13.09.2011

Es kann nur eine geben – wieso bis in „alle“ Ewigkeit?

Am Schluss eines Gebetes heißt es oft „bis in alle Ewigkeit“. Aber es kann doch nur eine Ewigkeit geben?
Josefine Hölscher, Fürstenau

 

Die Wendung am Ende eines Gebetes „bis in alle Ewigkeit“ ist beeinflusst von der lateinischen Wendung „per omnia saecula saeculorum“. Das ist wörtlich zu übersetzen mit: „für alle Zeiten der Zeiten“ und meint: „für alle nur vorstellbaren Zeiten“ oder „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ – ohne Anfang und ohne Ende.
In der deutschen Wendung ist das Wort „alle“ eher wie „gesamte, ganze“ Ewigkeit zu verstehen; es heißt ja nicht „alle Ewigkeiten“. Ewigkeit ist eben nichts, das sich zählen oder bemessen ließe. Daher gibt es keine drei, vier oder hundert Ewigkeiten, ebenso wenig eine halbe Ewigkeit, auch wenn wir mitunter so lange warten müssen oder anderes „eine halbe Ewigkeit“ dauert.
Mit zeitlicher oder mathematischer Logik kommen wir dem nicht näher, was wir mit Ewigkeit meinen. In der Ewigkeit sind Zeit und Raum aufgehoben, da gibt es diese Kategorien nicht mehr – so schwer das für uns irdische Menschen mit unserem Alltagsverstand zu verstehen ist.
Die Wendung am Ende eines Gebetes will sagen: Das Erwähnte soll auch über Raum und Zeit hinaus gelten. Bei vielen Gebetsendungen fällt das Wörtchen „alle“ heute weg. So heißt es im Stundengebet am Ende der Psalmen: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“
Roland Juchem