30.04.2014

Kommentar

Eine gute Botschafterin

Von Ulrich Waschki

Annette Schavan soll Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl werden, wenn im Sommer der derzeitige Amtsinhaber in den Ruhestand geht. Durch ist die Personalie noch nicht, in diesen Tagen – „nach der Osterpause“ – soll die Entscheidung fallen. Schützenhilfe bekommt Schavan jetzt von ihrer Nachfolgerin als Bundesbildungsministerin, Johanna Wanka. Denn schon seit die ersten Gerüchte über die Personalie nach außen drangen, gibt es Kritik.

Von konservativen Katholiken, die Schavans „ZdK-Katholizismus“ als Affront gegen den Vatikan ansehen. Offenbar auch von Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, weil Schavan nach Aberkennung des Doktortitels kein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen kann und somit nicht mehr die Voraussetzung für die höhere Diplomatenlaufbahn erfülle. Dieses Argument hat das Auswärtige Amt gleich entkräftet: So war der SPD-Politiker Rudolf Dreßler deutscher Botschafter in Israel. Ohne Studienabschluss.

Die deutsche Vatikanbotschaft ist eine sonderbare Einrichtung, wirkt sie doch eher wie ein wenig nutzbringender Ehrendienst, ein Versorgungsposten für verdiente Diplomaten (oder jetzt Spitzenpolitiker). Ein „Austraghäusl“, wie man in Süddeutschland sagen würde?

Doch unter Papst Franziskus erlebt die vatikanische Diplomatie eine Renaissance. Der Vatikan will sich stärker einbringen ins Weltgeschehen, seine neutrale und unverdächtige Rolle nutzen, um Frieden zu stiften. Nicht nur durch Appelle des Papstes. Und so laufen im Vatikan Fäden und Informationen zusammen, die für die internationale Diplomatie nützlich sein können. Der Posten als Vatikanbotschafter ist dann doch mehr als ein „Austraghäusl“, sondern eine Kontaktstelle, eine Vertrauensperson bei einem wichtigen weltpolitischen Akteur.

Und Annette Schavan ist dafür bestens geeignet: Als ehemalige Spitzenpolitikerin ist sie in der politischen Klasse unseres Landes besser vernetzt als ein Laufbahndiplomat. Sie versteht die Kirche, ihre Riten, ihren Glauben. Sie wird sich auf dem für viele ungewohnten Terrain sicher bewegen. Als Botschafterin hätte Annette Schavan Deutschland und nicht die (deutsche) Kirche oder das ZdK zu vertreten. Sie ist  klug genug, mit ihren eigenen Haltungen zu kirchlichen Fragen sehr zurückhaltend umzugehen. So wie es ihre Vorgänger – die letzten vier waren übrigens evangelisch – auch getan haben dürften.