17.07.2019

Sommerserie 2019 – Teil 3

Auftanken im Lindenhain

Der dritte Kraftort unserer Sommerserie ist der Herzenberg in Hadamar. Die dortige Marien-Wallfahrtskapelle ist in der Region rund um Limburg und den Westerwald ein bedeutender Ort der Volksfrömmigkeit. Zahlreiche Votiv- und Danktafeln sind in ihrem Eingang angebracht. In ihrem Innern sind die Herzen von vier Fürsten beigesetzt. Von Heike Kaiser.

Pfarrer Andreas Fuchs steht auf dem Herzenberg-Plateau und zeigt auf Hadamar. Foto: Heike Kaiser
„Das Herzenberg-Plateau bietet einen herrlichen Ausblick auf Hadamar“, schwärmt Pfarrer Andreas Fuchs.
Zum Beispiel auf das Bischöfliche Konvikt, die heutige Ausbildungsstätte der Limburger Domsingknaben.



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Wir beginnen unseren Weg zum Herzenberg an der Pfarrkirche St. Nepomuk in der Hadamarer Innenstadt, gehen die gleiche Strecke, die sonst die Wallfahrtsprozession zu der mehr als 300 Jahre alten Herzenbergkapelle nimmt. „Das nächste Mal am 18. August, dem Sonntag nach dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel“, erzählt Pfarrer Andreas Fuchs, der mich begleitet.

Der Kreuzweg ist, verglichen mit dem Weg der Sieben Schmerzen, der beschwerlichere, der steilere. Ein Grund dafür, dass leider immer weniger Gläubige an der Fußprozession teilnehmen, vermutet Pfarrer Fuchs. Doch mit dem Auto kommt man bequem zum Wallfahrtsort: „Einfach als Adresse ,Auf dem Herzenberg’ ins Navi eingeben“, so der Tipp des Seelsorgers. „Am Friedhof, der sich an die Herzenbergkapelle anschließt, gibt es genügend Parkplätze.“

Pfeiler mit den zwei Wegen auf den Herzenberg Foto: Heike Kaiser
Zwei Wege führen zum Ziel: Der (beschwerlichere) Kreuzweg und der Weg
der Sieben Schmerzen.

Unser Weg führt von der Pfarrkirche über den Untermarkt am historischen Rathaus vorbei, es geht weiter durch die Nonnengasse und entlang des ehemaligen Hadamarer Krankenhauses, wo einst Pallottinerinnen und Arme Dienstmägde Jesu Christi ihren Dienst taten. Dann liegt er vor uns, der Kreuzweg hoch zur Wallfahrtskapelle auf dem Herzenberg. Wir brauchen seit unserem Start an der Pfarrkirche etwa 20 Minuten, bis wir an unserem Ziel angelangt sind. Die Prozession dauert natürlich um einiges länger. „Nicht zuletzt deshalb, weil sie vom Musikverein Hadamar Stadt und Land begleitet wird und die Musiker vor jeder großen Stufe Halt machen, um ein Kirchenlied zu spielen“, erläutert Fuchs.

Vor uns kommt ein kleiner Weinberg in Sicht. „Hier wird ein eigener Herzenbergwein angebaut und als Tafelwein verkauft“, weiß mein sachkundiger Führer. Wir passieren den Weinberg und stehen nun in einem Ziergarten, den ein Marienbrunnen schmückt. Ehrenamtliche des Herzenbergvereins kümmern sich um die Anlage, pflegen den Rasen, den Brunnen und die Bäume. „Sonntags wird hier von Frauen aus der Pfarrei Kaffee und Kuchen angeboten – für einen guten Zweck“, berichtet der 54-Jährige.

Ein atemberaubender Blick über die Fürstenstadt Hadamar

Das Herzenberg-Plateau ist ein herrlicher Lindenhain. Hier hat man einen atemberaubenden Panoramablick über die Fürstenstadt Hadamar. „Die Linde gilt als Treffpunkt, als ein Ort mit Sammlungscharakter, wie dies zum Beispiel in dem Volkslied ,Am Brunnen vor dem Tore’ zum Ausdruck kommt. Deswegen ist sie auch der Mittelpunkt dieses Ortes“, erklärt Andreas Fuchs. „Im Sommer ist es hier besonders schön, weil immer ein laues Lüftchen weht.“

Noch ein paar Schritte, und wir stehen vor der Herzenbergkapelle. Als erstes fallen die vielen Votivtafeln ins Auge, die an den Wänden des überdachten Eingangs angebracht sind. Die meisten stammen aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Auch heute noch werden sie gelegentlich gestiftet.

