06.02.2015

Guten Tag, Ramón

Warmherzig – dieses Wort trifft den Film „Guten Tag, Ramón“ auf den Punkt. Dabei fängt die Geschichte nicht gut an. Bei seinem fünften Versuch, illegal in die USA auszuwandern stirbt der Mexikaner Ramón beinahe, eingeschlossen in einem Lastwagen. Sein Vorhaben erscheint aussichtslos, bis sich eine andere Möglichkeit auftut: Ein Kontakt nach Deutschland. Gesehen von Julia Hoffmann.

 

Als Ramón (Kristyan Ferrer) von seinem misslungenen Einreiseversuch zurückkehrt, wird er von seiner Oma (Adriana Barraza) ausgeschimpft. Er wolle nicht wirklich weg, das sei sein Problem. In der Tat möchte Ramón seine Heimat eigentlich nicht verlassen. Aber seine schwer kranke Großmutter benötigt Medikamente, für die zu oft das Geld fehlt. Als sein Bekannter Güero (Héctor Kotsifakis) ihm dann von seiner Tante in Deutschland erzählt, und Ramón überraschend an Geld für Flugtickets kommt, macht er sich auf den Weg. Geleitet wird er dabei von den vollmundigen Versprechungen seines Bekannten: Sie habe viel Geld und in Deutschland sei alles gut, wird ihm verheißen.

Unterwegs nach "WI-E-S-BA-DEN"

Geradezu drollig setzt Regisseur und Filmemacher Jorge Ramírez-Suárez die Reise des jungen Mannes in Szene. Ramón folgt den Erklärungen seines Bekannten, die er auf einen Zettel geschrieben hat. Genau beschreibt dieser den Frankfurter Flughafen, den Fahrkartenautomaten und lotst den Mexikaner bis an die große Tür eines edlen Hauses am Rheinufer in Wiesbaden, in dem die Tante wohnen soll. Doch der Mann, der ihm die Tür öffnet, schlägt sie ihm genauso schnell wieder vor der Nase zu. „Die wohnt nicht mehr hier“, blafft er den Reisenden an, der zunächst gar nicht begreift, wie ihm geschieht.

 

Mit einem Mal steht Ramón auf der Straße, allein, mitten im deutschen Winter, mit einer dünnen Jacke bekleidet. Ihm fehlt das Geld für die Umbuchung seines Rückflug-Tickets, er versucht, sich mit betteln durchzuschlagen. Als ihn ein Obdachloser verprügeln will, weil er in „seiner Straße“ bettelt, greift Ruth (Ingeborg Schöner) ein, eine beherzte 80-Jährige. Sie lässt Ramón schließlich in ihrem Keller übernachten. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Ramón bringt mit Tortillas und Merengue-Musik mexikanische Lebensfreude in das Haus, in dem vor allem ältere Menschen allein leben. Doch nicht alle Mitbewohner im Haus sind begeistert von der Gastfreundschaft. Und eines Tages ist Ramon spurlos verschwunden. Ruth macht sich mit ihrem Nachbarn Karl (Rüdiger Evers) auf die Suche.

Erfahrungen als Fremder in Deutschland

Meisterhaft gelingt es dem mexikanischen Regisseur Jorge Ramírez-Suárez, Deutschland und Mexiko authentisch vorzustellen. Dabei kommt er allerdings nicht ohne Klischees aus. Etwa dem des lustigen, Tortilla-Essenden Mexikaners. Ramírez-Suárez stellt seine Hauptfiguren bewusst positiv dar: „Ich lebe seit Langem in Deutschland und wollte beide Länder auf positive Weise zeigen. Die Freundschaft, die sich zwischen den beiden Hauptfiguren Ramón und Ruth entwickelt, spiegelt wider, wie ich als Fremder Deutschland erfahren habe.“

Bestechend ist dabei, dass er auf zu viel Dramatik verzichtet, sodass der Zuschauer den Eindruck gewinnt, so würde er vielleicht auch reagieren, wenn ein junger Mexikaner jeden Tag vor dem Tante Emma Laden stünde, in dem man einkauft. Kleine Gesten der Hilfsbereitschaft charakterisieren die dargestellten Deutschen.

Regisseur Ramírez-Suárez ist ein unterhaltsamer Film gelungen, der die großen Probleme von illegalen Migranten ebenso wenig verschweigt wie die Lebensfreude Ramóns und auch der Deutschen, die ihm helfen.

 

Filmverleih: 20th Centura Fox

Filmlänge: 120 Minuten

Kinostart: 5. Februar 2015

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

Humor  
Romantik      
Spannung      
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