31.10.2014

Im Labyrinth des Schweigens

„Sagt Ihnen Auschwitz etwas?“ Kopfschütteln, Achselzucken. Die Vergangenheit wird weggeschüttelt. 1958 dominieren in Deutschland Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Nach vorne gucken ist die Devise, über den Krieg wird geschwiegen. Bis der Frankfurter Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) und der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) an der schweigenden Front rütteln. „Im Labyrinth des Schweigens“ suchen sie die vertuschte Wahrheit und bringen einen Prozess ins Rollen. Gesehen von Marie Eickhoff.

 

 

Er ist der Neue. Am Beginn seiner Karriere bearbeitet Staatsanwalt Johann Radmann in Frankfurt Verkehrsdelikte. Da stürmt Journalist Thomas Gnielka von der Frankfurter Rundschau gerade zur rechten Zeit ins Gerichtsgebäude. Er berichtet von einem Nazi, der wenige Jahre nach Kriegsende als Lehrer arbeitet. Der junge Johann Radmann wird neugierig und recherchiert ohne Erlaubnis los. Allein Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) unterstützt seine Suche und macht ihn zum Leiter der Ermittlungen, als die ersten Beweise auftauchen.

Radmann durchwühlt die Vergangenheit, deckt auf, was niemand hören will. „Ich will, dass diese Lügen und dieses Schweigen endlich aufhören.“ Dabei arbeitet der junge Jurist gegen ein starres Lügennetz und die Beziehung zu seiner Freundin Marlene Wondrak (Friederike Brecht) leidet. Denn Stück für Stück entdeckt er eine Welt, in der jeder verdächtig wird. Radmann sucht die Wahrheit – bedingungslos.

Regisseur Giulio Ricciarelli hat die Vorgeschichte der Ausschwitz-Prozesse verfilmt. Von 1963 bis 1965 führten drei Staatsanwälte den ersten Prozess. Die Figuren sind im Film in der Rolle des ehrgeizigen Radmanns zusammengefasst. Der Journalist Gnielka und Fritz Bauer sind reale Figuren. Bauer holte die Prozesse als hessischer Generalstaatsanwalt nach Frankfurt. Damals wollte Bundeskanzler Adenauer einen „Schlussstrich“ unter die Kriegserinnerungen ziehen. Das haben die Prozesse verhindert. Sie haben die Kriegswunden aufgerissen. Nur dadurch konnte der Krieg in Deutschland juristisch und emotional aufgearbeitet werden.

Der Film ist keine Dokumentation dieser Entwicklung, sondern erzählt eine emotionale Geschichte zwischen Rock’n’Roll und Kriegstrauma. Vor der Kulisse des Frankfurter Römer beeindruckt Alexander Fehling in der Hauptrolle des jungen Staatsanwalts. Die zentrale Rolle von Fritz Bauer ist mit Gert Voss überzeugend besetzt. Dem verstorbenen Schauspieler ist der Film gewidmet.

Trotz des historischen Stoffs fehlt es nicht an Tempo und Humor. So bleibt die Geschichte packend, obwohl ihr Ende heute bekannt ist. Die Produzenten wollen mit der Verfilmung nicht über vergangene Generationen richten. „Die einzige Antwort auf Auschwitz ist, jetzt das Richtige zu tun“, sagt Radmann im Film. „Im Labyrinth des Schweigens“ könnte die Generationen neu zum Reden bringen – über Vergangenes und Vergessenes.

 

„Im Labyrinth des Schweigens“, Drama

von Universal Pictures International Germany

FSK 12, Laufzeit 123 Minuten

Kinostart: 6. November 2014

 

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