17.02.2022

Ortsausschüsse im Bistum Limburg

Begegnung schafft Profil

Sie sind das Gesicht der Kirche vor Ort, die „Kümmerer“: die Ortsausschüsse. In den Pfarreien neuen Typs sorgen sie dafür, dass örtliche Traditionen am Leben erhalten werden. Welche Akzente können sie setzen? Eine Umfrage im Bistum Limburg. Von Heike Kaiser


Auf Jugendarbeit setzen, um eine lebendige Gemeinde wachsen zu lassen.


Sie wollen ihre örtliche Pfarrkirche erhalten und gründen Fördervereine, um deren Unterhalt zu finanzieren. Sie erarbeiten Konzepte, um wieder Leben in das leerstehende, denkmalgeschützte Pfarrhaus zu bringen. Sie möchten örtliche Traditionen bewahren – die Kirchweih, die Prozession, die Wallfahrt: die Ortsausschüsse der Kirchorte, die zu einer Pfarrei neuen Typs gehören. Wie gelingt es ihnen, das Profil des kirchlichen Lebens vor Ort zu schärfen?
„Wir versuchen, eine lebendige Gemeinde nachhaltig wachsen zu lassen. Dazu brauchen wir junge Menschen, die dazugehören möchten und die in Familien aufwachsen, wo Glauben gelebt wird“, sagt Simone Weis, Vorsitzende des Ortsausschusses von St.  Valentinus  und  Dionysius  Kiedrich (Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau). „Deswegen liegt unser Schwerpunkt auf der Kinder-, Jugend und Familienarbeit. Positive Erlebnisse, gemeinsame Projekte, Gemeinschaft, Austausch, das sind wichtige Elemente.“

Positive Erlebnisse und Kirchortfest organisieren

Um das Profil des Kirchorts Kiedrich – einem von zwölf in der neuen Pfarrei – zu stärken, sei „Begegnung sehr wichtig“, betont Weis. „Wir versuchen mit Angeboten wie meditativem Wandern, Kinderkirche, Gemeindefrühstück, Empfang mit Sekt und Gebackenem an der Erstkommunion Raum für Begegnung zu schaffen.“ Natürlich sei auch Musik von großer Bedeutung. „Wir haben hier die Kiedricher Chorbuben mit ihrem traditionellen germanischen Chordialekt und die Klangfarben, die sich etwas moderner mit neuer geistlicher Musik bis hin zum christlichen Pop versuchen.“ Um sich Zeit für Ruhe und Besinnung zu nehmen, sei ein geistliches Wochenende des Ortsausschusses fester Bestandteil des Jahresprogramms. „Wir waren nun zum sechsten Mal in Folge im Kloster Frauenberg in Fulda“, freut sich Weis.
„Den Schwerpunkt unserer Arbeit sehen wir darin, unser Pfarrfest – heute heißt es ja Kirchortfest – zu organisieren“, berichtet Dietmar Schlaadt, Vorsitzender des Ortsausschusses von St. Georg Kestert. Die Gemeinde gehört zur Pfarrei Heilige Elisabeth von Schönau mit Sitz in Kamp-Bornhofen (Bezirk Rhein-Lahn). Außerdem kümmere sich der Ortsausschuss um die Seniorenweihnachtsfeier und um das Schmücken der Kirche in der Weihnachtszeit. „Hauptsächlich aber fungieren wir als Ansprechpartner zwischen Geistlichkeit und Kirchort.“

Sehr schwer, jüngere Mitglieder zu gewinnen

Dem Ortsausschuss von St. Georg Kestert gehören zurzeit fünf Frauen und Männer an. Die Zahl möchte Schlaadt gern erhöhen, aber: „Es fällt uns sehr schwer, neue, jüngere Mitglieder zu gewinnen.“ Das sei, merkt er an, zwar auch der Pandemie geschuldet. „Doch die Hauptursache sehen wir in der nicht aufgearbeiteten Missbrauchssituation der katholischen Kirche.“
Bewährtes fortführen, Neues tun, „um Gemeinde und Kirche spürbar zu machen“, hat sich der Ortsausschuss St. Martin Frickhofen (Pfarrei St. Blasius im Westerwald) auf seine Fahnen geschrieben. Fast alle neun Mitglieder des Gremiums gehören zum „Willkommensteam“: „Die Begrüßung vor und das Verabschieden nach dem Gottesdienst bringt ein Gefühl von Nähe und Miteinander, das es so vor Corona nicht gab“, sagt Elisabeth Schneider, Vorsitzende des Ortsausschusses. „Mit verschiedenen Aktionen möchten wir unserer Kirche vor Ort ein Gesicht geben und zeigen, dass wir Laien auch Kirche sind und diese gestalten können.“ Es werden Briefkasten-Kerzen mit einem Gruß des Ortsausschusses verteilt, an Gründonnerstag bekommen kranke und alte Gemeindemitglieder ein gesegnetes Brot, am Patronatstag (Martinitag) finden alle Gottesdienstteilnehmer eine Martinsbrezel auf ihrem Platz vor. „Ähnliches planen wir auch dieses Jahr wieder – zunächst einmal bis Ostern“, verspricht Schneider.

Oft mit den Schwestern zusammen in Aktion

Dass an jedem Sonntag Gottesdienst gefeiert werden kann, dafür sorgt der Ortsausschuss von St. Laurentius Dernbach (Pfarrei St. Bonifatius Wirges). „Wir sorgen unter anderem für die Vorbereitung und Durchführung von Gebetszeiten und besonderen Gottesdiensten, zum Beispiel an Fronleichnam oder im Mai an der Kapelle am Heilborn. Der Ortsausschuss übernimmt auch den Ordnerdienst bei den Gottesdiensten“, berichtet die Vorsitzende, Tanja Schwickert. Den Kirchort Dernbach prägen vor allem die heilige Katharina Kasper und die von ihr gegründeten Armen Dienstmägde Jesu Christi. „Wir arbeiten oft mit den Schwestern zusammen“, so Schwickert. Sie hofft, „dass wir am Palmsonntag und an Fronleichnam wieder Prozessionen in der gewohnten Form durchführen können. Und dass wir auch wieder zu Kreuzweg-Andachten und zu Mainandachten in der Heilbornkapelle zusammenkommen dürfen.“
In diesem Jahr seien keine größeren Aktionen geplant, bedauert Tanja Schwickert, aber: „Wir freuen uns schon auf den Besuch von Bischof Georg Bätzing bei seiner Visitation im Mai.“

Von Heike Kaiser