15.11.2017

Sonja Sailer-Pfister befasst sich in Limburg mit dem Thema Alter

Das Alter – ein Dauerthema

In Köln hat sie Erfahrungen in der City-Pastoral gesammelt, in Vallendar war sie Juniorprofessorin im Fach Christliche Gesellschaftswissenschaften. Jetzt befasst sich die Bambergerin Sonja Sailer-Pfister in Limburg mit dem Thema Alter. Von Heike Kaiser.

„Das kommt gut an“, lobt Sonja Sailer-Pfister die von ihrer Vorgängerin entwickelten „Anstöße im Quadrat“. | Foto: Heike Kaiser
„Das kommt gut an“, lobt Sonja Sailer-Pfister die
von ihrer Vorgängerin entwickelten „Anstöße im
Quadrat“. Foto: Heike Kaiser

„Alter“, sagt Dr. Sonja Sailer-Pfister, „ist ein gesellschaftliches Dauerthema. Die Devise ist: Möglichst lange fit bleiben, das Alter gestalten und genießen, erfolgreich altern.“ Das Altern als natürlichen, zum Leben dazu gehörenden Prozess anzunehmen, falle den modernen selbstbestimmten Menschen immer schwerer, stellt sie fest.

Die Theologin, Mitautorin des Buches „Was heißt schon alt?“ (Grünewald-Verlag 2017, 20 Euro), beschreibt dies als „paradoxe Situation: Einerseits steigt un-sere durchschnittliche Lebenserwartung ständig. Langlebigkeit kann als eine großartige kulturelle Errungenschaft eingestuft werden. Andererseits wird das Alter verdrängt und abgelehnt.“

Seit September ist die 43-Jährige als Nachfolgerin von Anneliese Wohn die neue Referentin für das 3./4. Lebensalter und bischöfliche Beauftragte für die Hospizarbeit im Bistum Limburg. Sie war zuvor als Juniorprofessorin an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar tätig, im Fach Christliche Gesellschaftswissenschaften und Sozialethik.

Wo gibt es Chancen und Potentiale?

Die Themen Alter und demografischer Wandel sind ihr Spezialgebiet. „Womit ich mich bislang eher theoretisch auseinandergesetzt habe, wird meine Arbeit jetzt im Praktischen bestimmen“, umschreibt sie ihr neues Aufgabengebiet. Zum Beispiel die Frage, was der demografische Wandel für die Kirche bedeutet und wie sie auf eine zunehmend älter werdende Gesellschaft reagieren kann. Wo es Chancen und Potentiale gibt. Was es heißt, eine alternde Gesellschaft zu sein, welche Vorstellungen, welche Bilder es vom Alter gibt.

Aspekte, mit denen sich auch das Projekt „Demografische Entwicklung im Bistum Limburg – Wandel gestalten“ beschäftigt. „Die Koordination und Entwicklung des Projekts ist eine meiner Hauptaufgaben“, berichtet Sailer-Pfister. Das Projekt voranzutreiben, zu konkretisieren, in bestehende Strukturen einzuarbeiten sind die nächsten Schritte, die sie sich vorgenommen hat. „Und mich einzulernen“, ergänzt sie schmunzelnd.

Auf die Ergebnisse einer Online-Befragung bei Pfarrgemeinden, Pfarrern, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Verbänden und kirchlichen Einrichtungen zum Ist-Stand des demografischen Wandels und wie damit umgegangen wird oder werden kann, ist sie besonders gespannt, rechnet sie doch mit Antworten aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Rund 600 Mal wurde der Fragebogen ausgefüllt. Ausgewertet wird die Befragung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerontologie an der TU Dortmund. „Die Ergebnisse werden bald veröffentlicht“, kündigt Sailer-Pfister an.

Ethische Fragen und Spiritualität

Zurzeit ist sie dabei, im Bistum Kontakte zu knüpfen. Zu Pfarrer Joachim Metzner vom Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael in Frankfurt, zu Hospizen und ambulanten Hospizdiensten. „Ethische Fragen am Lebensende ist ein Bereich, den ich gerne vertiefen würde“, unterstreicht die promovierte Theologin. „Ebenso wie die Aspekte Spiritualität im Alter, Lebensqualität im Alter, Selbstbestimmung im Alter.“ In Zusammenarbeit mit Pater Helmut Schlegel und dem Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität Heilig Kreuz in Frankfurt hat sie deswegen bereits „Spirituelle Impulse für Menschen ab 60“ angeboten.

Wie ihrer Vorgängerin liegt auch Sonja Sailer-Pfister daran, die Kooperation der Bistümer Freiburg, Speyer, Fulda und Limburg weiterzuführen. Als Beispiel verweist sie auf das Projekt „Spiritualität macht Sinn – Anstöße im Quadrat“, das Anneliese Wohn noch vor ihrem Ruhestand entwickelt und mit selbst fotografierten Bildern gestaltet hat. Es handelt sich dabei um Kärtchen, die inspirierende Fotos zeigen zu Themen wie Versöhnung, Würde, Vorbild, Spuren oder Sorge, die als Exerzitienbegleiter im Alltag den Blick schärfen, aber auch in der Trauerpastoral, in Senioren- und Jugendgruppen oder Besuchsdiensten eingesetzt werden können. „Das kommt gut an“, weiß Sailer-Pfister.

Die „Anstöße im Quadrat“ können kostenlos bestellt werden: E-Mail: lebensalter@bistumlimburg.de

 

Meinung: Erkennen, handeln

Heike Kaiser
Heike Kaiser, Redakteurin

Was bedeutet der demografische Wandel für die Kirche? Wie kann sie darauf reagieren? Wo gibt es Chancen und Potentiale? Das herauszufinden, ist das Ziel des auf drei Jahre angelegten Projekts „Demografische Entwicklung im Bistum Limburg“. Limburg ist die erste deutsche Diözese, „die dezidiert den Anspruch hat, im Bereich Demografiewandel vorzugehen“, stellt Professor Christoph Strünck von der Forschungsgesellschaft Gerontologie der TU Dortmund fest. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerontologie wird eine Online-Befragung bei Pfarrgemeinden, Verbänden und Einrichtungen ausgewertet. Der Fragebogen wurde 600 Mal ausgefüllt. Man darf gespannt sein, was die drängenden Themen sind. Mit dem Projekt werden nun Erwartungen geweckt, diesen Erkenntnissen auch Handlungen folgen zu lassen.