21.01.2014

Becher bloggt

Jerusalem hautnah

Johannes Becher
Blogger Johannes Becher  Foto: privat

Johannes Becher, Redaktionsleiter von kirchenzeitung.de, war „dann mal weg“. In Jerusalem. Für drei Monate. Als Volontär im Kloster der Benediktiner der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion erfüllte er sich einen Traum: die schönste Stadt der Welt einmal nicht nur aus der Sicht eines pilgernden Touristen zu erleben. Sondern ein bisschen mitzuleben – mit den Mönchen der Abtei und mit den Menschen in der Stadt. Einblicke in das Leben in „der einen Heiligen“, in Al Quds oder Jeruschalajim gibt es im Blog auf dieser Seite. Zions-Geflüster sozusagen. Manchmal auch etwas lauter.

 

Ronie Keidar
Ronie Keidar (links)

21. Januar 2014

Abschied

Drei Monate sind vorbei. Gegangen wie im Flug. Doch die Zeit war lang genug, um die flüchtige Liebe zu dieser Stadt tief festzumachen im Herzen und sie war lang genug, um zwei Länder – Israel und Palästina – und so einige Menschen dort besser kennenzulernen. Touristisch und alltäglich. Ein Geschenk mitten im Leben. Gott sei Dank! Bevor der Blog aus Jerusalem zunächst mal zu Ende geht („unterbrochen wird“ klingt viel sympathischer) werden noch zwei Menschen vorgestellt, die beide auf ihre besondere Weise Friedensarbeiter sind: Roni Keidar und Burkhard Schunkert.

 

Path to Peace

Path to PeaceDer Pfad zum Frieden, „Path to Peace“, ist bunt auf grau. Sein Bild wird festgehalten auf der Schutzmauer zwischen Israel und dem Gaza-Streifen. Kleine Keramiktafeln – Schmetterlinge, die Mauern überfliegen; Spruchstücke, die Hoffnung machen – sind an die Mauer geklebt. Touristen aus aller Welt haben die Hoffnungszeichen hierher gebracht.

Bekommen haben sie diese im Haus von Ronie Keidar. Die Israelin lebt in Netive Ha'sara, einer streng bewachten und gut gesicherten Siedlung direkt am Gaza-Streifen. So nah, dass die Raketen der Hamas das Dorf erreichen können. In der Vergangenheit hat es hier immer wieder Tote und Verletzte gegeben. Auch die beste Freundin einer ihrer Töchter ist so gestorben. Trotzdem ist Ronie überzeugt: Es gibt keine Alternative zum friedlichen Miteinander von Israelis und Palästinensern. Und so lädt sie Reisegruppen in ihr Wohnzimmer ein, erzählt ihr Leben und von ihrem Ringen um Frieden.

SchmetterlingSie ist nicht allein. In ihrer Organisation „Other voice“ – die andere Stimme – suchen sie nach Wegen – Pfaden – zum Frieden. Sie wollen Brücken bauen zwischen Israelis und Palästinensern. Und weil es nicht geht, mit einer Reisegruppe einfach so die halbe Stunde hinüber nach Gaza-Stadt zu fahren, ruft sie mal eben ihren Freund Ayman an. Der lebt dort und gibt Auskunft über das Leben dort. Miteinander sprechen. Ein Pfad.

www.tsameret.net

www.othervoice.org

 

Lifegate

Lifegate von außenDie Zahl von Menschen mit einer Behinderung ist in Palästina größer als an anderen Orten. Ein Grund sind die Ehen zwischen Cousinen und Cousins in arabischen Familien. Die betroffenen Menschen (und besonders auch ihre Mütter) haben es schwer in der Gesellschaft. In „Lifegate“ – dem „Tor zum Leben“ – wird einigen von ihnen in Betlehem und Umgebung ein Weg zurück in die Gesellschaft geebnet. Sie erfahren Respekt, können zuweilen sogar für den eigenen Lebensunterhalt sorgen. Gesundheitliche Rehabilitation, handwerkliche Fertigkeiten… auf vielfache Weise werden die behinderten Menschen bei „Lifegate“ gefördert.

Burkhard Schunkert
Burkhard Schunkert

Je früher, desto besser. Schon im Kleinkind-Alter. Kopf, Herz, Motor der Einrichtung ist der deutsche Theologe Burkhard Schunkert. Nach vielen Jahren in einer angemieteten Halle hat er im vergangenen Jahr einen Lebenstraum verwirklichen können: „Lifegate“ ist in einen großen und modernen Neubau umgezogen. Weitere Etagen können aufgestockt werden. Schunkert hat noch viele Visionen, wie er und seine Mitarbeiterinnen den behinderten Menschen im Westjordanland dabei helfen können, von ihren Familien und Nachbarn mehr wertgeschätzt zu werden.

