13.06.2012

Im Sommer wächst die Sehnsucht nach dem Wasser

Im Meer der Ruhe

Vom Mönch am Meer bis „Schiffsverkehr“ – das Meer zieht Maler, Dichter und Sänger unwiderstehlich an. Ozeane verheißen Abenteuer, aber auch die Erkenntnis der Weite Gottes. Von Ruth Lehnen.

Das Meer
Das Meer, hier auf Sylt: Unendliche Weite, unendliche Tiefe. Foto: Renate Fahn

„Wenn du beten lernen willst, so gehe an die Ufer des Meeres.“ Diese spanische Weisheit hat Richard Reschika in seinem Buch „Meer, du berührst meine Seele“ (Gütersloher Verlagshaus, 14,99 Euro) zitiert. Dem Geheimnis des Meeres nähert er sich in seinem „maritimen Lesebuch“ auf den Wegen der Philosophen, der Dichterinnen, Maler, Musiker und Mystiker – das Meer, so glatt und ruhig es manchmal erscheinen mag, ist von unendlicher Tiefe.

Und auch die Bilder, die das Meer im Gedächtnis eines jeden aufruft – dafür muss er nicht am Meer gewesen sein – sind vielfältig und bedeutungsschwanger: die Schiffe, die kommen werden, der Hafen als sicherer Ort, harte Männer, Seemannsbräute, „reif für die Insel“, „Spuren im Sand“, Schiffbruch erleiden, das versteht jeder. Kein Wunder, dass Herbert Grönemeyer mit „Schiffsverkehr“ Furore macht. Wie die Motive von Wind und Wellen, Sehnsucht nach Heimat und Freiheit der Meere populär von sich reden machten und in Liedern „hinaus in die Welt“ gingen, das beschreibt sehr schön und sehr unterhaltsam Rainer Moritz in seinem Buch „Und das Meer singt sein Lied“ über den Schlager und das Meer (Mare, 18 Euro). Darin wird am Ende Erich Frieds Gedicht „Meer“ zitiert: „Wenn man ans Meer kommt / soll man zu schweigen beginnen“.

Warum? Weil das weite Meer ein Bild für Gott selbst sein kann, der nie ganz zu verstehen, nie auszuschöpfen ist. Richard Reschika erzählt in seinem Buch die Geschichte vom Kirchenvater Aurelius Augustinus (354 bis 430), der bei einem Spaziergang am Meer einen Jungen getroffen hatte, der mit einer Muschel in der Hand das Meer ausschöpfen wollte. Als er den Jungen darauf hinwies, wie unmöglich sein Vorhaben sei, bekam er zur Antwort: „Und du versuchst, mit deinem kleinen Geist die Größe Gottes zu fassen?“

Der Mensch als kleiner Tropfen im göttlich großen Meer, oder der fromme Mensch als „Schwimmer in der Gottheit“ – so schöne Bilder hat Reschika in seiner „niveauvoll anderen Urlaubslektüre“ zu bieten.
Texte zum Innehalten und Entspannen bietet das Taschenbuch „Im Meer der Ruhe“ (Insel, 8 Euro). Ob man von literarischen Meditationen sprechen kann, sei dahingestellt, aber es finden sich hier ruhige, zarte literarische Stücke, bis hin zum Gang an „Das Grab meiner Mutter“ von Robert Walser. Ganz grün ist es hier, nicht blau, aber die Erfahrung ist tief und still, wie am Meer.

Die Kirchenzeitung verlost das Buch von Richard Reschika.
Bitte rufen Sie am Montag, 18. Juni, von 10 bis 10.15 Uhr an. Telefon: 06131/ 2875535

 

Zur Sache: Meer Bücher

„Es ist dein Spiegel, das Meer, du kannst dich beschauen“: So dichtete Charles Baudelaire. Gedichte, Geschichten und Lieder vom Meer in Auswahl.

Ans MeerGedichte in einem kleinen
Geschenkband mit maritimen Fotos:
„Ans Meer“,
Thorbecke, 8,90 Euro.

 

 

 

 

Übers Meer in die FerneGeschichten von Adelbert von Chamisso
bis Marieluise Kaschnitz:
„Übers Meer in die Ferne.
Ein Lesebuch,“
dtv, 9,90 Euro.

 

 

Damals, am MeerVater, Großvater,
Sohn auf einer Reise,
bei der auch die Religion
zur Sprache kommt.
Marco Balzano:
„Damals am Meer“,
Kunstmann, 17,90 Euro.

 

Buchcover Schlager über das Meer„Wenn auf Capri...“ –
Schlager von See.
Inseln und Schiffahrt in einem
Schlager von einem Buch –
Rainer Moritz:
„Und das Meer singt sein Lied“, Mare, 18 Euro.

 

 

 

Zitiert: Gegenwart des Unendlichen

„Ich bin mit dem Meer aufgewachsen... Seitdem ist mir das Meer wie der selbstverständliche Hintergrund des Lebens überhaupt. Das Meer ist die anschauliche Gegenwart des Unendlichen... Das Meer ist Gleichnis von Freiheit und Transzendenz. Es ist wie eine leibhaftige Offenbarung aus dem Grund der Dinge. Die Philosophie wird ergriffen von der Forderung, es aushalten zu können, dass nirgends der feste Boden ist, aber gerade dadurch der Grund der Dinge spricht.“

Karl Jaspers in „Schicksal und Wille“, hier zitiert nach Richard Reschika: „Meer, du berührst meine Seele. Ein maritimes Lesebuch, Gütersloher Verlagshaus, Seite 46