In der Herzenbergkapelle sind die Herzen vierer Mitglieder von nassauischen Fürstenhäusern beigesetzt: Franz Bernhard von Nassau-Hadamar (verstorben 1695), Franz Alexander von Nassau-Hadamar (verstorben 1711), Franz Hugo von Nassau-Siegen (verstorben 1736) und Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen (verstorben 1743) – und so ist der Herzenberg zu seinem Namen gekommen.

Der Herzenberg ist heute vor allem ein Kraftort für Kranke

In der Wallfahrtskapelle sind den ganzen Tag über Einzelpilger anzutreffen – von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends, wenn das kleine Gotteshaus geschlossen wird. „Viele kommen jeden Tag hierher, andere ab und zu, je nachdem, welches Anliegen sie an die Muttergottes richten“, berichtet Pfarrer Fuchs. „Aber alle suchen sie eine Kraftquelle.“

Waren es zu früherer Zeit Menschen, die mit der Bitte um die Rückkehr des Sohns, des Bruders, des Vaters, des Ehemanns aus dem Krieg hierherkamen oder weil die Not des Lebens, die Armut sie zu erdrücken drohten, ist der Herzenberg heute vor allem Kraftort für diejenigen, die an Krebs oder einer psychischen Krankheit leiden, die Schwierigkeiten in ihrer Beziehung, in ihrer Familie haben. „Sie bitten um den Beistand der Muttergottes, der Trösterin der Betrübten“, weiß der Seelsorger aus vielen persönlichen Gesprächen.

Inzwischen sind einige Beter gekommen, ein älteres Ehepaar kniet in einer Kirchenbank nieder. „Wir kommen jede Woche zwei- bis dreimal her“, berichtet der Ehemann. „Das gehört zu unserem Leben, das ist für uns Hadamarer eine feste Institution. Wenn ich hier Ruhe finde, im Gebet Kraft tanke, lerne ich, wieder Mensch zu sein.“

Auch für Andreas Fuchs, seit 2011 Pfarrer in Hadamar, ist der Herzenberg ein persönlicher Kraftort: Seit seiner Priesterweihe 1997 trifft er sich hier jedes Jahr mit seiner Familie und feiert einen Gottesdienst. Der gebürtige Wes-terwälder hat eine ganz persönliche Beziehung zu dem Wallfahrtsort: „Kurz vor meiner Priesterweihe ist mein Vater gestorben, und ich habe den Herzenberg als Kraftquelle gefunden“, erzählt er. „Er ist inzwischen zu unserem Familienort geworden.“

Die Wallfahrtskapelle ist ganzjährig von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Während der Wallfahrtszeit (vom 1. Mai bis zum letzten Sonntag im September) wird donnerstags um 18.30 Uhr eine Abendmesse und sonntags um 15 Uhr eine Andacht gefeiert. Informationen: Telefon 06433/ 9 30 50, E-Mail: info@katholischeshadamar.de

 

TIPP: Blütenpracht

  • „Rosige Momente“ können Besucher im Rosengarten erleben, der Mitte der 1990-er Jahre auf dem Herzenberg-Plateau entstand
  • Die Naherholungsanlage vergrößert sich Jahr für Jahr
  • Der Rosengarten in Hadamar gehört zu den beliebtesten Fotomotiven
  • Besonders in den Sommermonaten wird der Rosengarten zu einem Meisterwerk der Botanik
  • Den Rosengarten pflegen ehrenamtliche Helfer, Mitglieder und Förderer des „Vereins Rosengarten Hadamar“
  • Die Besichtigung ist jederzeit und kostenfrei möglich (kai) 

 

GESPÜRT: Leicht und voll innerem Frieden

Schon als Kind war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder oft sonntagnachmittags am Herzenberg, komme bis heute gerne hierhin. Und erlebe jedes Mal eine Form von Leichtigkeit, von innerem Frieden, wenn ich auf einer Bank vor dem Friedhof sitze und auf Hadamar hinabschaue. Mir öffnet sich das Herz, wenn ich in der lichtdurchfluteten barocken Marienkapelle in Einklang mit mir und der Welt komme. Ob das an den glasklaren Fenstern liegt, die innen zeigen, wie die Welt draußen ist? Mal mit frisch belaubten Bäumen, manchmal aber auch kahl und grau. (kai)