„Lifegate“ lebt von Spenden. Und vom Verkauf selbstgefertigter Produkte aus den Werkstätten. Gerade der Renner: Wunderbar bestickte Schutzhüllen für das neue „Gotteslob“. Auch in Deutschland zu bestellen.

www.lifegate-reha.de

 

Dieses Jahr in Jerusalem

Wenn Juden miteinander Pessach feiern – das große Fest, mit dem sie sich an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten erinnern –, dann beenden sie die Feier mit einem Wunsch: „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Man will sich wiedersehen. Ganz sicher. Spätestens zum Fest. Bis heute ist es schwer, die heilige Stadt Jerusalem zu verlassen, ohne schon zu wissen, wann man wiederkommen darf. Deshalb steht der Plan: Über Ostern geht es wieder hin. Deshalb kann ich zum Abschied schreiben: „Dieses Jahr in Jerusalem.“ – Auf Wiedersehen. Lehitraot und Ma’a salama.

 

 

Samstag, 18. Januar 2014

Erinnerung an meine Stammkneipe

Versavee LogoSie liegt ein wenig versteckt im Innenhof, meine Lieblingskneipe in der Stadt. Direkt am Lateinischen Patriarchat, nebenan christliche Devotionalienläden, die gregorianische Musik auf den Gehsteig tönen lassen – auch am Shabbat. Direkt am Jaffa-Tor. Damit auch der ein oder andere Tourist seinen Weg hierher findet, steht der Chef persönlich am Portal zum Hof. Und er lockt und wirbt und lädt ein. Er ist in vielen Sprachen zu Hause, wenn es um seine gastronomischen Angebote geht. Das „Versavee“. Es ist Café, Bistro, Restaurant. Und der arabische Kaffee mit Kardamom ist einfach lecker. Und auch der Raki, der wahre Anisschnaps, dessen Imitate die Griechen Ouzo und die Franzosen Pastis nennen...

 

Mittwoch, 8. Januar 2014

Schweigen. Manchmal ist es einfach still. Trotz großer Feste und Gottesdienste. Aber es fehlen die Worte. Die eigenen. Nix sagen können, nur spüren. Hören. „Die Seele tobt“ heißt es im Psalm. Und „Herr, stelle vor meinen Mund eine Wache.“ Erst ganz allmählich wieder ins Stammeln kommen. Worte suchen. Zusammenhänge sehen. Und Rückschau halten. Auf den Alltag. Ein wenig davon nun auch hier im Blog:

 

In der Heiligen Nacht nach Betlehem

Rolle liegt in der Kirche der DormitioMehr als 37 000 Namen haben ihren Platz gefunden auf der Papierrolle, die abwechselnd von den Pilgern in dieser Nacht nach Betlehem getragen wird. Mehr als 100 Mönche, Volontäre, Studierende und Pilger sind zu Fuß unterwegs. Knapp zwei Stunden dauert der Gang durch die Nacht. Begonnen hat er schon viel früher – und er dauert an bis lange nach der Rückfahrt. Gerade in den Tagen vor Weihnachten sind noch Tausende Namen genannt worden für die Aktion der Dormitio-Abtei: „Ich trage deinen Namen in der Heiligen Nacht nach Betlehem“.

Und wen Gott kennt und beim Namen nennt, der ist persönlich gemeint. Ganz. Auf der Rolle zu stehen, das ist fast so, wie selbst mitzugehen. Und so sind mit den Pilgern viele sehr persönliche Anliegen mit unterwegs – in Krankheit und Leid, in Freude und Dankbarkeit. Die alle legt Abt Gregory am frühen Morgen symbolisch auf den Stern in der Geburtsgrotte. Der heruntergekommene Gott wird sich darum kümmern. Und die Anliegen der Menschen bleiben das ganze Jahr über im Gebet der Mönche präsent.

 

Erinnern an Vater Hieronymus

In Betlehem wollen alle Christen in die Grotte mit dem Stern. Hier wird an die Geburt Jesu erinnert. Verehrung im Sekundentakt. Anbeten im Vorübergehen. Zum Stehenbleiben bleibt hier keine Gelegenheit: der mönchische Wächter ist da ordnungsliebend gnadenlos. Mehr Zeit – ein wenig – bleibt im unterirdischen Höhlensystem neben der Geburtskirche. Laudes. Morgenlob.

Stein mit Inschrift HieronymusUnd ein Erinnern an Hieronymus, den Kirchenvater. Hier, in Betlehem hat er Ende des vierten Jahrhunderts gelebt. Mit seinen römischen Gefährtinnen, darunter die Jungfrau Euctochium. Er gründete einige „Klöster“ – wer die Höhlen hier sieht, weiß, dass das Bild moderner Monasterien sicher in die falsche Richtung leitet. Hier hat Hieronymus das Alte Testament ins Lateinische übersetzt. Die „Vulgata“. Lange Zeit war das die maßgebliche Bibelübersetzung. Der Kirchenvater konnte sicher Hebräisch, ob er allerdings, wie er selbst versichert, seinen lateinischen Text nach dem Hebräischen verfasste, oder – wie viele Sprachexperten meinen, nach der griechischen „Septuaginta“...

