12.04.2012

Am Weißen Sonntag gehen viele Kinder zur Erstkommunion

Helfen, Gott zu entdecken

Seit dem Weißen Sonntag läuft die "Erstkommunionsaison" auf Hochtouren. Nahezu alle katholischen getauften Kinder gehen zur Erstkommunion, sagen offizielle Statistiken. Dennoch gehört in den meisten Familien der Erstkommunionkinder der Glaube nicht zum Alltag.

Früher war die Erstkommunion ein selbstverständlicher Schritt auf einem selbstverständlichen Glaubensweg, der schon mit der Taufe begann. Heute ist die Erstkommunion für viele Kinder und Eltern erster intensiver Kontakt mit der Kirche nach der Taufe. Nicht Wegmarke, sondern Neustart. Manche Kerngemeinde grollt deswegen: Dass die Festgemeinde am Weißen Sonntag nicht weiß, wann sie sitzt, steht oder kniet, dass viele Erstkommunionfamilien nach der Feier nicht mehr in der Kirche gesehen werden. Ein falscher Groll.

So viele Familien zu erreichen, ist eine Chance, wie Fachleute wie der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger oder der Hildesheimer Priester Christian Hennecke, Leiter des Fachbereichs Missionarische Pastoral im Bistum, betonen. Natürlich mag auch die Sehnsucht nach einem schönen Fest dahinterstehen. Aber bei vielen sei es auch eine Offenheit für religiöse Fragen, meinen Hennecke und Biesinger. Doch damit diese Chance auch genutzt wird, muss die Vorbereitung auf die Erstkommunion anders aussehen als vor zwanzig Jahren. Denn in vielen Familien gibt es keine religiöse Praxis und kaum Glaubenswissen. Deswegen geht es zuerst darum, den Familien – nicht nur den Kindern, auch und vielleicht vor allem ihren Eltern – zu helfen, Gott zu entdecken. „Entdecken, dass Gott mich liebt“, sagt Hennecke, „bei der Suche nach der Gottesberührung helfen“, formuliert Biesinger. Nicht Wissen lernen wie früher, sondern spirituelle Erfahrungen machen. Gott spüren, mit ihm sprechen.

Einen „alltagstauglichen Glauben“ sollen die Familien vermittelt bekommen: die Segensgeste am Morgen, das Dankgebet bei Tisch, die Tagesrückschau im Gebet am Abend. Die Familien sollen Geschmack finden am Glauben, Feuer fangen. Doch wer andere entzünden will, muss selber brennen. Deswegen müssen Katecheten, Tischmütter, Gruppenleiter oder wie auch immer die Erwachsenen genannt werden, die bei der Vorbereitung helfen, selbst begleitet werden, selbst eine gemeinsame spirituelle Erfahrung machen. Nur wenn sie selbst aus der Fülle des Glaubens leben, können sie  Glaubenszeugen sein, zeigen, dass dieser Glaube mehr ist als Routine. 
Doch was kommt nach der Erstkommunion? Wie können die Familien ihren Glaubensweg weitergehen? Wie eine glaubende Gemeinschaft, keinen erstarrten Kirchenclub erleben? Nach einer guten Vorbereitung ist das der Schlüssel für den „Erfolg“.
Spiritueller, einladender, gelassener – so kann die Kirche den Glauben weitertragen. Das gilt nicht nur zur Erstkommunion.

Ulrich Waschki