11.05.2016

Gedanken über „die Kirche von Mainz“ ohne den Bischof Lehmann

Das Bistum Mainz „am Tag danach“

Fünf Jahre lang hatten die Katholiken im Bistum Mainz Zeit, sich auf diesen Tag gedanklich vorzubereiten: Seit dem 17. Mai, dem Tag nach seinem 80. Geburtstag, ist Kardinal Lehmann nicht mehr im Amt. Und jetzt? Von Johannes Becher.

 

Leerer Bischofsstuhl Foto: Anja Weiffen
Der leere Bischofsstuhl im Mainzer Dom: sichtbares
Zeichen für die „Sedisvakanz“, die Zeit ohne Bischof.
Foto: Anja Weiffen

Als im Mai 2011 Papst Benedikt XVI. den Mainzer Bischof bat, auch über seinen 75. Geburtstag hinaus „noch eine Weile“ im Amt zu bleiben, da war bei vielen im Bistum das Aufatmen laut und vernehmbar. „Wer weiß, wen die uns sonst hier auf den Stuhl setzen!“ So wurde ängstlich gemunkelt. Zu eindrücklich war die ein oder andere benediktinische Bischofsernennung in den Jahren zuvor gewesen, zu nah rückte schließlich auch die „Affäre Limburg“.

Jetzt gilt es, sich hinten anzustellen

Seit 2013 nun dreht sich die Stimmung. Papst Franziskus ist da. Und so lange er Papst ist, sollte man den frischen Wind ausnutzen, um einen guten Nachfolger für Kardinal Lehmann zu bekommen. So ist jetzt zu hören.

Doch jetzt – nach dem 16. Mai – gilt es, sich hinten anzustellen: Gut, Dresden hat nun schon einen neuen Bischof, aber in Limburg wartet man bereits seit zwei Jahren, und in Aachen ist der Stuhl seit einigen Monaten ebenfalls unbesetzt.

„Im Durchschnitt neun Monate“, so hieß es noch vor wenigen Jahren auf die Frage, wie lange ein Bistum auf einen neuen Boischof warten müsse. Neuerdings aber ziehen sich Berufungsverfahren hin. Hier und dort sollen Gewählte dem Domkapitel sogar abgesagt haben.

Das wird in Mainz wohl kaum geschehen. Zu gut ist der Ruf der Diözese in Deutschland, als zu bestellt gilt das pastorale Feld, das Bischof Lehmann hinterlässt.

Und doch werden die kommenden Jahre in vielfacher Hinsicht spannend. Der Satz von Bischof Lehmann, es gelte nun „im Bistum eine klare Zäsur (zu) machen“, der gilt wohl nicht nur für das Amt des Diözesanbischofs. Aus dem Domkapitel, das den Nachfolger Lehmanns aus einer Dreierliste wählen wird, werden zwei Mitglieder im kommenden Jahr 75 und scheiden aus, lediglich zwei von sieben sind unter 60. Priester mit Führungsstärke, Weitblick, Managerqualitäten und doch auch einem Seelsorgerherz werden also für einige Positionen gebraucht. Nicht zuletzt für die größer werdenden Pfarreigebiete.

Denn  auch  wenn  Kardinal Lehmann mehrfach betonte, dass „diese Riesengemeinden XXL“ in Mainz „nicht unser Ding“ seien, so wird doch auch hier in den kommenden Jahren die Zahl der Priester deutlich zurückgehen. Wie viele Gemeinden von den 303 derzeitigen dann in 2030 übrig bleiben? Lehmann ist froh, dass er das nicht mehr entscheiden muss.

Was den Platz des Bistums Mainz im Konzert der Diözesen betrifft, so ist es bereits seit dem Rückzug Kardinal Lehmanns vom Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz deutlich ruhiger geworden. Wenn sich der Kardinal nun auch aus dem Bischofsamt zurückzieht, dann wird Mainz wohl wieder ins Glied der unaufgeregt unspektakulären Bistümer zurücktreten. Das mag für den Neuen auch ein Vorteil sein.

Ganz sicher: Der Neue wird anders sein

Schwer genug hat er es ohnehin. Die Fußstapfen des Theologen, Moderators und Kirchendiplomaten Lehmann sind für jeden, der da kommt, zu groß. Sicher ist: Der Neue wird anders sein.
Lehmann hält sich zurück mit Ratschlägen an den noch Unernannten. Nur soviel sagt er: offen soll er sein, „spirituell und menschlich“ im Glauben tief verwurzelt und der Mainzer Lebensart zugewandt.
Vielleicht kommt ja nach dem großen Professor mit Seelsorger-Gen nun ein leidenschaftlicher Seelsorger mit Theologenlust.

Und noch etwas: „Der bischöfliche Dienst ist im Kern und im Grunde etwas, was sehr demütig macht“, sagt Bischof Lehmann. Wäre nicht schlecht, wenn der Neue das auch so sieht.

 

 

Glaube und Leben Extra TitelbildDieser Artikel ist entnommen aus der Extra-Ausgabe: "Mit 80 ist Schluss". Diese können Sie kostenlos hier herunterladen.