Und weil die Legende sagt, der gute Mann habe einem Löwen einen Dorn aus der Pranke gezogen, findet sich heute kaum ein Bild des Gelehrten ohne Raubkatze an seiner Seite.

 

Altes und Neues

Die Zeit „zwischen den Jahren“, nirgendwo kann sie so sinnend und Gott preisend begangen werden wie in einem Kloster. Texte und Takt des Stundengebets lassen den Jahresendpunkt so herrlich undramatisch näherrücken. Zuversicht. Auch, wenn unklar ist, was das neue Jahr bringen wird, es wird um Mitternacht mit dem „Te Deum“ begrüßt: „Alle Tage singen wir Lob dir. Und preisen deinen Namen in Ewigkeit und für ewige Zeiten… Sei uns barmherzig, o Herr, sei uns barmherzig. Lass dein Erbarmen über uns walten, wie wir von dir es erhoffen…“ Erst danach gibt es Sekt!

 

Chagalls Gelb

Josef-Fenster Ruben, Simeon, Levi, Juda, Dan, Naftali, Gad, Ascher, Issachar, Zebulon, Josef und Benjamin. Die zwölf Söhne Jakobs. Meine Oma hat mir ihre Namen ans Herz gelegt. Jetzt sind sie wieder sehr präsent. Begegnen hier im Heiligen Land auf Schritt und Tritt. Zum Beispiel in der Hadassah-Klinik. Die zwölf Fenster der Krankenhaus-Synagoge hat Marc Chagall Anfang der 1960-er Jahre gestaltet. Seine ersten Arbeiten mit Glas. Für einen Mainzer eine besondere Begegnung – weil Chagall dort zum ersten Mal Fenster für eine katholische Kirche – in St. Stephan – entworfen hat.

Hier, am äußersten Stadtrand von Jerusalem, ist die Synagoge mitten in der modernen Uni-Klinik ein Ruheort. Und jedes der Chagall-Fenster lohnte einen erneuten Besuch. Und wer bislang vor allem das Chagall-Blau (aus Mainz) kennt, dem geht nun ein neues Licht auf – im Gelb des Josefs-Fenster.

 

„No exit“

Zwischen der Hadassa-Klinik und dem Dorf En Kerem („Quelle des Weinbergs“; nach der Tradition der Geburtsort Johannes des Täufers) liegt ein russisch-orthodoxes Kloster. Der kürzeste Weg zwischen Krankenhaus und Dorf führt über das Klostergelände. Ein riesiger Garten mit Goldkuppelkirche und vielen Mönchshäuschen.

Ein Klingeln und das grüne Tor öffnet sich. Wie einladend. Am Rande des Geländes steht die orthodoxe Täufer-Kirche. Dann – kurz vor dem Ziel – Verständigungsprobleme. Ein Gartenarbeiter – Marke Depardieu – gestützt auf seinen Dreizack sendet mit Bassstimme ein „No exit“ entgegen. Warum weisen dann Hinweisschilder im Garten des Klosters den Weg zur Kirche?

Warum ging das grüne Tor nach dem Klingeln so einladend auf? Warum nützt mein Hinweis auf den Heiligen Geist und auf die Geschwisterlichkeit unter allen Christen hier nichts? Begleitet von einem jungen Mönch, der offensichtlich auch erschrocken ist ob des barschen Nein... führt der Weg zurück. Durch das grüne Tor. Es öffnet sich wieder sofort. Wie ausladend. Danke.

 

Dienstag, 24. Dezember 2013

Schweigen und hören

So manche fragen, ob ich denn überhaupt wisse, wo ich hier sei. In welchem Land. Da gebe es doch nicht nur die rührseligen Geschichten und netten Seitenblicke – wie in den bisherigen Einträgen im Blog. Da müsse man doch... politisch sein, Partei ergreifen. Eines vorweg: muss Mann nicht. Hier kommen Menschen von überall her – nicht selten aus Deutschland – und wissen genau, was zu tun wäre, damit es Frieden wird in der Region. „Wir kennen das. Wir hatten auch eine Mauer…“ Si tacuisses. Vielleicht ist manchmal besser, zu schweigen und zu hören, was Menschen erzählen, die hier leben.

