17.12.2014

Filmkritik

Exodus – Götter und Könige

Hollywood hat das Alte Testament für sich entdeckt. Während "Noah" sich noch munter des Fantasy-Genres bediente, erweckt Ridley Scotts "Exodus" eher den Eindruck eines klassischen Sandalenfilms. Der Titel könnte auch "Gladiator Mose 3D" lauten. Gesehen von Johannes Lehnen.

Die Geschichte ist bekannt: Moses, gespielt von Christian Bale, führt die Israeliten aus der Sklaverei ins Gelobte Land. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Denn zu Beginn des Films sehen wir einen Mose, der noch selbst am Hof der Ägypter haust. Sicher, er sieht das Unrecht, das geschieht, aber gleichzeitig genießt er alle Privilegien der Oberklasse. Ramses und er sind gut befreundet, eine gewisse Rivalität ist aber schon im Prolog zu spüren. Der Australier Joel Edgerton spielt Ramses nicht als einen Bösen per se, eher als einen, der völlig die Bodenhaftung verloren hat – dem Personenkult des Alten Ägyptens entsprechend. Und Mose toleriert das, er kennt es nicht anders. 

Bis er an einem schicksalhaften Tag zu den Sklaven geht. Seinesgleichen erkennt. In eine Sinnkrise stürzt. 

 

Einfallslos in der Wüste

Moses Bruch mit der Dekadenz findet auch in der Inszenierung des Films Niederschlag. Während die ersten 30-40 Minuten rasant und kurzweilig vergingen, ist die Sinnkrise eine echte. Die Wüste nimmt Ridley Scott ernst – vielleicht sogar ernster als die Schwertkämpfe, die Streitwagen und den Pfeilhagel. In den Streitwagen, das merkt man, ist Ridley Scott aber zu Hause – nicht in der Sinnsuche. Und so findet er keinen Weg, das Zweifeln und die existenziellen Herausforderungen des Alleinseins in Bilder zu übersetzen. Stattdessen versucht er es mit epischer Musik und bedeutungsschweren Blicken.  

Die Landplagen erlösen "Exodus" dann gewissermaßen von seiner visuellen Einfallslosigkeit, hier darf Scott die Heuschreckenschwärme kommen lassen, den Himmel verdunkeln und die Krokodile im Nil wüten lassen. Dank 3D-Technik wirkt das entsprechend eindrucksvoll, Überwältigungskino vom feinsten. Ramses und Mose stehen sich dann noch einmal im Pharaonen-Palast gegenüber, von der Brüderlichkeit ist aber nichts mehr zu spüren. Der anfangs groß angelegte Bruder-Konflikt ist hier schon gar nicht mehr relevant, und so fehlt es gewaltig an Emotionen. Es wird nur noch geschrien und gekämpft.

 

Vor ihnen das Meer, hinter ihnen die Ägypter

Die Streitwagen brausen den Israeliten in einer spektakulären Verfolgungsjagd hinterher, die Israeliten wissen nicht, was sie tun sollen: vor ihnen das Meer, hinter ihnen die Ägypter. Zum Glück weiß die Bibel zu derartigen Problemen eine Lösung.

Gerade die Teilung des Meeres fällt aber überraschend unspektakulär aus, sie geschieht eher von selbst und ganz ohne große Worte. Die Flutwellen, die dann zurückschießen, sind umso größer, umso vernichtender. Und wenn sich Mose und Ramses noch ein letztes Mal vor diesen gewaltigen Wassermassen gegenüberstehen, so ist das nicht mehr als ein Versuch der Emotion. 

Nach dem Meer wirkt der Rest des 2. Buch Mose nur noch wie ein Epilog, die Götzenverehrung, das Land, in dem Milch und Honig fließen – nahezu irrelevant für "Exodus". Für die Steintafeln nimmt sich Scott aber nochmal Zeit, zeigt seinen gealterten Mose mit Hammer und Meißel.

Derjenige, der ihm diese Sätze diktiert, war vorher schon ab und an zu sehen. Es ist eine Schlüsselfigur von "Exodus", und die Besetzung ist ziemlich spannend: ein Junge von 8-9 Jahren. JHWH als bockiges Kind? Zum Nachdenken.

 

 

Bibelfilm

Von 20th Century Fox

FSK 12, Laufzeit 150 Minuten

Kinostart: 25.12. 2014

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

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