08.06.2017

Neue Ziele im Bistum Fulda

Chance zum Ausprobieren

Mit Inkraftsetzen der „Strategischen Ziele“ startet das Bistum eine neue Etappe.  Die konkreten Wegzeichen machen die weiteren Schritte verbindlich und überprüfbar. Bei einer Pressekonferenz wurden die Ziele vorgestellt. Von Hans-Joachim Stoehr.

Generalvikar Gerhard Stanke, Dr. Valentin Desoy, Bischof Heinz Josef Algermissen, Finanzdirektor Gerhard Stanke und Seelsorgeamtsleiter Thomas Renze. Foto: Hans-Joachim Stoehr
Generalvikar Gerhard Stanke, Dr. Valentin Desoy, Bischof Heinz Josef
Algermissen, Finanzdirektor Gerhard Stanke und Seelsorgeamtsleiter
Thomas Renze. Foto: Hans-Joachim Stoehr

Strukturell betrachtet steht das Bistum in den Jahren bis 2030 vor der Aufgabe, aus den bislang 270 Kirchengemeinden 45 Pfarreien zu bilden. Wobei diese Pfarreien in städtischen Gebieten bis 20 000 Katholiken zählen, im ländlichen Raum hingegen nur bis zu 4000. Die größte Herausforderung ist für Dr. Valentin Dessoy, externer Berater des Bistumsprozesses in der Diözese, aber die „Kulturveränderung“, die im Kern dahinter steckt. Da gehe es nicht allein um Strukturen, sondern um eine grundlegend neue Haltung. „Alle Getauften sind auf Augenhöhe, das geht in die Tiefe.“

 

Grundlegende Veränderung, die Zeit braucht


So ist beispielsweise die Sicht der Pfarrei als ein Netzwerk vieler kleiner „Pastoraler Orte“ in selbstständiger Verantwortung, „radikal neu“. Es gehe also nicht darum, dass Laien die Aufgaben übernehmen, die bisher die Priester machten. Eine solch grundlegende Veränderung brauche Zeit. „Denn man muss auch die Zögerlichen mitnehmen. Was nützt es, wenn Zehn voran rennen und die restlichen Einhundert kommen nicht mit.“ Der Theologe und Sozialwissenschaftler Dessoy, der in den vergangenen Jahren den Pastoralen Prozess im Bistum mit begleitete, rät dazu, sich bei den Planungen auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Also sich als Gemeinde zu fragen: Was können wir gut? Und das dann angehen. Desoy fügt hinzu: „Das wird nicht ohne Diskussionen und Konflikte gehen.“ Für Bischof Algermissen steht fest, dass es ein „weiter so wie bisher“ nicht geben kann. „Ich kann nicht einem Priester oder hauptamtlichen Laien noch mehr aufbürden  –  wie einem Packesel, der schon zwei Säcke trägt, und dem ich noch einen dritten auflade.“ Algermissen: „Ich kann nicht zulassen, dass Priester sich verheizen lassen oder sich selbst verheizen.“ Es könne nicht sein, dass Seelsorger das, wozu sie da sind, nur noch am Rand machen. Deshalb gibt es in einigen Pfarreien bereits Verwaltungsleiter.In die Veränderungen in der Seelsorge, in neue Initiativen  soll investiert werden. Etwa auch in Aus- oder Fortbildungen von Laien. Dies unterstreicht Finanzdirektor Gerhard Stanke. Durch die gute Wirtschaftslage sei dies im Moment auch noch möglich. Allerdings müsse sich das Bistum angesichts des demografischen Wandels darauf einstellen, dass die Einnahmen sich bis 2030 um etwa 20 Prozent verringern.


Mitgliederzahl in den Jugendverbänden steigt

Eine Chance, Neues auszuprobieren in der Seelsorge – das steckt für Generalvikar Gerhard Stanke in den Veränderungen, die momentan anstehen und in den Strategischen Zielen formuliert sind. Wichtig sei, das kirchliche Leben vor Ort zu gestalten, in der Jugendarbeit, aber auch mit liturgischen Angeboten. „Es gibt viele, die sich schon engagieren.“ Das heiße: Die Kirche bleibt im Dorf – auch wenn dort kein Priester mehr wohnt. Der Generalvikar fügt hinzu: „Den Auftrag, den Glauben zu verkünden, erhalte ich durch die Taufe und nicht vom Pfarrer.“ Die Kirche bleibt aber nicht nur im Dorf. Auch in Städten will die Kirche sichtbar missionarisch nach außen wirken. Seelsorgeamtsleiter Thomas Renze nennt das Stichwort Citypastoral in Fulda. Dort gehe man neue Wege – etwa einen Gottesdienst in der Diskothek S-Club. Apropos junge Leute: Die Zahl der Mitglieder in Jugendverbänden ist laut Renze nicht gesunken, sondern angewachsen.