27.04.2016

Wie Frauen Kirche gestalten wollen / kfd-Symposium in Mainz

Als Frau berufen zur Leitung

Er führt zu heißen Kontroversen: der Diakonat der Frau. Und er war eines der Themen, die die Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Mainz in einer Tagung diskutierten.
Von Sarah Seifen.

 

Frauen beim Symposium „Frauen.Macht.Kirche“ in Mainz    Foto: Sarah Seifen
Frauen beim Symposium „Frauen.Macht.Kirche“ in Mainz. Foto: Sarah Seifen

Das schrille Signal des Feuermelders unterbricht das Lachen der fünf Frauen. So sehr qualmt es beim gemeinsamen Entzünden der Streichhölzer. Sie sollen ein Symbol sein und die Teilnehmerinnen des Workshops an ihre Ausgangsfrage erinnern: „Wofür brenne ich?“

Selbstbewusst hält Irene Burkert das Stäbchen mit dem roten Kopf zwischen den Fingern. „Ich brenne für die Bibel“, sagt sie. Und davon möchte sie erzählen, den Menschen helfen, in der Bibel ihren Alltag zu entdecken. „Im Altenheim habe ich Gesprächsrunden angeboten, um die Kraft, die ich aus der Bibel für mich ziehe, auch weiterzugeben“, erzählt die Frau aus Reichelsheim.

Frage nach Diakonat kam vor dem Konzil auf

Und das sei schon etwas Diakonisches und somit die Aufgabe einer Diakonin, meint Dorothea Reininger. Die promovierte Theologin aus Lingen im Emsland leitet den Workshop „,Brannte uns nicht das Herz?‘ – Berufen zur Leitung im Dienst an den Menschen“.  Das sakramentale Amt für Frauen, das heißt, eine Weihe zur Diakonin, gibt es in der katholischen Kirche nicht. Das verärgert Befürworter und frustriert viele Frauen, die sich dadurch benachteiligt fühlen. Im Workshop informiert Reininger über Hintergründe des Diakonats. Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei die Frage nach einem Ständigen Diakonat als ein eigenständiges Amt in der Kirche aufgekommen. Dabei habe diese Diskussion sowohl das sakramentale Amt für Männer als auch für Frauen eingeschlossen. In eigenen Kursen bereiteten sich Männer in den 1950er Jahren auf ein Amt vor, das es bis dahin nicht gab, und wurden bald darauf geweiht. Auch in Frauenkreisen sei die Nachfrage nach diesen Kursen da gewesen, berichtet Reininger.

Die Theologin Dr. Dorothea Reininger (Mitte) aus Lingen im
Emsland ist Mitbegründerin des Netzwerks „Diakonat der
Frau“.                                                       Foto: Sarah Seifen

Ein Zeitstrahl ziert die Eingangshalle des Don-Bosco-Jugendhauses. 1868 bis 2016: Bunte Kärtchen kennzeichnen Wegmarken der Frauenbewegungen in der Kirche. Dorothea Reininger fügt handschriftlich zwei Karten hinzu. Es sind die Jahreszahlen der beiden Diakonatskreise für Frauen. Von 1999 bis 2002 fand der erste Kurs statt. An sechs Wochenenden im Jahr bereiteten sich 13 Frauen auf den Dienst der Diakonin vor. „Dabei steht an erster Stelle und deswegen auch im ersten Jahr der Ausbildung die Diakonie“, erklärt Dorothea Reininger, Mitbegründerin des Netzwerks „Diakonat der Frau“. Erst danach gehe es um Verkündigung und Liturgie. Nach dem zweiten Kurs in den Jahren 2003 bis 2006 soll es bald einen dritten Diakonatskreis für Interessierte geben, das wünscht sich die Theologin.

Der Weg zum Workshop im Jugendhaus Don Bosco ist verwirrend. Treppe runter, durch die schweren Türen in den kleinen Kellerraum geht es für die fünf Frauen, die am Workshop zum Diakonat der Frau teilnehmen. „Für eineinhalb Stunden geht es dann für Sie in die Katakomben“, scherzt Diana Korp zu Beginn des Nachmittags. Sie organisiert gemeinsam mit Ingrid Kraus aus dem Diözesanleitungsteam das Symposium und moderiert die einzelnen Elemente des Tages. Bei der kfd ist sie im Bildungsausschuss. Und das ehrenamtlich. „Ich habe überlegt, wie ich mich einbringen kann und erhalte die Möglichkeit, mich selbst in Leitung zu erfahren“, erklärt Korp ihre Entscheidung, bei der kfd mitzumachen und das Symposium zu leiten. „Der Tag soll den Frauen in erster Linie Mut machen, ihren Weg mit der Kirche zu gehen. Die Referentinnen, die wir eingeladen haben, können als Vorbilder dienen.“
Ein Vorbild seien auch die Frauen, die bereits einen der Ausbildungskurse besucht haben, stellen die Frauen im Workshop fest. Sie seien ein Lichtblick in der sonst männerdominierten Kirche. Dennoch steht eine Frage im Raum: „Was ist aus diesen Frauen geworden?“ Aus diesen Frauen, die sich auf ein Amt vorbereiten, das sie wahrscheinlich nie ausüben werden.

Ein geistlicher Prozess – gemeinsam beschritten

„Sicherlich sind einige frustriert, aber die meisten kämpfen weiter für ihre Berufung“, sagt Dorothea Reininger. Es sei keine rein theoretische Ausbildung, sondern auch ein geistlicher Prozess, den die Frauen im Diakonatskreis gemeinsam beschritten haben. Während der drei Jahre gibt es Praktika und Exerzitienkurse. Denn die Spiritualität und die eigene Berufung zur Leitung im diakonischen Dienst stünde im Vordergrund, erklärt die 49-jährige Theologin. „Es zählen zwei Elemente, um einen Diakonat der Frau einzurichten: Frauen übernehmen ohnehin schon Aufgaben, die dem Amt zufallen – welches immer sakramental ist – und die Frau spürt eine Berufung zur Leitung.“