 

Fair reisen

Es gibt viele Erfahrungen, Wahrnehmungen, Blickwinkel, Sichtweisen. „Narrative“ – so war es, so ist es... Menschen erzählen – aus ihrer Sicht. Zum Beispiel auf dieser besonderen Reise in die palästinensischen Städten im Westjordanland, durch die judäische Wüste, ans Mittelmeer, in israelische Dörfer am Gaza-Streifen… Reiseveranstalter und Journalisten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz… Eingeladen zur Reise haben zwei Partner: ein israelisch-palästinensisches Joint-Venture. Es geht darum, die verschiedenen Wirklichkeiten hier wahrzunehmen, Geschichten zu hören – von Wasser (und keinem Wasser), von biblischen Verheißungen, von Ängsten und Hoffnungen, von Besatzung und dem Wunsch nach „Normalität“.

 

Die Macher

Georg und Burkhard. Beide sind evangelische Theologen. Beide kommen aus Deutschland und leben schon viele Jahre in Israel. Kennengelernt haben sie sich hier im Land – bei einem Ausbildungskurs für künftige Reiseleiter. Und dann haben sie zusammen Brot gebacken. Ein, wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, nur gestarteter Versuch, der scheitern musste. Weil er nur die Generalprobe war für diese neue Zusammenarbeit.

Bus von Fair reisenJedenfalls: Georg Rößler ist inzwischen einer der Chefs bei „SK - Tours in Nature“, einem Reiseveranstalter in Jerusalem (der auch als einheimischer Partner die Leserreisen der Kirchenzeitung organisiert). Burkhard Schunkert leitet „Lifegate“, eine Einrichtung in Betlehem, die behinderten Menschen eine Rehabilitation in ihrer heimischen Umgebung ermöglicht. Beide haben „Fair Travel“ gegründet. Um „beiden Völkern – Israelis und Palästinensern – die Gelegenheit zu geben, ihr Land vorzustellen“. Es geht sozusagen auf den Spuren der Zukunft ins Jetzt. Und dort gelingt es, dass israelische und palästinensische Partner kooperieren. „Die Kraft des kleinen Anfangs“ – auch eines gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolgs vielleicht. Weil der neben gemeinsamem Tun und gemeinsamen Visionen zu den „Dividends of Peace“ gehört.

Die Zukunft im Jetzt

Georg Rößler
Georg Rößler

Bis es zum Miteinander von gleichberechtigten Partnern in beiden Teilen des Heiligen Landes kommt, wird noch viel Zeit vergehen. Doch die Visionen sind da. Und die Bereitschaft zum Experiment. „Normalität“, sagt Georg Rößler. „kann es nur zwischen Gleichen geben.“ Und das ist in Zeiten der Besatzung nicht möglich. Doch bei dieser Reise geht es nicht darum, den Konflikt zwischen israelischen Besatzern und besatzten Palästinensern zum Leitthema zu machen. Natürlich kommt er immer wieder vor. Doch die Reisenden sollen sich nicht für eine Seite entscheiden müssen, sie werden Sichtweisen wahrnehmen und „Narrative“ hören...

Übrigens: Georg ist ein wunderbarer Erzähler. Mit ihm durch die Altstadt von Tel Aviv-Jaffo zu gehen, dabei aus seinem Mund die Jona-Geschichte zu hören (Jona erhält im Traum den Auftrag, in Paris auf den Montmartre zu gehen und den Franzosen zu sagen: Esst nie wieder Baguette“…) und so ganz nebenbei zu erfahren, warum hier – im biblischen Jaffa – das Judentum sein Gottesbild... und das Christentum seinen Weg zur Religion auch für Nicht-Juden nahm...

Erste Informationen: www.sktours.net www.lifegate-reha.de

 

„Urlaub“ in besetzten Gebieten

Urlaub machen zwischen Siedlern, Soldaten und Sorgenden, geht das? Entspannen, wenn andere angespannt auf einen Passierschein für die streng bewachte Grenze hoffen, ist das fair? Diese Reise durch die Westbank ist keine Ballermann-Exkursion und auch kein Sommer-Sonne-Strandkorb-Trip. Aber eben auch kein Himmelfahrtskommando für verrückte Reiseveranstalter oder sensationsgierige Journalisten. Und: Auch als normaler Tourist kann man mit dem Bus oder einem gemieteten Auto allein in all die Städte dieser Reise fahren. Und es finden sich qualifizierte Reiseführer. Allerdings dürfen israelische Staatsbürger nicht in die Zone A (unter palästinensischer Sicherheit und Verwaltung). Das betrifft die großen Städte: Nablus, Ramallah, Jericho, Betlehem, Hebron. Also einen palästinensischen Guide nehmen, zum Beispiel aus Betlehem – danke, Ibrahim. Im Augenblick ist die Sicherheitslage ruhig, außer einigen Checkpoints und mobilen Kontrollpunkten fließt der Verkehr reibungslos.

 

Unternehmen in der Westbank

„Sie mauern sich ein und sie mauern uns raus.“ Ibrahim hat seine eigene Sicht auf die Trennmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Die Arbeitslosigkeit in der Westbank ist hoch, viele Palästinenser, die früher in Israel im Handwerk oder in der Gastronomie gearbeitet haben, dürfen heute nicht mehr einreisen.

