14.09.2015

Die Nieder-Olmer Pfarrei St. Franziskus von Assisi pflegt Kontakte vom Weltjugendtag 2013

Ein Glaube ohne Grenzen

Sie streichen, schleifen, schleppen Farbtöpfe. Jugendliche aus Brasilien sind zweieinhalb Wochen zu Besuch in Rheinhessen. Statt nur Urlaub zu machen, heißt es: anpacken. Von Sarah Seifen.

 

 

Sie kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen und glauben doch
an denselben Gott, das stellen Frederike Göbel und Thaisi Ribeiro beim
gemeinsamen Handwerken fest. Foto: Sarah Seifen

Mit einem Pinsel in der Hand, den sie hin und her bewegt, und dem portugiesischen Wort für „malen“ zeigt die 16-jährige Frederike Göbel ihrer brasilianischen Freundin Thaisi Ribeiro, was als Nächstes ansteht: Streichen der Holzpfähle auf dem Außengelände des Kindergartens Zornheim.
Sie nehmen mit 26 weiteren jungen Menschen teil an einem Sozialprojekt der deutsch-brasilianischen Jugendbegegnung, das sich aus dem Weltjugendtag 2013 in Brasilien entwickelt hat (siehe „Zur Sache“).

Arbeiten rund um das Pfarrhaus in Nieder-Olm oder Kindergärten in den umliegenden Dörfern sind zu erledigen. Eine gemischte Gruppe aus beiden Ländern soll das Außengelände des Kindergarten Zornheim winterfest machen.

Mit Arbeiten dieDankbarkeit ausdrücken

Die 25-jährige Thaisi ist dankbar, dass sie die Möglichkeit erhalten hat, die Heimat der Menschen kennenzulernen, die ihrer Gemeinde zuhause helfen. Die Frau aus Rondonópolis lebt für zweieinhalb Wochen bei Familie Göbel in Nieder-Olm. „Der Gedanke der Rückbegegnung war, nicht nur Spaß zu haben, sondern auch etwas zurückzugeben“, erzählt sie mithilfe einer Übersetzerin. „Wir wollen unsere Dankbarkeit mit der Arbeit ausdrücken.“

Rund um den Zornheimer Kindergarten  hocken junge Menschen auf dem Boden und lackieren eine Bank. Andere stehen auf Leitern und streichen die Kletterwand. Frederike und Thaisi bemalen Holzpfähle. Sie lachen miteinander und haben Spaß. Sie verstehen sich, obwohl sie die Muttersprache der anderen nicht sprechen.

Das liegt auch an der christlichen Einstellung, die beide teilen. „Obwohl wir aus verschiedenen Ländern und Kulturen kommen, glauben wir an denselben Gott. Wir teilen die Botschaft, dem Nächsten zu helfen“, sagt Thaisi. Frederike ist beeindruckt von der brasilianischen Selbstverständlichkeit, den Glauben zu zeigen. Vor allem, dass die jungen Brasilianer viele Gebete auswendig können, findet sie toll. „Es ist schade, dass wir zum Beispiel das ‚Gegrüßet seist du, Maria‘ nicht lernen“, sagt sie, „Das lernen sie in Brasilien schon in der Grundschule. Da spielt Religion eine größere Rolle.“

Um 17 Uhr ist Feierabend. Dann geht es mit Kleinbussen zurück zum Camarahaus in Nieder-Olm. Frederike Göbel ist das einzige Mädchen im sonst brasilianischen ‚Männerbus‘. Sie sitzt in der letzten Reihe und lächelt, während die Männer brasilianische Gesänge anstimmen. Von der offenen Art der jungen Frauen und Männer aus Brasilien ist sie begeistert. „Sie beginnen einfach zu tanzen, und dann schnappt sich jeder Brasilianer einen Deutschen zum mittanzen“, erzählt sie.  

Für den Sonntagsgottesdienst in St. Franziskus von Assisi üben die Jugendlichen gemeinsam einen Tanz ein. Es wird geklatscht und gesungen, ein selbst getextetes Lied eines Brasilianers, das von Gott handelt, der Sinn im Leben gibt und den man nie verlassen soll. Dekan Hubert Hilsbos, Pfarrer von Nieder-Olm, ist es wichtig, dass die Brasilianer am Leben der Gemeinde teilhaben. Es wurde eigens ein Liedheft gestaltet, damit die Teilnehmer Lieder in beiden Sprachen mitsingen können.

Der Kontakt soll bestehen bleiben

Gottesdienste und tägliche Morgenimpulse sind zweisprachig. „Wir beten das Vaterunser gleichzeitig, jeder in seiner Sprache. Die Brasilianer sind lauter, sodass wir Deutschen oft aus dem Takt kommen. Aber wir passen uns einander an“, erklärt Katrin Pulipara. Die 29-Jährige hat die Jugendbegegnung vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Selbst konnte sie die Gruppe nicht nach Brasilien begleiten, da sie kurz vorher Nachwuchs bekam. Umso mehr freut sie sich, dass die 14 Brasilianer nach Rheinhessen gekommen sind.

„Die Brasilianer hatten gleich gesagt: ‚Wir würden so gerne mal eure Heimat sehen‘, sodass wir es zwei Jahre später geschafft haben, eine Rückbegegnung zu organisieren“, sagt sie. Und eine „Rückrückbegegnung“ in zwei Jahren in Rondonópolis soll es geben, das wünschen sich alle Teilnehmer. Sie wollen über Internet und Facebook in Kontakt bleiben, denn sie haben sich angefreundet.

Zur Sache: Wie alles in Rondonópolis begann
2013 fuhren 20 junge Erwachsene aus der damaligen Pfarrgruppe Nieder-Olm zum Weltjugendtag nach Brasilien. Die Woche der Begegnung verbrachten sie in Rondonópolis. Dort lebt und arbeitet der aus Mainz stammende Pfarrer Lothar Bauchrowitz. Der Camarakreis Nieder-Olm unterstützt ihn seit Anfang der 1980er Jahre bei seiner Arbeit. Unter anderem werden Wohnhäuser und Kindergärten gebaut. Die Nieder-Olmer Jugendlichen entschieden sich aufgrund des bestehenden Kontakts, die Menschen in Rondonópolis zu unterstützen. Im Voraus sammelten sie Spenden für neue Wohnhäuser. Vor Ort arbeiteten sie mit, strichen Häuser oder pressten Zuckerrohr aus. Im Vordergrund stand jedoch die Begegnung mit den einheimischen Jugendlichen. Daraus entstand die deutsch-brasilianische Jugendbegegnung und der Wunsch nach einem Wiedersehen.