25.04.2014

"Ida" – ein beeindruckender Schwarz-Weiß-Film

Die Kommunistin und die Nonne

Wie schön sie ist. Anna (Agata Trzebuchowska) hat ein Grübchen, und wenn sie lächelt, sogar drei. Doch in ihrem Leben geht es ernst zu. Sie ist eine junge Nonne, elternlos, steht kurz davor, ihre Gelübde abzulegen. Die Äbtissin bestimmt, dass sie zuvor ihre einzige Verwandte besuchen soll.

Der Film „Ida“ von Pawel Pawlikowski spielt in Polen im Jahr 1962 – Armut als Normalzustand, karge Kost für die Nonnen. Ein ruhiger Film, schwarz-weiß, gesprochen wird wenig, zu sehen ist dafür umso mehr. Visuell ist der Film ein Fest.

 

Anna fügt sich und fährt zu ihrer Tante Wanda, die sich nie um sie gekümmert hat. Wanda (Agata Kulesza) wirft der jungen Nonne ein paar wesentliche Informationen zu ihrem Leben an den Kopf. Anna, die Katholikin, ist Jüdin. Ihre Eltern waren Juden. Ihr Name ist Ida. Anna/Ida will das Grab ihrer Eltern sehen. Es gibt keins. Der Rest ist Schweigen. Und schon scheint der Verwandtenbesuch wieder zu Ende zu sein.

Aber Tante Wanda, Kommunistin, stets den Alkohol und die Zigaretten in Reichweite, überlegt es sich anders. Die elegante Juristin mit dem Nerzkragen und die junge Nonne im kratzigen Grau beginnen eine Reise auf der Suche nach den Toten.

Eine atemberaubende Reise voller herrlicher, stiller Bilder, perfekt eingefangener Melancholie, die von Verbrechen, Vergessen, Verdrängen, Vergraben handelt. Und zwischendurch von einer lebenssüchtigen Tante, die sich ablenken muss, und einer Anna, die sich selbst neu sehen lernen muss.

Wanda macht die Drecksarbeit, um endlich mehr von den Toten zu erfahren. Sie setzt die Zeugen unter Druck, sie gibt nicht nach. Sie scheint das Auftauchen ihrer sanften Nichte gebraucht zu haben, um endlich Ordnung zu machen in ihrem Leben. Und Ida? Das muss man selbst sehen. Bemerkenswert: Hier wird das klösterliche Leben in keiner Weise denunziert, sondern kann sich als Lebensentwurf locker behaupten. Sogar Idas Herz-Jesu-Frömmigkeit spricht in seiner Innigkeit für die junge Nonne. 

Ein großartiger, unbedingt sehenswerter Film, der sehr viel Spannung erzeugt, die mit Krimispannung nichts zu tun hat. Wäre Wahrhaftigkeit eine Filmcheck-Kategorie, „Ida“ bekäme volle Punktzahl.

Ruth Lehnen

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

Humor    
Romantik      
Spannung  
Spiritueller Tiefgang U-Boot U-Boot U-Boot U-Boot  
Insgesamt empfehlenswert Sternchen Sternchen