16.04.2015

Ein Buch über das innerweltliche Sehnen

Alles ist ein Hoffen im Diesseits

„Wie Religion heute lebendig ist“: So lautet der Untertitel dieses Buchs. Vom Pilgerboom bis zum Beerdigen geliebter Haustiere zeigen sich Spurenelemente moderner Gläubigkeit. Selten kirchlich, meist verschwommen, trotzdem gegenwärtig. Von Johannes Becher.

Liebesschlösser an einer Brücke Foto: fotolia
Liebesschlösser: Die Mode an Brückengeländern speist sich aus rein innerweltlichem Verlangen – öffentlich zu bekennen: Wir gehören zusammen – und erinnert den Theologen eben doch an eine mythische Wurzelgeschichte aus dem Mittelalter: Gott an sich binden wollen. Foto: fotolia

Religion nimmt eine andere Gestalt an. Kein neues Phänomen. Das gab es in der Menschheitsgeschichte schon immer. Es fällt Hubertus Lutterbach nicht schwer, „religiöses Leben“ in der Gesellschaft „aufzuspüren“. Es sei ja durchaus „populär“: im Sport, in der Musik, im Feiern, im Lieben und im Trauern. Die religiösen Phänomene sind allerdings häufig „verschwommen“ ausgeprägt. Die Menschen, die sie leben, wissen zuweilen nichts mehr von ihren Wurzeln im Christlichen.

Vor allem drei aktuelle Trends stellt Lutterbach in seinem Beobachten fest: Individualität, Ganzheitlichkeit, Institutionsferne. Oder anders gesagt: Menschen suchen sich selbst auf ganz eigene Weise; ganzheitlich im Einklang mit Natur und Mitmenschen; aber weit weg von allen vorgedachten und vorgegebenen Deutungen einer kirchlichen Einrichtung.

Cover: Vom Jakobsweg zum TierfriedhofLutterbach: „Zum einen verlagern sich die traditionellen Themen des religiösen Kosmos – Himmel, Hölle, Fegefeuer – auf die Anliegen und Fragen des privaten Lebens: das persönliche Glück, die individuelle Erfüllung, die subjektive Erfahrung, der gesunde Körper. Zum anderen unterliegt die Religion damit zunehmend der Tendenz, dass sie ihre soziale Gestalt verliert und zu einem individualistischen Kult wird.“

Irgendwie ist der Mensch sich selbst ein Rätsel. Da will er möglichst sein eigenes Ding machen. Aber vor lauter Ich im Hier und Jetzt verliert er das verbindende Ganze. Un(ter)bewusst findet er Spuren religiöser Rituale aus längst vergangenen Zeiten, kleidet Teile davon in ein neues Gewand und bleibt unheilbar religiös. Wenn auch ein Gott dafür manchmal gar keine Rolle mehr zu spielen scheint.
Wohin das führt? Lutterbach will dranbleiben.

Die Kirchenzeitung verlost fünf Exemplare des Buchs von Hubertus Lutterbach.
Bitte rufen Sie an am Montag, 20. April, von 10 bis 10.15 Uhr. Telefon: 06131 / 2875535