08.05.2013

Caritasbesuch in Jordanien und dem Libanon

Bloß nicht ins Lager

Tausende Syrer sind täglich auf der Flucht. Wer nimmt sie auf? Ein Caritas-Mitarbeiter aus dem Bistum Mainz hat sich die Situation in den Nachbarländern der Kriegsregion angeschaut. Dort ist die Caritas herausgefordert. Von Daniela Tratschitt.

Muslimsiche Mädchen schauen auf die libanesische Hauptstadt Amman
Aussicht über die jordanische Hauptstadt Amman. Fotos: Axel Geerlings-Diel.

Jeden Tag hören und sehen wir neue Schreckensmeldungen aus Syrien: Assad setzt Nervengas ein. Deutsche Dschihadisten in Syrien. Weltkulturerbe in Aleppo zerstört. 70 000 Menschen im Bürgerkrieg gestorben. … Die schlimmen Nachrichten nehmen kein Ende und es wundert keinen, dass sich ein Großteil der Syrer auf der Flucht befindet. Viele der Flüchtlinge haben Obdach in einem der Nachbarstaaten gesucht: Libanon, Türkei, Jordanien, Irak oder Ägypten.

"Sie haben nichts mehr – und trotzdem stehen sie nicht alleine da."

Axel Geerlings-Diel (59), Referent für Sozialpolitik und Verbandskommunikation des Caritasverbands für die Diözese Mainz, hat sich mit anderen deutschen Caritas-Mitarbeitern in Vorbereitung der Caritaskampagne 2014 „Weltweite Solidarität“ auf den Weg gemacht, die Situation der Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien mit eigenen Augen zu sehen – und auch die schier überwältigende Aufgabe, der sich die örtlichen Caritasverbände gegenüber sehen. „Es ist beeindruckend“, erklärt Geerlings-Diel. „Tausende warten jeden Tag auf Hilfe. Sie haben nichts mehr – und trotzdem stehen sie nicht alleine da. Die Hilfe läuft koordiniert und effizient. Daran könnten sich viele ein Beispiel nehmen.“

Schmutzige Zelte und ein Abwasserkanal. Davor Kinder
Situation in einem syrischen
Flüchtlingslager im Bekaa-Tal im
Libanon.

Gerade die Situation in Jordanien beeindruckt den Deutschen. „Seit 2005 hat Caritasdirektor Wael Suleiman Caritas Jordanien neu aufgebaut, dass zahlt sich jetzt aus.“ Heutzutage werden die Neuankömmlinge in der Caritas-Ausgabestelle in Madaba von einem Hauptamtlichen und vier Helfern mit den wichtigsten Dingen wie Matratzen, Decken, Seife, Lebensmittelgutscheinen versorgt. Rund 150 Hauptamtliche und bis zu 1500 Freiwillige kümmern sich in den elf Caritaszentren in Jordanien um die syrischen Flüchtlinge, aber auch um irakische Flüchtlinge, Arbeitsmigrantinnen und arme Jordanier. „Die Caritas unterstützt 90 000 von 450 000 syrischen Flüchtlingen in Jordanien, die nicht im Lager leben.“ Auch wenn es sich paradox anhört, diese Flüchtlinge haben das bessere Los gezogen. „Lager wie Zaatari sind tatsächlich die schlechteste Alternative“, sagt Geerlings-Diel. „Dort sind die Flüchtlinge isoliert, bündeln sich die Probleme auf engstem Raum.“

Trotz schwerer Schicksale gibt es Zuversicht.

Auf seiner Reise traf der Caritas-Referent viele der Flüchtlinge, hörte sich in ihren Wohnungen, Zimmern, Garagen oder Zelten ihre Geschichten an. „So bekommt man ein besseres Bild von der Situation.“ Aber selbst wenn die Schicksale noch so tragisch sind, bei vielen blitze Zuversicht durch. „Die Hoffnung, den Vater oder Ehemann lebend wiederzusehen, wieder nach Hause zu kommen, lässt diese Menschen durchhalten.“ Bei Geerlings-Diel allerdings setzt sich Realismus durch. „Der libanesische Bürgerkrieg hat 15 Jahre gedauert. Ich bin mir sicher, dass uns die Konflikte in Syrien die nächsten fünf bis zehn Jahre beschäftigen werden.“ Aber auch er hat Hoffnung: „Die von Bundesinnenminister Friedrich angekündigte Aufnahme von 5000 syrischen Flüchtlingen in Deutschland ist ein wichtiger erster Schritt. Die Erleichterung des Familiennachzugs könnte der nächste sein.“

Vortrag von Axel Geerlings-Diel „Syrische Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon – unterwegs mit Caritas International“, Freitag, 28. Juni um 19 Uhr im Café Awake, Mainz

 

Blog von Christian Scharf aus dem Bistum Fulda, der ebenfalls im Libanon und in Jordanien war.