Seife bedeckt den ganzen BodenWirtschaftsunternehmen, die erfolgreich arbeiten, gibt es allerdings auch in der Westbank. Drei Beispiele: Seife aus Nablus, Bier aus Taybeh, Glaskunst aus Hebron… Es ließen sich viele Güte und Waren aufzählen. „Das Paradies von Kanafe“ – so wirbt Nablus für sich selbst. Kanafe, das ist ein Blätterteiggebäck mit Frischkäse. Warm gegessen einfach nur lecker.

Außerdem gibt es in der Stadt viele Möbelgeschäfte, Autowerkstätten, Steinbrüche… Und eine Seifenfabrik. Die flüssige Seife aus Olivenöl wird einfach aus den Fußboden der großen Lagerhalle ausgegossen – zentimeterhoch. Zum Trocknen. Währendessen werden die Stücke markiert und mit dem Firmensiegel gezeichnet. Dann werden Türmchen gebaut – mit 1000 bis 1200 Stücken Seife. Jetzt muss sie trocknen: 90 bis 120 Tage lang. Anschließend wird verpackt und verschickt. 2000 Stück Seife pro Tag.

Drink PalestinianDas einzige Bier aus Palästina wird von palästinensischen Christen gebraut. In Taybeh. Das heißt „schmackhaft“. Und das ist es. Die Brauerfamilie Khoury ist nach dem Oslo-Friedensvertrag aus den USA in die Heimat zurückgekehrt, um den eigenen Staat mit aufzubauen. Dann kamen die erste und die zweite Intifada, die Aufstände der Menschen gegen die israelische Besatzung. Die Khourys sind geblieben. Und ihr Bier verkauft sich gut. Sechs Sorten – hell und dunkel, mit Kräutern und Saft, mit und ohne Alkohol – gibt es. Und in jedem September ein Oktoberfest. München lässt grüßen. 4000 Flaschen in der Stunde laufen vom Band, rund 6000 Hektoliter im Jahr werden verkauft. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! Oder wie es auf dem Werbeplakat der Brauerei steht: „Drink Palestinean, taste the revolution.“ – "Trinke palästinensisch — schmecke die Revolution". Ganz friedlich.

1400 Grad heiß ist der Ofen. Aus Altglas entsteht hier Kunst. Die Glasbläserei liegt direkt an der Eingangsstraße nach Hebron. Und der Weg in den Laden mit den selbstgefertigten Produkten führt durch die Werkstatt. Die Künstler lassen sich bei ihrer Arbeit zuschauen. In wenigen Minuten entsteht durch Erhitzen, Blasen, Klopfen, Drehen aus flüssigem Altglas ein neues Gefäß. Vasen, Becher, Gläser, Karaffen…

 

Samstag 21. Dezember 2013

Limericks im Advent

Advent heißt hier im Studienhaus der Dormitio-Abtei: offene Türen. Die Studentinnen und Studenten laden in ihre Zimmer – zum besinnlichen, heiteren, kulinarischen Adventskalender. Auch die Volontäre sind eingeladen. Und manchmal darf und kann man etwas mitbringen. Diesmal ein paar Gedanken – verpackt in Limericks – zum Thema „Kommen“:

 

Rufer in der Wüste
Johannes spricht zu seinen Frommen:
Bald wird ein andrer Heiland kommen.
Dem mach’ ich nicht die Schuhe auf
So cool und heilig ist der drauf.
Ihr werdet lammfromm kommen.

 

Herbergssuche ?
Schwangere Frauen dürfen ganz offen
auf wärmende Gastfreundschaft hoffen,
die palästinensische Menschen gewähren.
Kommt, lasst sie uns dafür verehren,
statt „Herbergssuche“ zu spielen. Betroffen.

 

Politische Weihnacht I
Politisch korrekt ist die Krippe,
wenn Jesus und seine Sippe
hinter ’ner Mauer gefangen
keinen Besuch mehr empfangen.
jetzt riskier mal ‘ne Lippe.

 

Oder so – politische Weihnacht Zwo
Von Nazaret nach Betlehem reisen,
das könnten zwar die ausländischen Weisen;
nur Jesus und seine Sippe,
die kämen nicht mehr zur Krippe,
wenn sie israelische Juden heißen.

 

Noch eine Idee für ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk: Den Namen von lieben Menschen in der Heiligen Nacht nach Betlehem tragen lassen. Von den Benediktinern der Dormitio-Abtei.
Mehr dazu gibt es hier.

 

Montag, 16. Dezember 2013

Den Menschen aufs Dach steigen

BDach in Jerusalemisher dachte ich immer, Friedhöfe erzählen die besten Geschichten. Wie Menschen ihre Toten behandeln, daran lässt sich auch absehen, was den Lebenden blüht...

