25.02.2015

So hat der Bischof gewohnt – Jetzt gibt es ein Konzept zur Zwischennutzung des Bischofshauses

Die Handschrift von Tebartz

Edel. Elegant. Wertvoll. Klare Linien. Eher puristisch als protzig. Das Manko: Nur wenig natürliches Tageslicht, fehlende Aussicht. Das Bischofshaus auf dem Limburger Domberg ist umgeben von der historischen Stadtmauer. Etwa ein Dreivierteljahr lang hat Bischof Tebartz-van Elst hier gewohnt. Erstmals hat jetzt das Bistum die Türen der Bischofswohnung für Journalisten geöffnet. Heike Kaiser hat sich umgeschaut.

TvE Wohnzimmer Foto: Sascha Braun
Kühle Leere, wo tausende Bücher Platz finden sollten. Jedes Regalfach ist individuell beleuchtet und in der Helligkeit anzupassen. Die Schreinerarbeiten im gesamten Haus kosteten mehr als eine Milion Euro. Fotos: Sascha Braun

Ja, das Becken für Kois gibt es wirklich. Auch die freistehende Badewanne, eine beidseitig begehbare Dusche mit zuschaltbarem Wasserfall, einen Fitnessraum und einen Raum, in dem der Einbau einer Sauna geplant war. Und da wäre noch der riesige begehbare Kleiderschrank im Schlafzimmer. Oder der verglaste Kamin im Wohnzimmer. Die beleuchteten Regalwände, die I-Pads, von denen aus Temperatur, Lichtverhältnisse, Musik- und Medienanlagen gesteuert werden.

Zurzeit sind die Privaträume jedoch vor allem eins: fast vollkommen leer. Seine eigene Einrichtung hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im vergangenen September von Limburg nach Regensburg mitgenommen, doch Einbaumöbel und Badausstattung sind noch da. Und vermitteln den Eindruck: Hier hat Geld keine Rolle gespielt.

283 Quadratmeter auf zwei Etagen. Von zwei Seiten aus zu erreichen: vom Innenhof und vom Konradinerkeller aus, dem Konferenzraum mit den Porträts sämtlicher bisherigen Limburger Bischöfe. In der ersten Etage: Wohnzimmer, Küche, Gäste-WC, ein Arbeitszimmer. Im Untergeschoss: Schlafzimmer, Bad, Multifunktionsraum (Fitnessraum), ein Archivraum und einen, in dem die Sauna geplant war. Außerdem gibt es noch ein Gästezimmer und eine Gästewohnung, jeweils mit eigenem Bad. Das Bischofshaus trägt die Handschrift von Tebartz-van Elst.

Ob hier wohl sein Nachfolger einziehen wird? Darüber – und über die Nutzung des 31 Millionen Euro teuren Domizils – kann ein neuer Bischof allein entscheiden. Das macht Pfarrer Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators, deutlich. Die Führung durch alle Bereiche des Bischofshauses, das zuvor „Diözesanes Zentrum St. Nikolaus“ hieß, solle, so Rösch, „ein erster Schritt zur Entmystifizierung und Entzauberung des Hauses“ sein.

Das Bischofshaus sei für viele zum Stein des Anstoßes geworden und habe über Monate hinweg für Schlagzeilen gesorgt. Verlorengegangenes Vertrauen könne nur durch Begegnungen, durch Transparenz wiedergewonnen werden. Das Bischofshaus „mit seinem eigenen Charme und seiner eigenen Ästhetik“ solle immer mehr Menschen erschlossen werden. „Ich lade Sie ein, das Haus kennenzulernen und einen eigenen Zugang zu finden.“

Ab April sollen kirchliche Gruppen aus dem Bistum an Führungen durch das Haus teilnehmen können – ausgenommen die Privaträume. Und künftig werde es Bildungs- und Kulturveranstaltungen geben, kündigt Rösch an. Mit Partnern wie der katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt und der katholischen Erwachsenenbildung. Auch Vorträge, Gesprächsrunden, Podiumsgespräche, Konzerte oder Ausstellungen seien möglich.

Ab Mitte März können sich Gruppen aus dem Bistum für Führungen anmelden:
www.bistumlimburg.de.

Ein Video und Fotos sowie ein Faltblatt gibt’s unter www.bistumlimburg.de/bischofshaus