18.07.2014

Im Kino startet die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“

Hübsch und harmlos

Nach „Willkommen bei den Sch’tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ soll erneut eine französische Komödie zum Kinohit des Sommers werden: „Monsieur Claude und seine Töchter“. Ein amüsanter Film, leider ziemlich harmlos. Gesehen von Hubertus Büker.

 

 

„Ich sehe da jemanden, der nicht lächelt“, beschwert sich der Fotograf, der die Hochzeitsgesellschaft ablichtet. Nun, bei diesem Jemand handelt es sich ausgerechnet um den Brautvater, der dann mit Mühe ein säuerliches Grinsen zustande kriegt.

Claude Verneuil ist Anfang 60, Anwalt, wohlhabend, ein recht typischer Franzose: patriotisch, katholisch, konservativ. Seine Frau Marie und er haben vier bildhübsche erwachsene Töchter. Drei sind bereits verheiratet – mit kurzen Szenen von den drei Hochzeitsfeiern beginnt der Film – und die ersten Enkel sind auch schon da. Mit ihren Schwiegersöhnen allerdings sind Claude und Marie („Was haben wir dem lieben Gott nur getan?“) nicht wirklich glücklich: Sie stammen aus China, Algerien und Israel.

Sicher, heutzutage ist man tolerant. So ganz allgemein jedenfalls. Aber bei den eigenen Kindern … Besonders enttäuscht sind die Verneuils, dass es wegen der Religionszugehörigkeit der Schwiegersöhne bisher zu keiner einzigen „richtigen“ kirchlichen Hochzeit gekommen ist. Als letzte Hoffnung bleibt somit nur noch Laure, die Jüngste.

Und welch ein Glück: Laure teilt ihren Eltern eines Tages mit, dass sie einen Katholiken ehelichen will. Charles heißt der Gute. Claude und Marie sind sturzbegeistert. Bis sie Charles zum ersten Mal begegnen. Laure hat den Eltern eine unbedeutende Kleinigkeit verschwiegen: Charles ist schwarz. Sein Heimatland: Elfenbeinküste, Afrika.

„Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“

Der offizielle Trailer dieser Multikulti-Komödie beginnt mit der Einblendung „Ziemlich stolze Eltern“ (eine frühere Version gar mit „Ziemlich beste Familie“). Unzweideutig verheißt man dem Publikum damit einen ähnlich attraktiven Film wie „Ziemlich beste Freunde“, der in Deutschland neun Millionen Kinobesucher anlockte. Den Vergleich freilich besteht „Monsieur Claude“ nicht.

Ja, es gibt eine Menge witziger Szenen und Dialoge. Skurril, wie Claude nach der Beschneidung seines Enkels an der ehrenvollen Aufgabe scheitert, das Stückchen Vorhaut im Garten seines Landhauses beizusetzen. Lustig, wie die drei Schwiegersöhne einen Schneemann bauen: mit Schlitzaugen, Kippa und Schnurrbart.

Aber „Monsieur Claude“ ist bei weitem nicht so rotzfrech wie die „Freunde“. Charles’ Vater sagt einmal: „Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“ Stimmt; selbstredend blicken nicht nur so manche Franzosen auf Afrikaner herab – natürlich pflegen etwa auch muslimische Algerier und jüdische Israelis ihre gegenseitige Abneigung. Nur: „Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“ – das klingt sehr nach: Je nun, ist eben so, darf man nicht dramatisieren, halb so wild.

Selbstverständlich besitzt eine Komödie ein Happyend. „Monsieur Claude“ jedoch gipfelt in einem totalen Friede-Freude- Eierkuchen-Schluss. Man watet in Harmoniesoße. Ja, der Film ist lustig, vergnüglich, unterhaltsam. Ein sympathischer Sommerspaß. Wäre er bissiger, wäre er ziemlich gut.

Monsieur Claude und seine Töchter.
Frankreich 2014.
Regie: Philippe de Chauveron.
Mit Christian Clavier (Claude), Chantal Lauby (Marie).
97 Minuten. Kinostart: 24. Juli

 

Schnell-Check (maximal 5 Punkte)

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