13.03.2012

Musikalische Live-Übertragungen aus dem Kloster

Gregorianik goes Ramsch

Der uralte Mönchsgesang gehört ins Kloster, nicht in die Hitparaden. Die Erzabtei Sankt Ottilien überträgt alle Chorgebete live im Internet. Hörenswert!

Die Homepage der Erzabtei Sankt Ottilien

 

Gregorianik ist in aller Munde, könnte man meinen. 2008 haben ein paar Zisterziensermönche vom österreichischen Stift Heiligenkreuz mit ihrer CD Chant-Music for Paradise die Hitpararaden Europas gestürmt. Im vergangenen Jahr dann zogen „Die Priester“ nach. Doch, seien wir ehrlich, das Album Spiritus Dei - eingespielt von Pater Vianney Meister (Sankt Ottilien), Abt Rhabanus Petri (Schweiklberg) sowie dem Diözesanpriester Andreas Schätzle - bietet bestenfalls massenbekömmlichen Schmalz für eher anspruchslose Gemüter. Zwar waren und sind die beiden von Katholiken handgemachten CDs noch immer himmelweit besser als der beinahe unerträgliche Mist, den uns die Pop-Combo Gregorian seit vielen Jahren serviert.

Gregorianik ist Gebet

Doch mit dem Original, dem wunderschönen, hochspirituellen, „einstimmigen, unbegleiteten Gesang der römisch-katholischen Kirche in lateinischer Sprache“ (Wikipedia) hat zumindest das Priesterwerk eher wenig zu tun. Die nach Papst Gregor († 604) benannten Chorälen sind vor allem eines: Sie sind Gebete. Das gesungene Wort Gottes ist seit dem achten Jahrhundert aus kaum einem Kloster mehr wegzudenken. Es ist wesentlicher Bestandteil der liturgischen Handlung. Und genau dort, und vielleicht nur dort, gehört der heilige Mönchs- und Nonnengesang auch hin. Den schönsten, weiblichen (sic!) gregorianischen Chorgesang gibt es nicht im Netz. Dafür muss man raus. Ins echte Leben. Nach Alexanderdorf, knapp 40 Kilometer südlich von Berlin. Dort beten und singen täglich fünfmal die Schwestern der Abtei Sankt Gertrud. Großartig. Ihre CD gibt es nur dort im Klosterladen. Aber der Weg lohnt sich!

Live-Schaltung ins Kloster

Eine wohltuende Abwechslung gegenüber allen Säkularisationsversuchen der Gregorianik - den Anfang der Verramschung machte übrigens Michel Cretu mit seinem Musikprojekt Enigma vor rund 20 Jahren - bieten aber auch die Live-Übertragungen der Erzabtei Sankt Ottilien. Unter dem Motto „Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!" (Ps 95,1) kommen die Benediktiner täglich fünfmal zusammen. Das Beste: Auf dem durch und durch gelungenen Internetauftritt des Klosters findet man neben den Liveübertragungen sämtlicher Chorgebete und Messfeiern auch ein umfassendes Downloadarchiv sowie Links zu allen fürs Mitsingen und Mitbeten notwendigen Büchern.

Ihr Webreporter Andreas Kaiser