Jetzt gibt es einen weiteren verräterischen Ort: Dächer. In Jerusalem kann man den Menschen an so einigen Orten aufs Dach steigen. Ein touristischer Weg wird in fast jedem Reiseführer benannt. Doch auch von anderen Stellen lassen sich Aufsichten gewinnen. Wäsche und Nationalfahnen, Wassertanks und aufgesprühte Bekenntnisse. Kulturen und Religionen prallen aufeinander, grenzen einander ab, gehen ineinander über. Fließende Übergänge, abrupte Sperrungen...

 

 

Über den Dächern von JerusalemÜbernachten verboten

Es gibt Hunderte von Hotels, Hostels, Gästehäusern, Klöstern... alle bieten Betten für müde Häupter. Mancherorts wird in der Hochsaison noch flott eine weitere Matratze ins Sechs-Bett-Zimmer platziert und mancherorts darf man auch auf dem Dach seine Matte ausrollen. Nicht so im österreichischen Hospiz. Hier gibt es eigens ein Hinweisschild, das darum bittet, nicht auf dem Dach zu nächtigen. Gibt ja auch Zimmer hier. Aber der Blick von der Dachterrasse steht allen zur Verfügung. Rot-weiß-rot begleitet den Blick über die Altstadt zum Felsendom und zur Auferstehungskirche. Und natürlich kann man hier – mitten auf der Via Dolorosa auch einen echten österreichischen Kaffee trinken. Hat aber seinen Preis.

 

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Es schneit

Schnee auf dem ZitronenbaumBreaking news: Es schneit. Bitterkalt war es schon die letzten Tage. Gefühlter Gefrierpunkt. Schließlich konnten wir noch vergangene Woche im T-Shirt draußen sitzen. Und heute: Es schneit. Die Stadt wird weiß und schweiget. Alles steht still. Dicke Tropfen fallen rasend schnell. Platsch, platsch, platsch setzen sie sich aufs Gelände, ans Fenster, in die Bäume. Nass. Triefend. Aber weiß. Raus. Schneemannbauen. Bevor die weiße Pracht wieder wegschmilzt.

 

 

Sonntag, 8.Dezember 2013

Stillende MariaFruchtbare Zeiten

Milchgrottenstraße. Welch schöner Name. Einladend. Ganz am Ende steht die Kirche, die nach der Tradition daran erinnert, dass die junge Mutter Maria beim Stillen des neugeborenen Jesus den ein oder anderen Spritzer Milch verloren hat. Der weiße Stein in der Grotte soll daran erinnern. Die „mater lactans“, die stillende Mutter Maria… lockt bis heute fromme Christen aus aller Welt, die sich sehnlichst ein Kind wünschen. Die Legende sagt, dass ein wenig vom Gestein der Milchgrotte hier Wunder wirken kann. Deshalb sieht man hier immer wieder Pilger, die ein mitgebrachtes Döschen füllen. Wer’s glaubt. Jedenfalls ist die moderne Kirche mit dem angrenzenden Kloster aus den Spendengeldern dankbarer Doch-noch-Eltern gebaut.

 

Eine Hoffnungsgeschichte

Mauer in Bethlehem mit MariaEine andere Hoffnung leben und bewahren die orthodoxen melkitischen Benediktinerinnen, die ihr Kloster direkt neben der neu gebauten Trennmauer haben. Neun Meter hoch. Nackter Beton. Schlangengleich windet sich die Wand durch Betlehem und das ganze Westjordanland. „Apartheid Avenue“ hat jemand an die Mauer geschrieben. Ironie des Alltags.

Und die Schwestern? Direkt gegenüber ihres Klostertores haben sie eine Ikone an die Betonmauer geschrieben: Maria auf der Mondsichel. Zeichen für Frieden und Freiheit. Denn direkt unter der Madonna ist ein Fenster auf die Mauer gezeichnet. Darin ist die heilige Stadt Jerusalem (schon; oder: noch; besser: wieder) zu sehen. Im Licht der Gottesmutter. Und daneben hängt der Schlüssel zur Freiheit. Wenigstens in diesem Bild der Hoffnung.

 

 

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Jesus auf Bestellung

Ein besonderer Platz. Edel. Teuer. Historisch. Die Dachterrasse von Notre Dame. Lange im Besitz der Franziskaner und Anlaufstelle französischer Pilger und vatikanischer Diplomaten.

Pilger Über den Dächern von Israelund wichtige Kirchenleute kommen noch immer zum Wohnen, Essen, Kontakte pflegen hierher. Das Haus gehört nun den „Legionären Christi“. Der Wein ist gut und teuer. Der Blick über das nächtliche Jerusalem einfach wunderbar. Man kennt sich… gemeinsamer Sprachkurs… der Küchenchef des Hauses kommt zum Tisch, plaudert ein wenig und schickt – kaum ist er verschwunden – einen guten Tropfen „aufs Haus“.

