02.01.2013

Kommentar

Eine falsche Entscheidung

Von Ulrich Waschki

Wenige Tage vor Weihnachten hat das Bistum Essen angekündigt, Ende 2013 die traditionsreiche Bistumszeitung „RuhrWort“ einzustellen. Seit 1959 berichtet das „RuhrWort“ über das kirchliche Leben im Bistum Essen. Das Bistum reagiert mit der Einstellung auf sinkende Auflagen und steigende Verluste. Und: Es will neue Zielgruppen erreichen. Vielleicht, so ist zu hören, mit einer Mitgliederzeitung. Das ist ein ehrenwerter Versuch. Dennoch könnte man das eine tun, ohne das andere zu lassen. 

Zwei Einwände sind gegen das Aus für das „RuhrWort“ zu erheben – aus wirtschaftlicher und aus publizistischer Sicht. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es durchaus Alternativen zur Einstellung der Zeitung. Kooperationsmodelle wie die Verlagsgruppe Bistumspresse, in der diese Zeitung erscheint, helfen, Kosten zu sparen. So können auch Zeitungen mit kleineren Auflagen eine hohe Qualität zu wirtschaftlich sinnvollen Konditionen anbieten. Doch solche Kooperationsmodelle waren in Essen offenbar nicht gewünscht. Ob sie jetzt auch noch etwas gebracht hätten, ist fraglich. Die Verantwortlichen hätten die Hebel schon viel früher umlegen müssen, um gar nicht erst ins Defizit zu rutschen. Das zeigt: Wer zu lange wartet, verliert seine Handlungsmöglichkeiten.

Der zweite Einwand ist publizistischer Natur: Natürlich ist die Zielgruppe einer Kirchenzeitung begrenzt. Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben wollen, lesen auch keine Bistums-zeitung. Und natürlich muss die Kirche Wege suchen, um auch die Menschen zu erreichen, die nicht regelmäßig in die Kirche gehen. Auf diesem Feld ist viel geschehen in den vergangenen Jahren: Die Öffentlichkeitsabteilungen der Diözesen haben ihr Personal aufgestockt, um zum Beispiel im Internet ihre Botschaft zu verbreiten. Doch dabei darf man die Gruppe der Menschen, die das Gemeindeleben vor Ort prägen, die am stärksten mit ihrer Kirche verbunden sind, nicht außer Acht lassen.

Für sie ist die Kirchenzeitung oft unverzichtbar. Dafür bezahlen sie sogar Geld. Das tun sie auch deshalb, weil eine Kirchenzeitung ein journalistisches Produkt ist. Sie setzt sich auch kritisch mit der eigenen Kirche auseinander. In ihr können auch andere Positionen Platz finden. Bei Mitgliederzeitschriften, die direkt in den Ordinariaten entstehen, geht es nicht um Journalismus, der Menschen etwas wert ist. Hier geht es um die Botschaft eines Absenders, die unters Volk gebracht wird. Das Ende des „RuhrWortes“ ist auch ein herber Verlust für loyalen und gleichzeitig kritischen kirchlichen Journalismus.