat.“

Ein Hörsturz mitten im Change-Kurs

Für Anke Jarzina schließt sich nun der Kreis zu ihrer Kindheit und Jugend. Sie ist im idyllischen Luftkurort Espenschied inmitten von Wiesen und Wäldern aufgewachsen, war bei den Pfadfindern im Kloster Schönau aktiv. Schon in der Realschule in Nastätten hatte sie bei einem Fragebogen zur Berufsorientierung angegeben, sie wolle beruflich „etwas mit Menschen und mit Natur“ machen.
Als  sie  2020  in  die  Pfarrei   St. Peter und Paul nach Wiesbaden kam, verhinderte Corona zunächst das echte Ankommen an ihrem neuen Wirkungsort. „Wir begegneten uns überwiegend via Zoom“, berichtet Anke Jarzina, die glücklich war, als 2021 einiges in Gang kam wie beispielsweise der vom Bistum Limburg koordinierte Prozess „Veränderung gestalten“, der von allen „Change-Kurs“ genannt wurde. „Mitten im Change-Kurs bekam ich einen Hörsturz. Ich hatte viele Hoffnungen in diesen Transformationsprozess gesetzt – und es war, als sei eine Sicherung bei mir rausgeflogen“, berichtet sie. Dennoch glaubte sie, in ein paar Tagen wieder arbeitsfähig zu sein, aber das dauerte Monate. Ein Tinnitus ist bis heute da.
„Unter dem Geräuschteppich des Waldes spielte der Tinnitus keine Rolle“, stellte sie fest. „Die Bäume kommunizieren mitein-ander durch Terpene, die auch einen Effekt auf die menschliche Gesundheit haben und – wissenschaftlich nachgewiesen – sogar Krebs vorbeugen können.“
Ihr wurde klar, dass sie auch beruflich in der Natur arbeiten wollte, und sie fing an zu recherchieren. Dabei wurde ihr immer klarer, dass sie das, was sie schon seit der Jugendzeit gesucht hatte, ganz leicht im Wald und der Natur finden konnte: die Verbundenheit mit allem, mit sich selbst und mit Gott.
Der Eltviller Revierförster Klaus-Peter Steiner machte sie auf zwei Faktoren aufmerksam, auf die Förster sich in einer veränderten Natur einstellen. Er sagte ihr: „Wir müssen erstens lernen, mit Störungen umzugehen und sie in unser Handeln zu integrieren, und zweitens das, was von alleine wächst, als Zeichen der Hoffnung deuten und verstärken.“ Das konnte Anke Jarzina auf ihre berufliche Situation übertragen und so ihre neuen Aufgaben in der Kirche konzipieren. Ihr Chef, Pfarrer Knud Schmitt, unterstützt ihr Projekt.

Von Christa Kaddar

 

ZUR PERSON

Ausbildung beim NABU

nke Jarzina ist regelmäßig mit ihren „Sonntagsgedanken“ im hr1-Radio zu hören. Für ihr neues Projekt hat sie eine Ausbildung zur Naturführerin beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemacht. Sie lässt sich von dem Ausspruch von Ignatius von Loyola leiten: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her.“
Ihre Begleitung bietet sie für alle Menschen an, die auf der Suche sind. Das Angebot ist kostenfrei. (chk)

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