20.03.2015

Das ewige Leben

Das ewige Leben. Der vierte Wolf-Haas-Krimi auf der Leinwand. Genial wieder der Brenner, meine Hader Josef in der Rolle des kauzigen Privatdetektivs. Krimi? Spannend ist es. Komödie? Lustig noch viel mehr. Psychoding? Genau. Denn: sein schwerster Fall ist Brenner selbst. Gesehen von Johannes Becher.

 

 

Pass auf! Jetzt ist schon wieder was passiert. Der Brenner muss heim. Nach Graz. Lustig samma, Puntigamer. Überall wollte er hin, der alte Weltenbummler – Wien oder Eisenstadt. Niemals wieder Graz. Die Stadt seiner Jugend. Seiner ersten Liebe. Seiner Freunde. Freunde? Schau. Das ist wieder so ein Wort. Schnell gesagt. Und dann das Leben. Abgründe. Jugendsünden. Altlasten. Restschuld. Jetzt weil ich sage Restschuld eben Reue. Nicht dass du denkst alle. Der Brenner halt. So melancholisch immer. Zwischen-all-den-Migräne- Attacken-Grundstimmung eben. Das Leben ist eines der schwierigsten.

Tote gibt’s auch. Nix Selbstmord, sondern ding. Umstände halt. Ein alter Kumpel tot. Der Brenner fast. Koma. Und als er aufwacht, jagt er seinen Mörder. Und trifft. Aufgepasst. Die alten Bande.

Das erlebst du ja jetzt nun auch nicht jeden Tag. Dass da einer so gut passt für die Rolle von dem Brenner. Der Hader Josef. Genial. So geknautscht, dass du ihn gern haben musst. Du willst ihm helfen. Dem kann keiner helfen. Kommt schon selbst klar. Aber, schau. Sieh selbst.

Was du aber mögen musst. Diesen besonderen Schmäh. Österreicher eben der Haas. Direkt zwischen die Augen. Auf die Ohren. Sattschwarz, ein etwas anderer Humor halt. Nix Monthy Python. Viel weniger Samt. Weil solche Brenners gibt’s ja in echt. Deshalb ist das, was du siehst dann eben liebböse in Perfektion.

Nur aufpassen jetzt! Eines gelingt nicht auf der Leinwand: diesen wunderbaren „Holterdipolter-Stil“ der Bücher, wie ihn Haas selbst nennt, in Film zu übersetzen. Ja, Typisches („Pass auf.“ – „Jetzt ist schon wieder was passiert.“) findet sich in Fragmenten. Wer jedoch Freude hat an genialer haasscher Sprach-Jonglage, der muss lesen. Da führt kein Weg daran vorbei.

Worauf du aber im Kino nicht verzichten musst: geniale Schauspieler, wunderbare Dialoge und – wie sich’s gehört für den Haas – Sauwetter. Regen. Was sag ich? Wolkenbruch. Untergang. Nicht für den Brenner. Der ist ja mit allen Wassern nass gemacht. Na, die andern. Aber schaut doch selbst. Jetzt. Bevor wieder was passiert.

 

Das ewige Leben, Österreich/Deutschland 2015
Kinostart: 19. März 2015
Länge: 123 Minuten

FSK: 12 Jahre

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

Humor (speziell)
Romantik (schon)        
Spannung (nicht so wichtig)    
Spiritueller Tiefgang (wer sucht...) U-Boot U-Boot U-Boot    
Insgesamt empehlenswert (muss!) Sternchen Sternchen Sternchen Sternchen Sternchen