21.08.2013

Kommentar

Hören und dienen

Von Ulrich Waschki

Das Sommerloch neigt sich dem Ende entgegen, spätestens ab September nehmen kirchliches, politisches und gesellschaftliches Leben wieder Fahrt auf. Dann geht auch der Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland in die nächste Runde. Zum dritten Mal treffen sich rund 300 Delegierte aus Bistümern, Verbänden, Orden, um über den Weg der Kirche in die Zukunft zu sprechen. Nach Mannheim und Hannover ist diesmal Stuttgart der Tagungsort. Inhaltlich ging es bisher um eine eher allgemeine Standortbestimmung und um die gelebte Nächstenliebe, die Caritas. Nun wollen sich Bischöfe und Delegierte der Liturgie zuwenden.

Die kirchliche Großwetterlage hat sich seit dem Start des Prozesses grundlegend geändert. 2010, als Erzbischof Robert Zollitsch den Prozess ins Leben rief, stand die Kirche durch die Missbrauchskrise mit dem Rücken zur Wand. Mit einem „Plädoyer für eine pilgernde, hörende und dienende Kirche“ hatte Zollitsch damals seinen Amtsbrüdern in der Bischofskonferenz seine Vision der kirchlichen Zukunft geschildert. Nun bekommt diese Vision kräftigen Rückenwind aus Rom: die Stichworte, die Zollitsch damals für die Überschrift seines Referates wählte, hätten auch von Papst Franziskus stammen können. Er würde aber sicher noch ein weiteres wählen: Die demütige Kirche. In all diesen Stichworten geht es darum, wie sich die Kirche den Menschen von heute zuwendet, wie sie auf sie zugeht, ihre Sorgen, Nöte und Probleme hört und aufnimmt. Eben: dienend, hörend, demütig. Nicht herrschend und belehrend. 

Rückenwind aus Rom, gute Gespräche und gewachsenes Vertrauen zwischen den Beteiligten des Dialogprozesses sind gute Voraussetzungen für das Stuttgarter Treffen. Doch Vorsicht: Sich darauf auszuruhen, ist gefährlich. Erinnern wir uns nur einmal an die Wochen vor dem Rücktritt von Papst Benedikt. Wieder einmal war die Kirche in Deutschland in einer heftigen Krise. Große Teile der Bevölkerung vertrauen der Kirche nicht, erwarten nichts mehr von ihr. Die Kirche ist immer noch auf Bewährung. Die positive Grundstimmung durch Papst Franziskus kann auf Dauer nicht alle Probleme verdecken. 

ZdK-Präsident Alois Glück hat recht, wenn er darauf verweist, dass die Gespräche auch Ergebnisse bringen müssen. Erst, wenn wir uns als Kirche in Deutschland auch durch sichtbare Schritte auf den Weg zu einer dienenden, demütigen und pilgernden Kirche machen, gewinnen wir wieder Glaubwürdigkeit und können andere Menschen für unsere frohe Botschaft begeistern.