02.08.2017

Jahresserie 2017: "Skandal egal? – Die Sache mit der Ökumene" Teil 7

Frauen in der Leitung ja – aber keine Weihe

„Skandal egal? – Die Sache mit der Ökumene“ heißt die aktuelle Jahresserie. Oder anders gesagt: Wann endlich überwinden die christlichen Kirchen ihre Spaltung? Na, wenn die Katholiken endlich Frauen zum Priesterinnen weihen. So wie es in den Kirchen der Reformation seit einigen Jahrzehnten praktiziert wird. Allerdings steht die katholische Kirche mit ihrem Nein zur Priesterweihe für Frauen nicht allein. Vor allem in den orthodoxen Kirchen gibt es ebenfalls keine Frauenordination. Ein Blick in die Geschichte der Frauenordination. Von Hans-Joachim Stoehr.

In evangelischen Gemeinden ein vertrautes Bild: Eine Pfarrerin steht der Liturgie vor und spendet den Segen. Das Foto entstand bei der Amtseinführung von Pfarrerin Angelika Behnke in der Dresdener Frauenkirche. Sie ist die erste Frau in diesem Amt an der Frauenkirche. | Foto epd
In evangelischen Gemeinden ein vertrautes Bild: Eine Pfarrerin steht der Liturgie vor und spendet den Segen. Das Foto entstand bei der Amtseinführung von Pfarrerin Angelika Behnke in der Dresdener Frauenkirche. Sie ist die erste Frau in diesem Amt an der Frauenkirche. | Foto epd

Die Frage nach einem Amt von Frauen in der Kirche reicht zurück bis in die ersten Christengemeinden. Der Völkerapostel Paulus erwähnt im letzten Kapitel des Römerbriefs bei seinen Grüßen Andronikus und Junia. Er sagt von beiden: „Sie gehören zu meinem Volk und waren mit mir im Gefängnis. Sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt“ (16, 7). Das bedeutet, dass Andnronikus und Junia bereits vor der Bekehrung des Saulus zum Paulus zu den Christen zählten. Die Verwendung des Begriffs „Apostel“ wird in den Paulusbriefen meist in seinem wörtlichen Sinn verwendet: Das griechische Wort „Apostolos“ bedeutet auf deutsch „Gesandter“. Das entsprechende lateinische Wort für Gesandter oder Sendbote wäre „Missionar“.

Von evangelischer Seite wird argumentiert: Wenn Frauen als „Apostolinnen“ bezeichnet wurden, sei dies ein Beleg, dass es unter den ersten Christen Frauen in der Funktion eines Apostels gab. Von katholischer Seite hingegen wird betont, dass ein Unterschied bestünde zwischen den zwölf von Jesus im Abendmahlsaal erwählten Jüngern und Aposteln und den von Paulus erwähnten „Aposteln“. Deshalb könne es keine Frauen als Pries-terinnen oder Bischöfinnen geben.

Zum Apostelbegriff ist eine Äußerung des Kirchenlehrers Hippolyt von Rom interessant. Er lebt im zweiten Jahrhundert nach Christus. Hippolyt bezeichnet Maria Magdalena als „Apostola Apostolorum“, also die „Apostolin der Apostel“. Der Grund: Maria Magdalena ist die Erstzeugin der Auferstehung. Sie berichtet den Aposteln, dass Jesus lebt.

Apostolin Junia und Diakonin Phoebe

Anders als bei Apostolinnen und Pries-terinnen ist hingegen unstrittig, dass es bereits zur Zeit des Paulus Diakoninnen gab. Der Völkerapostel grüßt im bereits erwähnten letzten Kapitel des Römerbriefs (16,1) die Diakonin Phoebe in Kenchreä bei Korinth. Das Amt der Diakonin ist in der Westkirche bis ins 8. Jahrhundert belegt, in der Ostkirche bis ins 12. Jahrhundert. Weil das Amt des Diakons zunehmend als Vorstufe zum Priesterdienst verstanden wurde, der nur Männern vorbehalten war, verschwand als Folge das Amt der Diakonin.

Dass Frauen auch als prägende Gestalten in Erscheinung traten, wird an der Purpurhändlerin Lydia aus Philippi deutlich. Sie wird im 16. Kapitel der Apostelgeschichte genannt. Lydia war die erste Christin auf dem europäischen Kontinent, die von Paulus getauft wurde. Die ersten Gemeindemitglieder trafen sich in ihrem Haus. Das legt nahe, dass sie auch eine Leitungsfunktion in der Gemeinde hatte.

Als Argument für eine Weihe von Bischöfinnen wird auf Theodora, die Mutter von Papst Paschalis I. (817 –827), verwiesen. Sie wird auf einem Mosaikbild in der Zeno-Kapelle der Kirche Santa Prassede in Rom als „Epis-copa Theodora“ (Bischöfin Theodora) bezeichnet. Ob diese Bezeichnung allerdings eine Amtsbezeichnung für eine ordinierte Bischöfin ist oder eher eine Ehrenbezeichnung für die Mutter oder Witwe des Bischofs von Rom und damit Papstes, ist unklar.
In der evangelischen Kirche dauert es bis in die 1920er Jahre, bis Frauen auch Leitungsaufgaben übernehmen. Das „Vikarinnengesetz“ der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union ermöglichte die Einsegnung – nicht Ordination – von Frauen zum Dienst an Frauen, Mädchen und Kindern. Doch Mitglieder der Vereinigung Evangelischer Frauen um Ina Gschössl und Annemarie Rübens gaben sich damit nicht zufrieden. In den 1930er Jahren fordern sie das volle Pfarramt und die Gleichstellung mit Pfarrern.

Bis das so weit ist, müssen sich die evangelischen Frauen allerdings noch fast drei Jahrzehnte gedulden. 1958 wird Elisabeth Haseloff als erste Pastorin in Deutschland in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Lübeck ordiniert.

Wie sieht es in anderen Kirchen aus, die sich von der katholischen Kirche abgespalten haben? In der Anglikanischen Kirche werden weltweit in den 1970er Jahren die ersten Frauen zu Priesterin-nen geweiht, beispielsweise in Kanada und den USA. In der Church of England, also im Mutterland der Anglikanischen Kirche, ist dies erst ab 1994 möglich. Mit Libby Lane wurde 2015 die erste Bischöfin geweiht. Vorausgegangen waren lange Auseinandersetzungen innnerhalb der Church of England. Einige Bischöfe traten danach aus Protest in die katholische Kirche über.

Erste Bischöfin weltweit: Maria Jepsen

1992 ist ein weiteres bedeutsames Jahr aus Sicht der Befürworter von Ämtern für Frauen in der Kirche. Als erste Frau weltweit wird Maria Jepsen zur Bischöfin des Sprengels Hamburg der Nord-elbischen Kirche ordiniert.

Eine weitere Glaubensgemeinschaft, die – neben der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen – die Prieserweihe kennt, ist die Altkatholische Kirche. In ihr wird 1996 mit der Professorin Angela Berlis erstmals eine Priesterin geweiht. Die Altkatholiken spalteten sich als Folge des Dogmas der Unfehlbarkeit des Papstes beim Ersten Vatikanischen Konzil (1870) von der römisch-katholischen Kirche ab.

Und wie sieht es in der katholischen Kirche mit Priesterinnen aus? Papst Franziskus bekräftigt in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ 2013 die Position seiner Vorgänger: „Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht.“

Letzteres gilt auch für zahlreiche evangelische Kirchen und Freikirchen sowie auch für andere Glaubensgemeinschaften wie die Neuapostolische Kirche. In ihr wiederum gibt es bis heute das Amt des „Apostels“.