17.10.2014

Road-Movie einer letzten Reise

Hin und weg

Jedes Jahr machen Hannes und seine Freunde eine Radtour. In diesem Jahr darf er das Ziel aussuchen: Belgien. Was die Weggefährten zunächst nicht wissen: Hannes ist unheilbar krank und will in Belgien Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Und vorher ein letztes Mal mit seinen Freunden das Leben in vollen Zügen genießen. Gesehen von Julia Hoffmann.

 

Es ist ein Film über die Freundschaft. Herrlich ist es, dabei zuzuschauen, wie Hannes, ( Florian David Fitz), seine Frau Kiki (Julia Koschitz) und ihre Freunde in die Pedale treten und an der Frankfurter Skyline vorbeidüsen. Mit lauter Musik aus einem alten Kassettenrekorder auf dem Fahrradanhänger von Michael (Jürgen Vogel). Doch schon bald bekommt die Idylle einen Sprung: Als die Truppe bei Jens, einem weiteren Freund, eintrifft. Dort treffen sie auch auf Hannes Mutter Irene (Hannelore Elsner) und seinen Bruder Finn (Volker Bruch). Beim gemeinsamen Essen bricht Irene in Tränen aus. Denn Hannes leidet an ALS, einer unheilbaren, tödlichen Krankheit des motorischen Nervensystems, an der schon sein Vater gestorben ist. Hannes gesteht seinen Freunden, dass er nach Belgien fahren möchte, um dort zu sterben. Er hat das Leiden seines Vaters noch vor Augen und will nicht darauf warten, dass er ersticken muss. Deshalb hat er sich für die Radtour nach Belgien entschieden. Hannes: „Ich wollte einfach ein letztes Mal mit meinen Freunden abhängen und nicht die ganze Zeit an diese Scheiß-Krankheit denken.“

Christian Zübert setzt in seiner Tragikomödie vor allem auf Leichtigkeit und ist darauf bedacht, das Road-Movie nicht ins Pathetische abgleiten zu lassen. Dabei hilft zum Beispiel, dass jedes Mitglied der Gruppe eine geheime Aufgabe während der Reise erfüllen muss. Als Jürgen Vogel alias Michael dann im paillettenbestickten Minikleid und mit Perücke seinen großen Auftritt in einer Dorfdisko hat – Seine Aufgabe: Sich einmal fühlen wie eine Frau – lässt die aufkommende unbeschwerte Stimmung erahnen, was die Freundschaft der Radler ausmacht.  

Dieses Road-Movie voller Lebensfreude und Traurigkeit bewegt, auch wenn einige Ansichten zu Diskussionen herausfordern. Etwa wenn Hannes im Hinblick auf seinen Sterbewunsch sagt: „Wann soll ich es denn sonst tun? Wenn ich im Rollstuhl sitze?“ Für ihn erscheint seine Souveränität als höchstes Gut. Es wird deutlich, dass Hannes vor allem die Angst vor einem qualvollen Tod nach Belgien treibt.  Die Gruppe pendelt zwischen Ausgelassenheit und ihrer Ohnmacht, dem nahenden Tod etwas entgegenzusetzen.

Obwohl dieser Film dazu anregt, sich mit dem Thema Sterbehilfe auseinanderzusetzen, geht es nur in zweiter Linie um dieses Thema. Im Vordergrund steht die Freundschaft der Protagonisten und ihre Art und Weise, im Angesicht des Todes das Leben zu feiern.

 

Kinostart: 23. Oktober 2014

Länge: 95 Minuten

Produktion: Majestic Filmproduktion

Regie: Christian Zübert

Produktion: Florian Gallenberger und Benjamin Herrmann

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

Humor  
Romantik      
Spannung    
Spiritueller Tiefgang U-Boot        
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