05.08.2015

Nach dem Abitur ging Elena Nowak auf Zeit ins Kloster – jetzt will sie dort leben

Auf den Spuren des Glücks

Abstand von der Schule gewinnen, Klosterleben kennenlernen und aufs Theologie-Studium einstimmen – das war Elena Nowaks Plan nach dem Abitur. Dass plötzlich etwas in ihr brennt, dass sie ihre Berufung entdeckt... das hätte sie nicht gedacht. Von Kathrin Wesolowski.

 

Elena Nowak möchte die Welt des Glaubens näher erkunden und ins Kloster der Eucharistinerinnen zurückkehren, in dem sie nach ihrem Abitur zwei Monate gelebt hat. Foto: Kathrin Wesolowski
Elena Nowak möchte die Welt des Glaubens näher erkunden und ins Kloster
der Eucharistinerinnen zurückkehren, in dem sie nach ihrem Abitur zwei Monate
gelebt hat. Foto: Kathrin Wesolowski

„Am Anfang habe ich gedacht: Elena, du spinnst jetzt ein bisschen. Schöne Träumerei, vielleicht hat das Klosterleben auf dich abgefärbt“, sagt Elena und lacht.

Elena spielt Gitarre, singt und fährt gerne Fahrrad. Sie ist ein ganz normales 19-jähriges Mädchen, das im Frühjahr ihr Abitur gemacht hat. Mit einem nicht gerade normalen Wunsch. Nach der Schule wollte sie erst einmal eine Pause einlegen und informierte sich über ihre Möglichkeiten. Ein Freiwilliges Soziales Jahr oder doch lieber ein Auslandsaufenthalt? Dann entschied sie sich, ins Kloster zu gehen. Nach einiger Recherche im Internet fand sie die Kongregation der Schwestern „Dienerinnen Jesus in der Eucharistie“ in Oberkotzau. Der Ort liegt in der Nähe von Hof in Nordbayern. „Viele sammeln beim FSJ oder ‚Work and Travel‘ exotische Erfahrungen“, sagt Elena. „Ich glaube, da kann ich gut mithalten. Wer geht nach der Schule schon ins Kloster?“

Seit ihrer Firmung vor drei Jahren hat sich ihr Glaube intensiviert. Sie engagierte sich in ihrer Gemeinde in Mainz-Kastel, nahm an Veranstaltungen wie „Night Fever“ teil und sammelte Kontakte. Sie hatte den Plan, im Oktober Theologie zu studieren.

„Im Kloster wollte ich zur Ruhe kommen und mich auf die praktische Theologie einstimmen“, erklärt Elena. „Da habe ich festgestellt, dass es nicht nur das Wissen ist, das mich interessiert. Sondern auch die Spiritualität.“ Sie merkte, dass das Klosterleben sie näher interessiert. Dass in ihr etwas brennt, sie etwas reizt.

Dem Ruf Gottes eine Antwort geben

„Das besondere am Kloster ist für mich die Freiheit“, sagt Elena. Sie lacht und wirkt glücklich, wenn sie an das Kloster in Oberkotzau denkt. Die kleine Gemeinschaft der Eucharistinerinnen lebt dort in einem ganz normalen Haus, das von vielen gar nicht als Klos-ter wahrgenommen wird. Die Schwestern wollen „mitten in der Welt“ leben. Sie arbeiten als Lehrerinnen in den Schulen von Oberkotzau, leiten Gruppen für Kinder und Jugendliche und gestalten auch Freizeiten für sie. Zwei Monate Kloster auf Zeit haben Elena überzeugt: Sie will jetzt erste Schritte in Richtung Ordensleben gehen, sich herantasten.

„Alles steht offen. Jederzeit kann ich das Ordensleben mit einem Studium kombinieren. Oder mich doch umentscheiden und nicht ins Kloster gehen“, erklärt sie. Momentan zieht sie es aber genau dort hin. Ihre Familie unterstütze sie voll und ganz – was immer sie machen möchte: Klostereintritt, Studium oder ... Derzeit meint die 19-Jährige, dass sie ohne die Beziehung zu einem Mann oder ohne eigene Familie leben kann. Während der Gespräche und dem Beten mit den Ordensschwestern hat sie gemerkt, dass der Glaube für ihr Leben etwas sehr Wesentliches ist. „Am besten hat mir gefallen, kennenlernen und erleben zu dürfen, was Klosterleben heutzutage bedeutet. Mit den Klischees aufzuräumen“, sagt Elena. Für sie sind die Schwestern sehr menschlich und greifbar. „Das merkt man besonders beim gemeinsamen Fahrradfahren, Kochen oder Fernsehen. Die Schwestern wirken glücklich und erfüllt.“ So möchte sie auch sein.

Für sie ist das Klosterleben keine Weltflucht. „Es ist eine spezielle Lebensweise, die für die Probleme und die Schicksale der Menschen feinfühlig macht“, erklärt Elena.

Auch die täglichen Gebete und die eucharistische Anbetung gefallen Elena. Hier kommen die Schwestern nach getaner Arbeit zur Ruhe. Trotzdem sei Glaube nicht nur die Begegnung mit Gott beim Beten und im Gottesdienst.

Unruhe und viele Fragen kamen auf

„Im Glauben geht es darum, Menschen zu begegnen und sich selbst kennenzulernen. Gelebter Glaube ist wichtig“, erklärt Elena.Ihre Ahnung, dass sie vielleicht zum Klosterleben berufen ist, kam nicht plötzlich. Sie bahnte sich langsam an. Während einer Woche war der Ruf Gottes besonders stark.

„In mir kamen eine gewisse Unruhe und viele Fragen auf. Vor allem im Gebet merkte ich, dass ich die Perspektive, im Kloster zu leben, in Betracht ziehen kann“, sagt Elena. Diese Berufung sei etwas Geheimnisvolles, das sie kaum in Worte fassen kann. Und dessen sie sich nicht sicher ist.

„Ich lasse es auf mich zukommen. Für unbegrenzte Zeit gehe ich jetzt ins Kloster zurück und schaue, was die Zukunft bringt. Sie ist davon überzeugt, dass Gott ihr ihren Weg schon zeigen wird.

 

Stichwort: Eucharistinerinnen

Die Kongregation der Schwestern „Dienerinnen Jesus in der Eucharistie“ ist international und wirkt in sieben Ländern. Ihr Motto lautet: „In allem Gott suchen,alles zur größeren Ehre Gottes tun. Gott hineinbringen, alles mit seinem Geiste tränken.“

In Deutschland gibt es Eucha ristinerinnen nur in Oberkotzau. Für die Eucharistinerinnen ist die Eucharistie die Quelle des Lebens und der Höhepunkt der Liebe Gottes.
www.eucharistinerinnen.de