16.04.2013

Mourad Larche wird Altenpfleger – wie immer mehr Männer

Da heißt es: „Hut ab!“

„Warum bin ich da nicht früher darauf gekommen?“ Diese Frage hat sich Mourad Larche schon häufig gestellt, aber er hat auch selbst eine Antwort gefunden: „Vielleicht hatte ich auch das Klischee vor Augen: Frauenberuf und Popo abputzen. Von Volker Thies. 

Mourad Larche arbeitet im Alten- und Pflegeheim St. Georg in Limburg. Derzeit macht der 34-Jährige eine Ausbildung zum Altenpfleger und ist damit in einer deutlichen Minderheit. „Sieben Männer und 21 Frauen sind wir in unserem Kurs an der Caritas-Pflegeakademie in Hadamar“, berichtet er. Trotz dieser Zahlen: Der Anteil der Männer in den Pflegeberufen ist in den zurückliegenden Jahren deutlich gewachsen.

„Das ging vor fünf oder sechs Jahren los. Davor gab es nur ganz vereinzelt einmal Männer in unseren Kursen“, sagt Cordula Schneider, die Schulleiterin der Caritas-Akademie St. Vincenz, die den schulischen Teil der Berufsausbildung für viele Einrichtungen übernimmt („Der Sonntag“ berichtete).

Einstieg nicht gleich nach der Schule

Mourad Larche misst den Blutdruck von Lore Hissenauer.
Mourad Larche misst Lore Hissenauer den Blutdruck.
Foto: Volker Thies. 

„In diesem Gespräch machte Herr Larche einen freundlichen und aufgeschlossenen Eindruck“, erinnert sich Pflegedienstleiterin Simone Lückerath. Am Ende bekam Mourad Larche ein Angebot, mit dem er nicht gerechnet hatte: Eine Stelle im Büro sei zwar nicht frei, aber ob er es vielleicht einmal in der Pflege versuchen wolle?Typisch, allerdings für Männer ebenso wie für Frauen, ist ein relativ großer Anteil von Menschen, die nicht gleich nach der Schule in den Pflegeberuf einsteigen, sondern erst in einer späteren Phase. So war es auch bei Mourad Larche. Der gebürtige Montabaurer hatte zuerst eine kaufmännische Ausbildung bei der Post gemacht, danach seinen Wehrdienst geleis-tet und war dann auf Jobsuche als Bürokaufmann gegangen. In dieser Funktion hatte er sich auch beim Alten- und Pflegeheim St. Georg beworben

„Also habe ich erst einmal zwei Tage auf Probe gearbeitet, und es hat mir sehr gut gefallen“, erinnert er sich. So wurde Mourad Larche zunächst Pflegeassistent und absolvierte in dieser Zeit verschiedene Lehrgänge. „Fähige Leute unter den Pflegeassistenten versuchen wir dazu zu motivieren, die dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger zu machen“, sagt Simone Lückerath. Für Mourad Larche war es im vergangenen Jahr so weit. Seitdem absolviert er die Ausbildung, die auch „Außeneinsätze“ bei einem ambulanten Pflegedienst und in einer Einrichtung außerhalb der Altenpflege umfassen wird. Nach der Abschlussprüfung 2015 und einigen Jahren im Beruf hat er Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung, bis hin zum Studium. „Auf diesem Weg unterstützen wir unsere Mitarbeiter gerne. Schließlich haben wir insgesamt fünf Häuser und deshalb ständigen Bedarf, beispielsweise an Stations- oder Pflegedienstleitern“, sagt Simone Lückerath.

Vielfach falsche  Vorstellungen

In seinem Freundes- und Familienkreis stößt Mourad Larche keineswegs auf Skepsis wegen seiner Entscheidung für den „Frauenberuf“ Pflege. „Eher heißt es: Hut ab! Das könnte ich nicht“, berichtet er. Allerdings hat er bemerkt, dass vielfach falsche Vorstellungen existieren. „Sauber, satt, trocken reicht nicht. Hinter dem Beruf steckt eine ganze Menge Fachwissen“, erklärt er seinen Freunden dann. Für ihn ist der persönliche Kontakt zu den Menschen wichtig, besonders wenn er sie auch aus dem Alltag in Limburg oder seinem Wohnort Ahlbach kennt. „Ich freue mich immer, wenn ich unter den Bewohnern, ihren Verwandten und Besuchern bekannte Gesichter sehe.

Altenpflegeschulen in den Bistümern Fulda, Limburg und Mainz:

Caritas Lehranstalt für Altenpflege in Fulda

Caritas-Altenpflegeschule Wiesbaden

Caritas-Akademie St. Vincenz in Hadamar

Fachschule für Altenpflege St. Bildhildis in Mainz