15.10.2020

Teil 33 unserer Gebetsschule

Beten lernen von Jesus

Unsere Gebetsserie neigt sich dem Ende zu. Haben Sie inzwischen beten gelernt? Bevorzugen Sie dabei eigene Gedanken oder lieben Sie mehr die althergebrachten Gebete? Und was ist besser? Fragen wir Jesus!

Eine Statue von Jesus
Wer beten lernen will, orientiert sich am besten an Jesus. 

Von Susanne Haverkamp 

Jesus war ein großer Beter. Von ihm beten zu lernen, ist deshalb eine gute Idee. Schon die Jünger hatten sie: „Herr, lehre uns beten.“ Schauen wir also auf seine Tipps und auf seine Praxis.

1. Jesus liebte feste Gebete

Jesu wichtigsten Gebetstipp kennen wir bis heute: das Vaterunser. Es ist kurz und knapp, auch langsam gesprochen dauert es gerade mal 30 Sekunden. Und in diesen 30 Sekunden ist alles drin: der Lobpreis Gottes zu Beginn, dann die Bitten um das Lebensnotwendige, um Vergebung und um zukünftiges Heil. Nur der Dank fehlt. Erstaunlich, denn der gehört zum jüdischen Beten hinzu: Lobpreis, Dank, Bitte – die Grundstruktur des Betens.

Dass das Gebet kurz ist, scheint Jesus nicht zu stören. „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen“ (Matthäus 6,7), sagt er als Einleitung zu seiner privaten Gebetsschule. Dieser Hinweis könnte auch uns entlasten: Kurz ist auch gut!
Ganz sicher betete Jesus die Psalmen. Als es für ihn ganz eng wurde, in der letzten Stunde, am Kreuz, da fiel ihm nur noch ein, was er als Kind gelernt hatte. Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens.“

Was der Mensch Jesus kurz vor seinem Tod in Schmerz und Angst erlebte, das erleben bis heute Menschen. Und bis heute helfen in der letzten Stunde diese tiefeingeprägten festen Gebete wie das Vaterunser und das Gegrüßet seist du Maria. Sei es, dass Sterbende es noch selbst beten können; sei es, dass ihre Angehörigen darin Halt finden; sei es, dass eine Seelsorgerin oder ein Krankenpfleger es sprechen. Wenn nichts mehr geht, wenn uns die Worte fehlen, dann geht das noch – und macht ruhiger.

Jesus besuchte die Synagoge, um dort mit anderen zu beten. Feste vorformulierte Gebete gehören zur jüdischen Liturgie genauso wie zur christlichen. Anders geht es ja auch nicht, wenn Menschen gemeinsam beten. Und das ist ein hoher Wert, dass viele gemeinsam beten. Denn so persönlich ein Gebet sein kann, so wichtig ist die Gebetsgemeinschaft – vor Ort in einer Kirche, aber auch über Zeit und Raum hinweg. Noch einmal das Vaterunser: Zu wissen, dass Millionen oder gar Milliarden Menschen in 2000 Jahren dieses Gebet vor Gott getragen haben, gibt ihm eine Würde und eine Stärke, die ein individuelles Gebet so nicht haben kann.

Deshalb: Bewahren Sie sich die festen Gebete aus dem Schatz der Kirche. Jahrtausendealter Glaube spricht daraus, in den wir auch heute noch einstimmen können.

2. Jesus liebte freie Gebete

So sehr Jesus aus dem Gebetsschatz des jüdischen Volkes schöpfte, so sehr sprach er frei und offen mit Gott. Abba, Papa, diese Gebetsanrede zeigt, wie innerlich nah er Gott war. Die Evangelien sind voll von Beispielen. Etwa die Geschichte von der Verklärung. Jesus geht auf den Berg, um zu beten. So intensiv scheint sein Gebet gewesen zu sein, dass er von innen heraus zu leuchten schien.

Oder das Gebet im Garten Getsemane: „Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen", fleht er und trägt seine Angst und seine Not tränenreich vor Gott.

Auch seinen Jüngern rät er immer wieder, Gott mit persönlichen Bitten zu bestürmen. Etwa im Gleichnis von der Witwe und dem Richter, das so schließt: „Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.“ (Lukas 18,7-8) Oder an anderer Stelle: „Bittet und es wird auch gegeben, sucht und ihr werdet finden.“ (Lukas 11,9)

Bittgebete hat er wohl auch selbst gesprochen. Nach der Auferweckung des Lazarus betet Jesus: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.“ (Johannes 11,41) Deshalb: Schütten Sie Gott Ihr Herz aus – sei es voll Freude, sei es voll  Angst, sei es voll Zorn. Egal welche Worte Sie sprechen, stammeln oder suchen – Gott versteht Sie.

3. Hauptsache Kontakt halten

Jesus geht es beim Beten nicht um Können oder Nichtkönnen. Auch nicht um richtig oder falsch.Schweigend eine Kerze anzuzünden ist auch gut. Ein Kreuzzeichen auf der Bettkante reicht schon. Hauptsache wir halten Kontakt zu Gott. „Betet ohne Unterlass“, hat Jesus einmal gesagt. Und damit meint er mehr eine Haltung als tiefe Versenkung. Eine Haltung, die immer mal wieder Gott hinein lässt in den Tag.