30.09.2014

Inspiriert von Hildegard von Bingen

Heilige als Muse für Designermode

„Hildegard“ hat Anja Gockel (46) ihre neue Winterkollektion genannt. Denn die Mainzer Designerin wurde von der heiligen Hildegard von Bingen inspiriert. Das kam auch auf der Modewoche in Berlin gut an.

Kleid aus der Kollektion von Anja Gockel. Foto: Anja Gockel
"Hildegard war lebensfroh", davon ist
Anja Gockel überzeugt. Foto: Anja Gockel

Frage: Eine Heilige als Inspiration für eine Modekollektion?

Gockel: Die Idee ist ungewöhnlich, aber Hildegard war eine starke und selbstbewusste Frau. Auf der einen Seite zerbrechlich und doch sehr willensstark. Sie war modern. Beispielsweise hat sie die sexuelle Lust nicht verteufelt, sondern als lebenserhaltend beschrieben. Sie hatte den Mut, ihr Denkmuster durchzusetzen. Das finde ich beeindruckend und nachahmenswert.

Wie sieht Hildegards „Muster“ in Ihrer Kollektion aus?

Dazu habe ich einen Druck entworfen. Da sie sich viel mit Pflanzenkunde beschäftigt hat, habe ich mich in dem Muster für große Blumen entschieden. Sie sehen etwas antik aus und werden durch klare Streifen unterbrochen. So interpretiere ich Hildegards Reinheit und Klarheit sowie ihre Poetik und Spiritualität.

Wie zeigt sich die Spiritualität?

In der Musik zur Modenschau sind etwa gregoreanische Gesänge eingearbeitet. Und ich habe ein Brautkleid entworfen, das von einem großes Kreuz geziert wird. In diesem vermischen sich lauter Materialien, die zusammen wie erdiger Boden wirken. Als Symbol für die Vielfältigkeit von Kirche und Leben.

Warum eine winterliche Kollektion?

Hildegards Zeit war rau und hatte eine eigene Mystik. Ich habe deshalb warme, weiche Materialien wie Kunstfelle und Wolle verarbeitet. Die Schnitte sind hoch geschlossen, doch die Farben blumig. Denn ich bin überzeugt: Hildegard war lebensfroh.

Interview: Marie Eickhoff

 

Anja Gockel. Foto: privat

www.anja-gockel.com

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