30.11.2016

Andreas Böss-Ostendorf. Er sucht jedes Jahr in der Adventszeit eine aktuelle Weihnachtsbotschaft

Auf einen Glühwein mit...

Die Weihnachtsmärkte sind eröffnet. Auf einen Glühwein ... trifft sich die Kirchenzeitung mit Menschen im Advent, um über die Botschaft hinter Lichterketten, Sternen und Adventskränzen zu sprechen.Von Sara Mierzwa.

Andreas Böss-Ostendorf auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt. Foto: Sara Mierzwa
Andreas Böss-Ostendorf auf dem Weihnachtsmarkt in
Frankfurt. Foto: Sara Mierzwa

Frage: Was macht die Adventszeit in diesem Jahr für Sie aus?

Andreas Böss-Ostendorf: Ich versuche, die Weihnachtsbotschaft im Advent jedes Jahr neu zu entdecken. Im vergangenen Jahr waren für mich Flüchtlinge und Herbergssuche das Hauptthema. Dieses Jahr habe ich das Thema „Nicht in Windeln gewickelt?“ gewählt. Viele Kinder in Deutschland wachsen in Armut auf. Von der Caritas und anderen sozialen Einrichtungen in Frankfurt habe ich erfahren, dass manche Familien noch nicht einmal genug Geld haben, um Windeln für ihre Kinder zu kaufen.

Wo begegnen Ihnen Jesus und Gott in der Adventszeit?

Wenn ich von gelungenen Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen erzählt bekomme, berührt mich das. Oder wenn ich eine Schale mit kleinen Geschenken vorbereite und sie mit meiner Mutter im Altenheim gemeinsam verpacke und an die Pflegekräfte und ihre Freunde verschenke. Sich gegenseitig beschenken ist schön, auch wenn die Adventszeit oft zu kommerziell dadurch wird.

Was darf bei Ihnen Zuhause in der Adventszeit nicht fehlen?

Ich mag es, wenn das Haus langsam dekoriert wird. Wir stellen ein Adventsgesteck auf und hängen zum Beispiel einen leuchtenden Stern ins Fenster. Die gemeinsame Zeit mit Freunden, Familie und Kollegen bei Weihnachts- und Adventsfeiern ist mir auch wichtig.

Was nervt Sie in der Vorweihnachtszeit?

Eigentlich nichts so richtig. Aber wenn die Stände vom Weihnachtsmarkt in Frankfurt abgebaut werden, ist das auch schön. Dann gibt es wieder mehr Raum in der Stadt für die Menschen. Die Enge auf Weihnachtsmärkten mag ich nicht.

Auf was besinnen Sie sich in diesem Jahr im Advent?

Ich werde mich wieder mit Ehrenamtlichen treffen. Letztes Jahr habe ich kleine Sterne verteilt und wir haben uns an Sternenstunden erinnern. Dieses Jahr werde ich Nüsse verteilen und fragen: Was waren harte Nüsse bei der ehrenamtlichen Arbeit? Ich habe den Spruch „Es ist ein Sprung in allem. So kann Licht rein kommen“ vom Sänger Leonard Cohen gelesen. Das hat mich inspiriert. Außerdem werde ich die Krippen-Ausstellung im Dommuseum besuchen. Die Krippe kann man immer wieder neu deuten. In ihr kommt alles vor: reich, arm, Himmel, Erde, Tier und Mensch. Ich möchte vermeiden, dass Weihnachten und Adventszeit zur Routine werden. Stattdessen versuche ich offen zu sein und vielleicht ein neues Adventslied zu finden.

Was ist bisher Ihr Lieblingsadventslied?

„Maria durch ein Dornwald ging“, weil darin Gegensätze wie Dornen und Rosen vorkommen. Weihnachten ist nicht nur Kerzen und Licht. Sozialpastoral bedeutet, sich von den Themen der Welt treffen zu lassen.

An welche Krisen sollte sich die Welt in diesen Tagen erinnern?

Die größte Katastrophe ist für mich immer noch, dass viele Flüchtlinge weltweit in menschenunwürdigen Notunterkünften leben. Und auch, wie viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Ich finde, die Weihnachtsgeschichte muss als Migrationsgeschichte verstanden werden. Jesus ist gerade millionenfach auf der Welt unterwegs. Da müssen wir hinschauen und helfen. Weihnachten in der Komfortzone geht für mich nicht.

Andreas Böss-Ostendorf ist Referent für diakonische Pastoral in der Katholischen Stadtkirche Frankfurt. Weitere Informationen zu der diesjährigen Weihnachtsaktion der Katholischen Stadtkirche
"Nicht in Windeln gewickelt?" finden Sie hier:
www.frankfurt.bistumlimburg.de