20.11.2011

Massentierhaltung und Billigfleisch

Fleisch in Maßen statt in Massen

Der steigende Fleischkonsum überfordert die Erde. Gase und Gülle aus Massentierhaltung verpesten Luft, Gewässer und Böden. Umweltverbände und das katholische Hilfswerk Misereor fordern ein Umdenken.


Die Rechnung ist einfach. Immer mehr Menschen essen immer mehr Fleisch. Seit 1971 hat sich der Fleischkonsum weltweit verdreifacht, in Ostasien innerhalb von 30 Jahren sogar vervierfacht. Wie aus einer von Misereor publizierten Studie hervorgeht, werden spätestens 2050 die für die Tierzucht erforderlichen Futtermittelmengen „nicht mehr produzierbar“ sein. „Um unseren Appetit auf Fleisch zu stillen, bräuchten wir dann eine zweite Erde“ sagt Kerstin Lanje von Misereor. Schon heute dient ein Drittel der globalen Agrarflächen der Tierfutterproduktion. Nimmt man das Weideland für Rinder hinzu, werden fast 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für die Fleischproduktion genutzt. Dabei liefert Fleisch, so hat die UN-Ernährungsorganisation FAO errechnet, nur 15 Prozent der Energie, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Hinzu kommt, dass für den Anbau des Kraftfutters der für das Weltklima wichtige Regenwald gerodet wird.

Treibhausgase und Unmengen Gülle

Aktuell kommen bereits 18 Prozent der Treibhausemissionen aus der Tiermassenhaltung, die Unmengen von Methan freisetzt. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz moniert zudem, dass aus den „Mega-Mastanlagen“ und Fischfarmen ein kaum kontrollierbarer „Gülle-Tsunami“ entspringt. Ammoniak, Nitrate, Schwermetalle und Antibiotika verseuchen Böden und Gewässer. Und nicht zuletzt verbraucht die Fleischproduktion – während weltweit die Dürren immer häufiger werden – auch ungeheuer viel Wasser. Für ein Kilo Rindfleisch sind laut FAO 15 300 Liter nötig.
„Ein ‚Weiter so‘ ist längst keine Option mehr“, beklagt Fernsehköchin Sarah Wiener. Sie engagiert sich schon länger für eine nachhaltige Tierhaltung. Umweltschützer und Misereor drängen gemeinsam auf eine Reform der EU-Agrarpolitik. Gefordert wird ein Ende der Subventionen für die Massentierhaltung. Durch die Billigfleischexporte aus der EU wird oft auch die Existenz von afrikanischen Kleinbauern vernichtet, die aber bei der Bekämpfung regionaler Hungersnöte eminent wichtig sind.

Deutsche kein Vorbild beim Fleischkonsum

Vor rund einer Woche kamen in Berlin – neben Misereor und dem Evangelischen Entwicklungsdienst – 15 weitere Organisationen für die Tagung „Fleisch in Massen – Fleisch in Maßen“ zusammen. Appelliert wurde dort auch an die Verantwortung der Konsumenten. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 86 Kilo Fleisch sind wir Deutschen kein gutes Vorbild. Außerhalb der Industrienationen liegt der durchschnittliche Fleischkonsum bei  26 Kilo. „Essen ist keine Privatangelegenheit. Essen ist hochpolitisch“ sagt TV-Köchin Wiener.

Andreas Kaiser