10.09.2011

Anstoss 37/2011

9/11 und unsere Sehnsucht nach Leben

Im Gedenken an den Anschlag vom 11. September  2001 wühlen die alten Bilder in diesen Tagen erneut auf, machen betroffen und sprachlos. Die Frage nach dem Warum bleibt, auch wenn es inzwischen viele Erkenntnisse über die Motive und das Vorgehen der Attentäter gibt.

Das Attentat von Oslo ist erst sieben Wochen her. Auch hier wurden viele, vor allem junge Menschen aus dem Leben gerissen. Auch hier steht das Warum, trotz des vielen Papiers, mit denen der Täter seine Tat begründet.
Auch wenn die beiden Anschläge in Vielem unvergleichbar sind, verbindet sie, dass da Menschen versuchten, so viele Mitmenschen wie möglich in den Tod zu reißen. Sie wollten Angst und Schrecken verbreiten und meinten, damit die Welt wachzurütteln und sie mehr nach ihren Vorstellungen von einer guten Welt zu formen. Schrecklich, unbegreiflich!
Was in den Attentätern vorgeht, die zuvor oft unauffällig und normal gelebt haben, wird nie vollständig zu verstehen sein. Aber zu Beginn spielen wohl die Sehnsüchte und Träume dieser Menschen eine Rolle: die Sehnsucht nach Anerkennung und Akzeptanz, der Wunsch etwas zu tun, was (Be-)Achtung einbringt, auch die Suche nach dem Wahren, Richtigen und Guten – Sehnsüchte und Wünsche, wie sie jede und jeder von uns auch kennt.
Wenn wichtige, grundlegende Bedürfnisse eines Menschen ungestillt bleiben und auch, wenn einer sehr sensibel und beeinflussbar ist bei der Suche nach dem, was wirklich Bestand hat, wächst das Risiko, verführt und ausgenutzt zu werden – manchmal bis zu dem Extrem, dass einer glaubt, die Welt zu verbessern, indem er zum Massenmörder wird.
Zu dem Wenigen, was Menschen tun können, um solchen schrecklichen Ereignissen vorzubeugen gehört, sich bewusst zu machen, welche unerfüllten Sehnsüchte und Träume sie haben. Es ist wichtig, sich selbst auf die Spur zu kommen, wo man in der Gefahr ist, durch unerfüllte Wünsche manipulierbar zu werden oder andere zu manipulieren, damit sie meinen Wünschen entsprechen.
Wer gut um seine Sehnsüchte weiß und damit umgehen kann, dass manche sich nicht erfüllen, von dem können auch andere lernen, den Verführungen, die ihnen begegnen, etwas entgegenzusetzen.
In den Motiven der Attentäter spielt auch meist deren Glaube eine Rolle. Recht verstandener Glaube weiß jedoch gerade seine unerfüllte Sehnsucht bei Gott aufgehoben und lehrt zu unterscheiden, was durch eigenes Zutun in diesem Leben Erfüllung finden kann und was nicht in der Hand des Menschen liegt.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin, Sangerhausen