21.02.2012

Eine Zahl mit hoher Bedeutung

40 Tage Fastenzeit sind kein Zufall

40 Tage dauert die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Dabei werden die Sonntage nicht mitgezählt, da an ihnen nicht gefastet werden durfte. Die Zahl 40 hat in der jüdischen und christlichen Überlieferung eine hohe Symbolkraft. Immer wieder findet sie sich in den Schriften des Alten und des Neuen Testaments.

 

So ergoss sich der Regen der Sintflut 40 Tage und 40 Nächte auf die Erde. Auch wartete Noah, nachdem die ersten Berge wieder sichtbar wurden, 40 Tage. Erst dann öffnete er das Fenster der Arche, um den Raben heraus zu lassen. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen. Und auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um sich durch Gebet und Fasten auf seine Sendung vorzubereiten. Zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt lagen laut Lukas-Evangelium 40 Tage.

Für Theologen steht die Zahl 40 damit für einen Zeitraum, der zu Buße und Besinnung auffordert, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Sie wird gebildet aus dem Produkt von 4 und 10. Die 4 steht dabei üblicherweise für das Weltumspannende, Irdische und Vergängliche. Sie symbolisiert die Himmelsrichtungen, die Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft, die Lebensphasen Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter und die menschlichen Temperamente. Die 10 gilt als Zahl des in sich Vollendeten, Ganzen: Sie ist die Summe der ersten vier Ziffern 1 + 2 + 3 + 4 und bezeichnet die Zahl der Finger und Zehen. Sie dokumentiert ihren ganzheitlichen Anspruch nicht zuletzt in der biblischen Zahl der Zehn Gebote.

Allerdings beschränkte sich das Fasten der Christen zumindest im Mittelalter nicht auf die 40 Tage vor Ostern: Auch der Advent war eine Buß- und Fastenzeit, dazu fast alle Freitage und je nach Region der Mittwoch oder Samstag sowie die drei Bettage vor Christi Himmelfahrt und die Vorabende der Heiligenfeste. Unterm Strich waren zeitweise an rund 150 Tagen im Jahr nur Fisch und Gemüse erlaubt, teilweise sogar Milch und Eier „als flüssiges Fleisch“ verboten.

Zuwiderhandlungen gegen die mittelalterlichen Fastengebote wurden bestraft: Von Stockschlägen über Einsperren bei Wasser und Brot bis zum Ausreißen der Zähne reichte das Spektrum. Die armen Leute, die Kraut- und Rübenfresser, wie man sie nannte, dürfte das allerdings kaum gestört haben. Herrenspeisen wie Fleisch oder Wild kamen bei ihnen ohnehin fast nie auf den Tisch.

Christoph Arens