13.03.2014

Gibt es zwei Päpste mit dem Namen Johannes XXIII.?

Kürzlich berichteten Sie über eine Austellung zum Konzil von Konstanz. Wer war der dort erwähnte Papst Johannes XXIII., der vor dem Konzil floh?  A. H., Rimbach

Der erste Johannes XXIII. wurde vom Konstanzer Konzil abgesetzt und gilt seither als nicht anerkannt. Sein bürgerlicher Name war Baldassare Cossa, geboren um 1360 als Spross einer neapolitianischen Adelsfamilie, gestorben am 27. Dezember 1419 in Florenz.

Damals litt ganz Europa – nicht nur die Kirche – schon 30 Jahre lang unter der Kirchenspaltung mit einem Papst in Avignon und einem in Rom. Im Jahre 1409 wollten Kirchen- und andere Fürsten die Lage endlich klären. Am 5. Juni 1409 erklärte das Konzil von Pisa die beiden amtierenden Päpste, Gregor XII. und Benedikt XIII., für abgesetzt. Drei Wochen später wählte das Konzil Alexander V., der aber binnen Jahresfrist starb.

Ein neues Konklave wählte am 14. Mai 1410 Baldassare Cossa zum Nachfolger; er nannte sich Johannes XXIII. Bis heute hält sich das Gerücht, der als skrupellos geltende Cossa habe seinen Vorgänger Alexander vergiftet. Johannes XXIII. hatte ein Reformkonzil versprochen und berief es auch nach Rom ein. Aber im Sumpf von Bestechungen und politischen Spielchen der ohnehin wenigen Teilnehmer wurde jeder Reformwille ertränkt. „Die Kirche hatte sich wohl noch nie in einem so traurigen Zustand befunden“, schreibt der französische Historiker Paul Ourliac, „jeder schloss sich der Partei an, die seinen eigenen Interessen am besten diente.“

Schließlich zwang der Kaiser, der deutsche König Sigismund, den aus Rom vertriebenen Papst dazu, ein Konzil nach Konstanz einzuberufen. Dort stimmte Johannes XXIII. seiner Abdankung zu. Weil die Kritik an Kurie und Papsttum inzwischen so heftig wurde, floh Johannes im März 1415 aus Konstanz. Da er aber keine politischen Unterstützer fand, wurde er am 25. Mai 1415 vom Konzil verurteilt wegen schlechter Verwaltung, anstoßendem Lebenwandel sowie mangelnder Einsicht und Reue und dem Kaiser überantwortet.

Am 11. November 1417 wählte das Konzil Kardinal Oddo Colonna zum Papst, der sich Martin V. nannte. Der musste allerdings erst noch zum Diakon und Priester geweiht werden. Später empfing Martin V. Johannes XXIII. und ernannte ihn (wieder) zum Kardinal.
 

Von Roland Juchem