19.02.2015

Ein sehenswerter Kinofilm über Martin Luther King: „Selma“

Er hatte einen Traum

Wirklich verwunderlich, dass es bislang noch keinen Spielfilm über einen der meistverehrten Männer des 20. Jahrhunderts gab. Jetzt läuft „Selma“ in unseren Kinos – und erzählt gerade mal von einem Vierteljahr aus dem Leben des Martin Luther King. Gesehen von Hubertus Büker.

Die Macher von „Selma“ haben den Dreh raus. Der Film beginnt in Oslo; Martin Luther King und seine Frau Coretta machen sich fein für die Verleihung des Friedensnobelpreises. Teil zwei der Einleitung spielt in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama, wo (Achtung, Kinobesucher: Schockeffekt!) ein Bombenanschlag des rassistischen Geheimbundes Ku- Klux-Klan auf eine Baptistenkirche vier Mädchen zwischen elf und 14 Jahren in den Tod reißt.

So einfach funktioniert das. Zwei präzise gefilmte Sequenzen schildern zwei bedeutende, aber höchst gegensätzliche Ereignisse – und zwar in der falschen zeitlichen Reihenfolge, denn den Nobelpreis erhielt King im Dezember 1964, das Attentat geschah im September 1963. Den Zuschauern vermittelt der simple Trick gleich am Anfang die Botschaft: Dieser schwarze Bürgerrechtler mag die höchste Auszeichnung der Welt bekommen – dadurch ändert sich noch lange nichts.

Es muss weitergehen. Es geht Anfang 1965 weiter in Selma. Warum in diesem Provinzkaff von nicht mal 30 000 Einwohnern, rund 80 Kilometer entfernt von Alabamas Hauptstadt Montgomery? Weil King und seine Mitstreiter die Aufmerksamkeit der Medien wollen.

„Rassentrennung gestern, heute und für immer“

Alabama zählt 1965 zu den US-Südstaaten, in denen Schwarze zwar wählen dürfen; dazu jedoch müssen sie sich ins Wählerverzeichnis eintragen lassen, woran sie durch tausend Schikanen gehindert werden. Alabamas Gouverneur hat beim Amtsantritt verkündet: „Rassentrennung gestern, heute und für immer!“ Und in Selma amtiert mit Jim Clark ein besonders brutaler und engstirniger Polizeichef. Er wird, kalkulieren die Bürgerrechtler, die friedlich demonstrierenden Schwarzen niederknüppeln lassen. So geschieht es – unter den Augen zahlreicher Reporter …

An „Selma“ mag man dies und das bemängeln können. Halten wir uns damit nicht auf. Der Film muss vor allem gelobt werden. Zuerst dafür, dass er kein Heldenepos liefert. Genauso wichtig wie seine Hauptfigur nimmt er die humanen und christlichen Werte, für die Martin Luther King eintrat. Und die Frauen und Männer um ihn herum, das wird sehr deutlich, hatten erheblichen Anteil an seinem Erfolg.

Klasse, dass der Film ohne die bekanntesten Geschehnisse aus Kings Leben auskommt: den Marsch auf Washington mit der Rede „I have a dream“ und Kings Ermordung 1968 nebst seiner zweitberühmtesten Rede am Tag zuvor („Ich habe das Gelobte Land gesehen“). Die Geschichte der ersten drei Monate des Jahres 1965 zeigt wie im Fokus alles Wesentliche, was in Erinnerung bleiben sollte über Martin Luther King und das, wofür er stand.

Wunderbar, dass mit Ava Duvernay eine Regisseurin diesen Film drehen durfte. Sie wird ebensowenig einen „Oscar“ gewinnen wie der herausragende Hauptdarsteller David Oyelowo. Wie es aussieht, kriegt „Selma“ keinen einzigen. Was soll’s. Auch ohne die wichtigsten Trophäen der Filmwelt ist dies ein großer Film über einen großen Mann.

Selma. USA 2014.
Regie: Ava Duvernay.
Mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Carmen Ejogo, Tim Roth.
128 Minuten

 

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

Humor    
Romantik    
Spannung  
Spiritueller Tiefgang U-Boot U-Boot U-Boot U-Boot U-Boot
Insgesamt empfehlenswert Sternchen Sternchen