03.04.2013

Kommentar

Glauben und Handeln

Von Ulrich Waschki

Viel ist in den vergangenen Tagen und Wochen über Papst Franziskus geschrieben worden. Dass er auf Pomp verzichtet, schwarze Schuhe trägt, seinen Zahnarzttermin in Buenos Aires persönlich per Telefon storniert haben soll. Auch wir achten auf diese kleinen Gesten. Alles wichtig, aber: Welche Botschaft steckt in seinen Worten?

Papst Franziskus richtet den Blick auf die Armen und Schwachen. Das ist aber keine rein soziale Botschaft. Sondern eine Folge des Glaubens. Denn der steht am Anfang: Für Franziskus ist die Kirche keine Wohltätigkeitsorganisation, sondern erst einmal das „heilige Volk Gottes, das unterwegs ist zur Begegnung mit Jesus Christus“. Die Kirche ist anders als die Welt: „Wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige Nicht-Regierungsorganisation (NGO), aber nicht die Kirche.“ Der Glaube und das Engagement für den Nächsten und die Schöpfung gehören zusammen. Beides geht nicht ohne das andere. 

Die Hoffnung auf Heil und Erlösung, die Barmherzigkeit Gottes ist ein weiteres zentrales Anliegen des Papstes. Die Barmherzigkeit sei für ihn die stärkste Botschaft Gottes, sagt der Papst. Gott werde niemals müde zu vergeben, den Menschen trotz seiner Sünde zu lieben und anzunehmen.

Sünde? Ja, bei aller Zuversicht versteckt Franziskus die schweren Seiten nicht. Mehrfach hat er schon den Teufel, das personifizierte Böse, erwähnt. Das Böse existiert. Es ist sichtbar und spürbar in dieser Welt. Auch das Kreuz steht im Mittelpunkt der Verkündigung von Papst Franziskus. Jeder Mensch ist verstrickt in Schuld (Sünde) und Leid (Kreuz). Vor allem mit der Schuld tun wir uns in der bequemen westlichen Welt oft schwer: Aber Hand aufs Herz – wer kommt schon ohne kleine und große Fehler durchs Leben? Wer wird immer seinen Nächsten, sich selbst oder dem, was er von der Botschaft Jesu verstanden hat, gerecht?

Doch Schuld und Leid haben nicht das letzte Wort: „Am Kreuz spürt Jesus das ganze Gewicht des Bösen, und mit der Kraft der Liebe Gottes überwindet er es, besiegt es in seiner Auferstehung“, sagt Franziskus. Da ist sie wieder: die Hoffnung.

Auch wenn dieser Glaube ein Geschenk ist, zum Nulltarif ist er nicht zu haben. Das Angebot Gottes erfordert eine Antwort. Gott wird nicht müde, uns zu vergeben, wir werden aber müde, ihn um Vergebung zu bitten, sagt der Papst. Der Glaube von Papst Franziskus ist ein praktischer Glaube – für den einzelnen Menschen und für die Gesellschaft.