12.04.2016

Glaubensimpulse auf allen digitalen Kanäle. Von Facebook über Twitter bis WhatsApp

Ins Soziale Netz genagelt

Martin Luther hat seine Thesen vor rund 500 Jahren noch auf Flugblättern verteilt und an Kirchentüren genagelt. Seine evangelikalen Ururenkel gehen da längst andere, digitale Wege und setzen bei der Verbreitung des Evangeliums auf das Internet. Vor allem die sogenannten Sozialen Netze - von YouTube über Twitter und Facebook bis hin zu Whatsapp – wissen die Macher der „Glaubensimpulse“ überaus geschickt zu nutzen.

Glaubensimpulse auf Twitter

Nein, bescheiden sind sie nicht unbedingt. Auf ihrer Internetseite wirbt die österreichische Initiative „Impuls Mission“ offensiv damit, „die größte christliche Initiative in den deutschsprachigen sozialen Netzwerken“ zu sein. Tatsächlich hat sich die ökumenische, mehrheitlich aber doch recht evangelikale Gemeinschaft rund um ihren Gründer Sven Kühne seit 2013 ein nicht unerhebliches digitales Netzwerk aufgebaut. Aber ob sie damit wirklich die "größten“ sind, dazu später etwas mehr…

Bekehrung mit dem Holzhammer oder glaubhafte Missionsarbeit?

Auffallend ist zunächst einmal eines: Vor allem in den angesagten Sozialen Netzen sind die begeisterten Christen (anders als unser manchmal doch etwas träges, katholisches Mutterschiff) überaus präsent und verbreiten ihre Losungen unter anderem über YouTube, Facebook, Twitter und Instagram, nur um mal ein paar Beispiele zu nennen... Seit 2014 betreibt die „Impuls Mission“ mit Glauben.at zudem ein optisch gut gemachtes Online-Portal. Auch die Domain Jesus.at haben sich die Österreicher inzwischen gesichert. Das Ganze dient dem Ziel „der Bewusstseinsbildung und der Begeisterung von Menschen für ein lebendiges Christsein“, wie es auf der Internetseite heißt.

Der Franziskaner Rene Dorer auf YouTube kurz vorm Bungee-Sprung... (Screenshot YouTube)

Besonders sehenswert (und zum Teil auch etwas skurril) waren für mich dabei die Videos der „Glaubensimpulse“ auf YouTube, in denen sich der Franziskaner Pater Bruder Rene Dorer mal von einer unglaublichen hohen Brücke am Bungee-Seil in die Tiefe wirft, oder im Sauseschritt über ein paar Alpengipfel kraxelt, um uns allen so begreiflich zu machen, wie unendlich groß Gottes Schöpfung ist, oder wie stark das Seil des Glauben ist: „Jesus ist das Bungee-Seil meines Lebens“, sagt Bruder Rene.

1400 Follower auf Twitter: Jeder Fußballprofi hat mehr...

Man mag über die oft etwas doch sehr mit dem „Holzhammer" der Bekehrung daherkommenden Videos und Cartoons denken, was man will. Hochprofessionell gestaltet und aufwendig gefertigt sind sie allemal. Gleichwohl haben die Glaubensimpulse nicht annähernd den Erfolg, bzw. die digitale Reichweite, mit der ihre Macher gerne werben. Auf Twitter etwa kommen die Glaubensimpulse auf gerade mal 1400 Follower. Zum Vergleich: ein gewöhnlicher Fußballprofi wie der Berliner Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann kommt bei dem Kurznachrichtendienst bereits auf rund 50 Tausend Fans. Stars wie Manuel Neuer oder Mario Götze haben dort sogar weit mehr als drei Millionen Follower…

Auch bei YouTube ist von der angeblich riesigen christlichen Gemeinde nicht allzu viel zu sehen. Die meisten Filme kommen hier gerade mal auf ein paar hundert Klicks. Auch die Zahl der Facebook-Likes (rund 145.000) hauen Kenner kaum aus den Socken. Allein die Pop-Sängerin Rihanna „gefällt“ 81 Millionen Menschen. Sogar das (englische) Radio Vatican kommt bei Facebook noch auf etwas mehr als 1,1 Millionen Fans.

Und noch eines lässt sich über die Initiative Glaubensimpulse ganz sicher sagen: Das Ganze ist weniger Mission als vielmehr etwas für Menschen, die schon überzeugt sind. Ein Mensch, der nichts mit dem Glauben zu tun hat, wird den täglichen Bibelsprüchen auf seinem Handy wohl kaum viel abgewinnen können. Im Gegenteil. Viele Losungen kommen (so ganz aus ihrem biblischen Zusammenhang gerissen) doch etwas belehrend rüber. Und für überzeugte Katholiken sind die Tagesimpulse vielleicht doch etwas kurz. Sie sollten lieber zur Stundenbuch-App greifen, die der Katholische Presseverbund herausgibt, und die wir hier bereits an anderer Stelle besprochen haben….

Ihr Webreporter Andreas Kaiser