02.02.2017

Alltag eines konfessionsverbindenden Ehepaares

Die Barners: "Wir haben denselben Glauben"

Susanne und Andreas Barner aus Ingelheim haben Glück gehabt. Ökumene haben sie in ihrer 38 Jahre währenden Ehe als Bereicherung empfunden. Sie haben sich immer ausdrücklich als „konfessionsverbindendes Ehepaar“, nicht als konfessionsverschiedenes Paar erlebt. Von Ruth Lehnen.

Schmerzlich bleibt für sie die Abendmahlsfrage: „Ich erlebe es als Ausschluss, dass mein Mann nicht zur Kommunion hinzutreten kann“, sagt Susanne Barner. Aber auch da sind die beiden optimistisch und haben die Hoffnung, dass sich zu ihren Lebzeiten noch was tut.

Ehepaar Barner. Foto: Ruth Lehnen
Susanne und Andreas Barner. Foto: Ruth Lehnen

Professor Andreas Barner (63) ist im Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), den Stuttgarter Kirchentag 2015 hat er als Präsident geleitet. Er war bis zum vergangenen Sommer Chef des Pharmaunternehmens Boehringer-Ingelheim. Seine Frau Susanne ist Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Gau-Algesheim, in der katholischen Kirche aktiv als Lektorin und singt im Kirchenchor, sie ist auch Mitglied der Mainzer Diözesanversammlung und dort im Sachausschuss Ökumene. Für beide steht das Thema Ökumene ganz obenan, besonders in diesem Jahr, in dem an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren gedacht wird.

 

Großes Glück: „Wir sind mit beiden Kirchen gesegnet“

Keiner von beiden hat erleben müssen, dass etwa die Eltern – sie waren das erste ökumenische Paar in beiden Familien –, dass Pfarrer oder andere ihnen komisch gekommen wären, schmerzliche Erinnerungen an Zerrissenheit oder Konflikte wegen ihres Bekenntnisses haben sie nicht. Weil Susanne Barner beruflich zurücksteckte und vor allem für die Kindererziehung zuständig war, sei es ihnen logisch erschienen, dass ihre Tochter katholisch getauft wurde. Aber ob evangelisch oder katholisch: „Das Wichtigste war doch, unsere Tochter christlich zu erziehen“, betont Andreas Barner. Die beiden besuchen seit vielen Jahren sowohl Katholikentage wie Kirchentage. Wenn sie zuhause sind, sind sie sonntags meistens in St. Cosmas und Damian, der katholischen Kirche, in der sich die Familie seit langem zuhause fühlt.

Oft aber gehen sie auch zusammen in den evangelischen Gottesdienst, und über die Frage, ob Susanne Barner dann nicht noch zusätzlich an einer Messe teilnehmen müsste (Sonntagspflicht!), zerbrechen sie sich nicht den Kopf. „Wir sind mit beiden Kirchen gesegnet, da haben wir großes Glück“, meint Andreas Barner. Er ist als evangelischer Christ froh über „die wunderbaren Gesten“ von Papst Franziskus, der bei seinem Besuch in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom in der Abendmahlsfrage die Möglichkeit freier Gewissensentscheidung angedeutet hatte: Hier zeichnet sich für Barner ein „denkbarer Weg“ in der jahrhundertealten Streitfrage ab. Auch seine Frau ist dem Papst dankbar: „Mir hat das so gut getan, was der Papst in der evangelisch-lutherischen Gemeinde gesagt hat.“

Sie beide wollten „versöhnte Verschiedenheit an der Basis leben“, sagt Susanne Barner. Dazu gehört, vom jeweils anderen zu lernen. Ihr als Katholikin gefällt die Haltung der evangelischen Kirche, die Verantwortung des Einzelnen in seiner Beziehung zu Gott zu betonen. Und die Bedeutung des Worts, der Bibel. Ihr Ehemann hat die Riten und Lieder der Katholiken schätzen gelernt und räumt ein: „Die Fähigkeit, einen Gottesdienst so ganz festlich auszurichten, fehlt notwendigerweise einer reformierten Kirche.“

 

Der gemeinsame Kirchentag in Frankfurt macht ihn froh

Andreas Barner war im vergangenen Herbst Mitglied der ökumenischen Delegation, die mit dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche Heinrich Bedford-Strohm und dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz Reinhard Marx im Heiligen Land war, eine Reise, die ihm viel gegeben hat. Und er blickt nach vorn zum zentralen ökumenischen Gottesdienst „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ am 11. März in Hildesheim. „Healing of memories“ – das Schuldeingeständnis dessen, was sich die Konfessionen angetan haben, soll zu einer Heilung und einem neuen Zusammenstehen der Christen führen. Auch dass es 2021 wieder einen ökumenischen Kirchentag geben soll, diesmal in Frankfurt am Main, macht ihn froh.

Während er sich auf Kirchenleitungsebene für die Ökumene einsetzt, engagiert sich seine Frau an der Basis: Sie ist begeistert von dem Projekt „Ich zeig’ dir meine Kirche“, das sie jetzt in ihren Ort ho- len will: Dabei besuchen sich Katholiken und Protestanten gegenseitig und reden miteinander über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Beispiel von Brot, Kelch, Kerze und Altar.

 

„Hochnäsige Art hat einen wie Luther wirklich nötig gemacht“

„Denselben Glauben“ hätten sie, meint Susanne Barner, die als Katholikin durchaus Sympathien für Martin Luther hegt: „Der entsetzliche Ablasshandel und die hochnäsige Art, in der den Menschen da- mals gesagt worden ist, was sie von der Bibel kennen durften“, hätten doch einen wie Luther wirklich nötig gemacht: „Auch wenn es schmerzlich ist, dass die Kirchenspaltung sich so verfestigt hat.“