Und dann wird es philosophisch-heiter. Der Kellner: „Have you ordered Jesus?“ – Sprachlosigkeit statt einer Antwort – „Haben Sie Jesus bestellt?“ – you ordered cheese – er hatte „Käse“ gesagt... Seine Frage geht mit auf dem Heimweg durch die menschenleere Altstadt.

 

Ahava-GeschäftDienstag, 3. Dezember 2013

Einfach Liebe

Wer will das nicht: Liebe schenken. Leichter gesagt als getan. Der Mensch, der egoistisch an sich denkt und das eigene Wohl im Sinne hat, stößt an Grenzen. Selbst und Sünde. Wie gut, dass es hier die Liebe zu kaufen gibt. „Ahava“ heißt Liebe. Und so heißt auch die Firma, die mineralhaltige Badesalze und Cremes vom Toten Meer in Tuben und Tiegeln verkauft. Gesunde Liebe aus dem Toten Meer. Für jene, die lieb und teuer sind. Ahava.

 

Montag, 2. Dezember 2013

Außerhalb der Zeit

Anachronistisch. Oder vielleicht ein bisschen von gestern. Wer hier in der Stadt nach einem Fußweg fragt, der länger als 500 Meter ist, der wird mit dem guten Rat beschieden, er solle „besser den Bus nehmen“. Und wer auf die Idee kommt, von Jerusalem nach Tel Aviv mit dem Zug zu fahren, der erntet einen erstaunten Gesichtsausdruck und den Rat, man möge „besser den Bus nehmen“.

ZugfahrkarteMit dem Bus ist es von der Heiligen bis in die politisch-anerkannte Hauptstadt eine Fahrt von einer knappen Stunde – vorausgesetzt, der Verkehr lässt das zu. Ich habe Zeit und will eine besondere Landschaft sehen.

Der moderne Bahnhof liegt am Ende der Stadt: Fußball-Stadion (benannt nach Teddy Kollek, dem OB aller Zeiten), modernstes Einkaufszentrum (mit denselben Firmen wie in allen deutschen Einkaufszentren), der kleine, feine Bahnhof. Jede Stunde geht ein Zug. Karten für die 90-minütige Fahrt kostet 22,50 NIS (New Israelin Schekel), umgerechnet knapp fünf Euro.

Bibel-Zoo, Bet Shemesh, Ramla, Lod, zwei Vororte, Tel Aviv Hauptbahnhof. Die offenen Abteile bieten vier Sitze, Tisch und jede Menge Fußfreiheit. Durch eine herrliche Landschaft geht es in Serpentinen abwärts von 800 Metern auf Meeresspiegelhöhe. Langsam grünt die Wüste, das vertrocknete Bachgestein hat sich urplötzlich mit Wasser gefüllt, die heiligen Stätten wandeln sich in Einkaufstempel und modernste Hochhausglasfassaden. Die Entfernung ziwschen Jerusalem und Tel Aviv: auch mit dem Zug nur eineinhalb Stunden, in der Mentalität der Menschen scheinen es Welten…

 

Freitag, 29. November 2013

Handy aufladen im ZugMobil-Infusion

Micky, der nach der Handy-Nummer fragt und ohne Zahlenfolge bleibt, kann nur erstaunt ausrufen: "Ohne Handy kannst du hier nicht leben!“ Und so wie er machen es die Menschen im Land: stets und allerorten das Handy am Ohr. Rekord: Auf einer gut halbstündigen Taxifahrt klingelt bei einem Mitfahrer das Mobil-Telefon 13 mal (stets angekündigt von einem Blaulicht und Sirenenton).

Damit dem Viel-Telefonierer der Saft nicht ausgeht, wird jede Gelegenheit zum Auftanken genutzt. Wie bequem, wenn im Zug über jedem Sitzplatz eine Steckdose an der Decke zum Anzapfen einlädt. Mobil-Infusion.

 

Donnerstag, 28. November 2013

Einfach Frieden

Friedens-PosterWie ein buddhistischer Mönch aus Vietnam in mein Zimmer kommt, weiß ich nicht. Besser: Ein Poster an der Wand mit der Botschaft von Thich Nhat Hanh. „There is no way to Peace. Peace ist the way.“ Ganz einfach: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg.“ Mit einem deutschen Sprichwort gesagt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Hier in Jerusalem sind allenthalben hunderte Menschen aus aller Welt in einer Mission unterwegs. Aktivisten. Die den Frieden bringen wollen. Konferenzen. Erklärungen. Papiere. Guter Wille. Absichten. Alle diplomatischen Höflichkeiten auf medialer Bühne bleiben hohl, laufen ins Leere, wenn es nicht jene Orte gibt, wo Menschen selbstverständlich ihren Tag miteinander leben. Wie in der Dormitio-Abtei. Dort gibt es muslimische, jüdische und christliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und in jeder Eucharistiefeier wird für sie gebetet. Und Frieden gelebt.

