18.10.2017

50 Jahre Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg

„Franziskus hätte seine Freude daran“

Das Kreuzburg-Gymnasium in Großkrotzenburg feiert ein Jahr lang sein 50-jähriges Bestehen mit zahlreichen Aktivitäten. Aber ist die Verbindung Kloster und Schule überhaupt noch zeitgemäß? Was können Schüler und Schülerinnen heute damit anfangen? Ein Besuch der Schule geht dieser Frage nach. Von Barbara Brüning.

Kreuzburg in Rom
Im Rahmen des Jubiläums ist die gesamte Schule nach Rom gefahren. Foto: Kreuzburg
Mehr Bilder von der Romfahrt sehen Sie hier.

„Das hat sich mehr als gelohnt“, sagt der 17-jährige Dominik Frey, der die zwölfte Klasse der Kreuzburgschule besucht, über die vier Tage, die er im Kloster verbracht hat. „Extrem gut“, beurteilt auch die 18-jährige Natalie Muhl ihre Auszeit. Die beiden haben zusammen mit etwa 15 anderen ihres Jahrgangs an „Schulster“ teilgenommen – eine Wortschöpfung aus den Wörtern Schule und Kloster: zweimal im Jahr lebt eine Gruppe von Schülern von Samstag bis Donnerstag im Kloster. „Morgens sind wir um 5.30 Uhr aufgestanden und haben um sechs Uhr schon am Morgengottesdienst teilgenommen“, erzählt Dominik. Und Natalie fügt hinzu „Das ist zwar hart, aber man startet wirklich extrem gut in den Tag.“

Bruder Michael Blasek Foto: Barbara Brüning
Bruder Michael Blasek
ist auch mit modernen Medien vertraut.
| Foto: Barbara Brüning

„Früher war da eine Mauer zwischen Kloster und Schule“, sagt Bruder Michael Blasek, der im Kloster lebt und als Schulseelsorger im Gymnasium tätig ist. „Heute würde ich es eher als eine Membran bezeichnen, denn es besteht ein reger Austausch mit der Schule.“ Dabei denkt der Ordensmann nicht nur an die regelmäßigen Angebote, die das Kloster Schülern und auch Eltern macht. In Notfällen steht auch außer Plan einmal die Tür für Schüler offen. Davon erzählt auch der 17-jährige Vitus Trompke: „Ich hatte im letzten Jahr eine Operation und war noch nicht wieder wirklich fit. Da haben mir die Brüder angeboten, dass ich immer in den Pausen oder Freistunden, oder wenn es mir einfach zu viel wurde, für eine Weile ins Kloster gehen konnte, um mich auszuruhen. Das war eine wunderbare Verbindung dahin.“

Das Erlebnis „runterzukommen“, wie Natalie es im Gespräch nennt, die Erfahrung zur Ruhe zu kommen – einen Tag mit einem Gottesdienst zu beginnen – das ist etwas wirklich Neues, etwas, das in Erinnerung bleiben wird. Diese Erfahrung beinhaltet das Wissen um die Möglichkeit, jederzeit eine Auszeit im Kloster nehmen zu können. Und dass es immer einen Ort der Besinnung gibt, um zu sich zu kommen und auch um Wesentliches anzusprechen. „Die Tage im Kloster hatten ein bestimmtes Thema – es ging um Zeit“, erinnert sich Hendrik Seebald (17). „Wir haben sehr intensiv diskutiert, und manche waren emotional sehr berührt“, ergänzt Vitus. „Viele haben geweint“, erinnert sich auch Natalie. „Die Verbindung zum Kloster ist so im Schulalltag eigentlich kaum spürbar“, sagt Hendrik. „Aber wenn man den Schritt dahin mal gemacht hat, dann eröffnet sich eine ganz neue Welt.“

Paul Kress mit einer Schlange um den Hals. Foto: Barbara Brüning
Paul Kress aus der neunten Klasse betreut
zusammen mit Mitschülern eine Schlange aus dem
Vivarium – und wie es scheint und auch angebracht ist
– durchaus mit Respekt. | Foto: Barbara Brüning

Und Bastian Entschewitsch fasst zusammen: „Was mir besonders wichtig war, ist zu merken, dass die Brüder ganz normale Menschen sind, mit denen man unheimlich gut und ernsthaft reden kann. Aber auch einfach mal über Sport oder Politik.“ Allerdings, räumt Bastian ein, gebe es auch Schüler, die praktisch gar nichts von dieser Verbindung mitbekommen. „Es wird niemandem aufgezwungen“, sagt Schulleiter Thomas Wolf dazu. Wen das Thema Kloster nicht interessiere, der brauche sich damit auch nicht zu beschäftigen.

Ein weiterer Rundgang durch die Schule führt noch zu einem anderen Highlight. Schon auf dem Weg vom Eingang zum Sekretariat fällt eine riesige Vitrine auf, in der unter anderem ein ausgestopfter Löwe neben einem Geparden die Besucher beäugen. „Die haben die Franziskaner bei der Schulgründung vor 50 Jahren schon mitgebracht, erzählt Wolf. „Sie werden vor allem im Biologie-Unterricht gerne eingesetzt.“ Aber es kommt noch besser: Zwei Ecken weiter hat die „Vivarium-AG“ ihr Hauptquartier.

Hier gibt es eine Schlange, ein Chamäleon, Mäuse und Echsen, die von Schülern selbst gepflegt und versorgt werden. Die Verantwortung für diese Lebewesen zu übernehmen, wozu ein profundes Wissen über ihre Bedürfnisse und ihren natürlichen Lebensraum gehört, seien der Grund für eine solche Arbeitsgemeinschaft, versichert der Schulleiter. Auch das ist eine ganz andere Welt. Und der heilige Franziskus mit seiner großen Liebe zur Natur hätte sicher auch daran seine Freude gehabt.