04.04.2018

Pfarrer Christoph May wird neuer Regens im Limburger Priesterseminar

Mit leichtem Gepäck

Pfarrer Christof May wird am 1. September neuer Regens des Limburger Priesterseminars. Er spricht über seine Aufgaben, seine Hoffnungen und seine Ziele. Ein Interview.

Hat Sie der Ruf nach Limburg überrascht?

Pfarrer Christoph May Foto: privat
Pfarrer Christoph May Foto: privat

Als ich 2008 in Braunfels als Pfarrer begann, sagte ich, dass es gut sei, wenn ich an der ersten Stelle als Pfarrer cirka zehn Jahre bliebe. In der jüngeren Vergangenheit habe ich die Zahl gerne auf zwölf bis 13 Jahre korrigiert. Trotzdem kam ein Wechsel nach und nach in den Horizont – allerdings mit der Vorstellung, wieder als Pfarrer in einer anderen Pfarrei tätig zu sein. Somit kam der Ruf nach Limburg schon überraschend.

Regens im Priesterseminar zu sein – was heißt das für Sie?

Ich durfte in den Jahren als Pfarrer in der Pastoral vor Ort viele Erfahrungen machen, die nur mittelbar etwas mit dem Studium der Theologie und dem Seminarleben zu tun haben. Nachdem die Seminaristen ihre Bildung in der Hochschule Sankt Georgen erlebt haben, ist es meines Erachtens gut, wenn ich in Limburg den Schwerpunkt auf das setzen kann, was die Seelsorge in den Pfarreien ausmacht, und damit meine Art des pastoralen Handelns einbringen kann.

Angesichts des Priestermangels eine heikle Aufgabe?

Ich rede nicht gerne vom Mangel – das hat mir zu sehr Geschmack von Nachlassverwaltung. Die Zahl der Priester steht nach wie vor im Proporz zur Zahl der sogenannten praktizierenden Gläubigen. Die Herausforderung besteht darin, die in der Regel noch relativ jungen Männer zu motivieren, sich mit seelsorglicher Weite auf die Situationen einzulassen, in die sie gestellt werden.

Sie sind auch im Bereich der Kirchenentwicklung zuständig. Die sich unter anderem überschneidet mit dem Priestermangel. Was ist zu tun?

Ich habe kein Rezept! Vielleicht hilft das ehrliche Eingeständnis weiter, dass nicht wir es sind, die Kirche entwickeln, sondern dafür aufmerksam sein müssen, wo Gott mit seiner Kirche hin will. Dazu können wir uns Anregungen aus anderen Bistümern und der Weltkirche holen. Gleichzeitig können wir diese nicht einfach in die Situation unseres Bistums hinein kopieren. „Die Freude an Gott ist eure Stärke“, heißt es im Buch Nehemia. Wo Menschen mit Freude und Selbstbewusstsein ihren Glauben leben, entwickelt sich Kirche.

Ins Priesterseminar kommen junge Menschen zur Ausbildung. Wie gehen Sie auf diese zu?

Der Regens kann letztlich nur reaktiv auf die jungen Menschen eingehen, nachdem sie sich bei ihm gemeldet haben. Viel wichtiger sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Pfarreien und an anderen Stellen, die durch die Freude an ihrem Beruf, ihrem Glauben und ihrem Leben die Frage wecken: „Wäre das nicht auch etwas für mich?“

Wie kann Kirche der Zukunft aus Ihrer Sicht gestaltet werden?

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns an der pilgernden Gestalt der Kirche orientieren müssen: Das Ziel Gott vor Augen, mit leichtem Gepäck unterwegs, fest darauf vertrauend, dass er uns nach 2000 Jahren seiner Führung auch in seine Zukunft führen wird. – Zu abstrakt? Es gilt, mehr mit Gott als über ihn zu reden; leichtes Gepäck anstelle der vielen Verwaltungsaufgaben; und Gottvertrauen!

Werden Sie Ihre Aufgabe als Pfarrer und den Kontakt mit den Gemeindemitgliedern in St. Anna vermissen?

Ja! Reaktionen in der Pfarrei kommen immer unvermittelt und direkt. Ich kann mit vielen Menschen in unterschiedlichen Situationen den Glauben und das Leben teilen – und schließlich birgt eine zehnjährige Station auf dem Pilgerweg des Lebens Heimat und Vertrautheit, die ich nur ungern lasse.

Welche Hoffnung und welche Wünsche bringen Sie nach Limburg mit?

Ich hoffe, dass ich die Erfahrungen, die ich in den vergangenen Jahren machen durfte, einbringen kann, damit sie auch in anderen Zusammenhängen Frucht bringen.

Interview: Barbara Faustmann

 

Zur Person: Pfarrer und Bezirksdekan

Dr. Christof May (44) war bislang Pfarrer der Pfarrei St. Anna Braunfels sowie Bezirksdekan in den Bezirken Wetzlar und Lahn-Dill-Eder. Als Regens folgt er auf Dr. Christof Strüder, der im Frühjahr 2019 in die Pfarrseelsorge wechseln wird. May stammt aus Hintermeilingen im Westerwald. Er studierte an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Hier wurde er 2004 zum Doktor der Theologie promoviert. Von 2011 bis 2015 leitete er als Geistlicher Rektor das Bischof-Blum-Kolleg in Limburg. (ids)