11.10.2016

Meinrad Bohn, der Mann im Gehäuse der neuen Mainz-Lerchenberger Orgel, ist auch Passionsspieler

Der Schreiner, der Jesus war

Wo andere beten, baut er. Und hört dabei leise SWR 3. Meinrad Bohn arbeitet derzeit an der neuen Orgel von St. Franziskus in Mainz-Lerchenberg. Der Schreiner ist der „Jesus von Wallersheim“.
Von Ruth Lehnen.

Meinrad Bohn Foto: Ruth Lehnen
„Ich beiß’ ja nicht.“ Meinrad Bohn mag es, wenn Leute die Empore hinaufsteigen
und sich für seine Arbeit interessieren. Foto: Ruth Lehnen

Die neue Orgel ist schon da und wird derzeit fertiggemacht für ihren königlichen Auftritt am
4. Dezember. An diesem Tag ist Orgelweihe in Mainz-Lerchenberg. Der Mainzer Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann kommt. Domorganist Daniel Beckmann kommt. Meinrad Bohn kommt wahrscheinlich nicht. Denn nach all den Wochen, die er in Mainz verbracht hat, ist seine Frau in der Eifel ganz froh, wenn er wieder bei ihr ist. Meinrad Bohn ist Schreiner. Er ist im Beruf, seit er 16 Jahre alt ist, und jetzt schon lange bei der Orgelbaufirma Fasen in Oberbettingen beschäftigt. Die hat den Auftrag für die neue Orgel in der Kirche St. Franziskus bekommen; seit dem 19. September wird jetzt aufgebaut. Demnächst kommt Orgelbaumeister Hubert Fasen zur Intonation.

Orgel bauen und Radio hören

Wer derzeit die 20 Stufen zur Empore hinaufsteigt, sieht eine Art Werkstatt mitten in der Kirche. Und kann, wenn er mag, ein paar Worte mit dem Handwerker wechseln. „Ich beiß’ ja nicht, ich freu’ mich, wenn die Leute hochkommen“, sagt Meinrad Bohn. Er hat lange Tage da oben. „Ich arbeite gern allein. Wenn was falsch ist, weiß ich, wer’s war.“ Gerade ist er mit der Elektrik befasst. Ganz, ganz leise hört er nebenbei SWR3, für ihn die Stimme aus der Heimat. Denn er stammt vom Kaiserstuhl, ist der zweitjüngste in einer Reihe von sieben Geschwistern. Seit langem lebt er in der Eifel, „da bin ich gut integriert“, sagt er und lacht. Bohn wohnt in Rommersheim in der Eifel, ist im Pfarrgemeinderat, neuerdings im Dekanatsrat, auch im Verwaltungsrat. Vor allem aber ist er einer von zwei Jesusdarstellern bei den Passionsspielen Wallersheim. Im nächsten Sommer gehen die Proben wieder los, ab da wächst dann auch der Bart, und 2018 ist es wieder so weit. Er verwandelt sich in Jesus. Nur für die Zeit der Aufführungen, wie er betont. Nicht, dass er sich anmaße, die ganze Zeit den Jesus zu geben.

Auftritt mit Lampenfieber

Meinrad Bohn als Jesus verkleidet. Foto: Hans Fomin
Meinrad Bohn als Jesus bei den
Passionsspielen Wallersheim.
Foto: Hans Fomin

Das Schauspielen war Meinrad Bohn nicht in die Wiege gelegt. Er hat sehr viel Lampenfieber, und dass er überhaupt vor so vielen Menschen auftreten kann, ist etwas ganz Besonderes. Denn als Kind hatte er mit einem Sprachfehler zu kämpfen, von dem man jetzt nichts mehr hört. Trotzdem gebe es manchmal ein kleines Stocken. Nur bei Jesus werde das hingenommen: „Wenn da mal eine Pause eintritt, bevor er spricht, ist das okay“, meint der 44-Jährige. Bohn ist ein frommer Schreiner: „Man muss schon fest im Glauben stehen, wenn man die Passion spielen will.“ Weil man sich schon frage, warum Gott das alles zugelassen hat. Mit 44 sei er nur langsam schon zu alt für seine Rolle, meint er. Darüber denkt er manchmal nach beim Arbeiten. „Man macht sich müd’“‚ sagt er, auf seinen Beruf angesprochen, und dass er hofft, dass seine fünf Kinder studieren gehen. Um später mal mehr zu verdienen. Trotzdem liebt Bohn das, was er tut: „Die Arbeit ist schön, weil keine Orgel identisch ist, jedes Stück ein Unikat.“ Freitags deckt er sie liebevoll ab, die noch nicht ganz fertige Königin. Eine Decke bekommt sie und ihre Ruhe. Und Bohn hat frei und geht klettern.

 

„Countdown für die Königin“

Der Bau und Einbau einer neuen Orgel ist immer ein Erlebnis. Mit unserem Orgel-Blog „Countdown für die Königin“ können Sie jetzt daran teilhaben. Der Blog (ein Internet-Tagebuch) startet am 23. Oktober. Hier erscheinen bis zum Weihetag am 4. Dezember kleine Geschichten, Interviews, Fotos rund um die neue Orgel. Warum ist die Orgel die Königin der Instrumente? Demnächst mehr auf dieser Seite.

 

Zur Sache: Passionsspiele Wallersheim

Zum sechsten Mal haben 2013 in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Wallersheim (zwischen Prüm und Gerolstein) die Passionsspiele stattgefunden. Etwa 10.000 Menschen kamen als Zuschauer. Mitglieder der Pfarrei Wallersheim und der Umgebung stellten in den Wochen der Fastenzeit bis zum Karfreitag die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi dar. Die Planungen für die Passionsspiele 2018 haben begonnen. Meinrad Bohn wird als einer der beiden Jesus-Darsteller dabei sein.
www.passionsspiele-wallersheim.de