 

Dienstag, 26. November 2013

Es weihnachtet sehr

Krippe in Olivenstamm geschnitztBetlehem – die Weihnachtsstadt. „ ...where Jesus Christ was born..“. Nirgendwo sonst auf der Welt wird im Lauf des Jahres die biblische Weihnachtsgeschichte so häufig vorgelesen, wird täglich „Jingle Bells“ und „Zu Betlehem geboren“ gesungen, werden von Januar bis Dezember Jesuskinder und Kamele aus Olivenholz verkauft.

Der Vorplatz der Geburtskirche heißt Krippenplatz und fast jede Gruppe macht einen Besuch auf den Hirtenfeldern, die längst touristisches Einkaufsgebiet geworden sind. Und selbstverständlich gibt es ein orthodoxes und ein lateinisches...

Jetzt, kurz vor Beginn des Advents ist aber auch in Betlehem die Ankunft der kalendarischen Weihnacht zu spüren. Die Lichterketten und –sterne sind bereits montiert, so manches Haus bereits in einen Vor-Erleuchtungszustand gekabelt. Und auf dem Krippenplatz steht er schon, der riesige Tannenbaum. Er wird ganz sicher nicht vor der Zeit nadeln. Er ist aus Plastik.

 

Montag, 25. November 2013

Olivenholz, sonst gar nichts

Gratis Olivenholz in BethlehemOhne diesen Baum geht hier gar nichts. Jahrhundertealt kann ein Baum werden. Und wer hier Olivenbäume sein eigen nennt, der kann (über)leben. – Wenn er denn seine eigenen Felder noch bewirtschaften kann, in Zeiten der Apartheid und der Trennmauer.

Das Öl der Früchte spendet Nahrung, das Holz der Stämme wärmt und eignet sich wunderbar zum Bauen und – zum Schnitzen. Deshalb finden sich in Betlehem Tür an Tür kleine Schnitzwerkstätten und Läden für Produkte aus Olivenholz. Alles eigene Herstellung: Krippen in allen Größen und Preisklassen, Engel und betende Hände, Tiere und Holzherzen. Besonders beliebt sind die Rosenkränze aus Olivenholz. Und mit diesem „Abfall“ machen die Schnitzer den Touristen eine Freude. Wie löchriger Käse liegen viele Scheiben vor den Türen. Zum Mitnehmen. Als Geschenk. In Deutschland werden sie wohl als Untersetzer für Gläser dienen. Wenn dann hin und wieder ein kleiner Segenswunsch auf die edlen Spender ausgesprochen wird: Prost, Freunde in Betlehem!

 

 

Donnerstag, 21. November 2013

Jetzt neu: Becher bildert.

Hier geht es zu einer Bildergalerie mit den schönsten Eindrücken aus der Heiligen Stadt.

 

Donnerstag, 21. November 2013

Leben in Fülle

GewürzeMahane Yehuda. Haltestelle der einzigen Straßenbahnlinie in Jerusalem. Der Markt, wo die jüdische Bevölkerung der Stadt ihren Frische-Einkauf macht. Fleisch- und Fischstände, Händlergesänge. Laut. Preisend die eigene Auslage. Hier meterweise Käsevariationen, dort Fische in allen Größen,  Süßigkeiten – gebacken oder kunstoffgleich – gleich hundertkästenfach.

Aber das Größte zwischen aufgetürmten Orangen und Auberginen sind die Dutzende von Säcken mit Teemischungen und Gewürzen. Wohltat für Augen, Nase und Gaumen. Da darf das Einkaufen auch mal ein wenig länger dauern.

 

Montag, 18. November 2013

Coole Globen

Ausstellung mit GlobenWeltkugeln, eine lange Reihe von Globen. „Coole Globen“ – so heißt diese Freiluft-Ausstellung direkt an einer modernen Einkaufsmeile neben dem Jaffa-Tor in Jerusalem. Seit April werben Künstler hier mit ihren Werken für mehr Klimaschutz.

Die Aktion gegen die Erderwärmung begann 2005 in den Vereinigten Staaten. Nach mehreren Stationen in Europa ist die Installation nun in Jerusalem zu sehen. Da wird für mehr Sonnenenergie geworben und dazu aufgefordert, Plastikmüll zu recyceln. Vor allem aber wollen die Initiatoren und Künstler eines: Die Besucher sollen „mit der einen klaren Botschaft“ weitergehen: „Wir können das Problem der Erderwärmung lösen!“

 

Samstag, 16. November 2013

Pflanzen begrünen den BetonPhantasie gegen Beton

Ideen muss man haben. Wenig Geld, Grün statt Beton. Und schon lächelt die vormals hässliche Fassade im Freiluft-Café farbenfroh. Einladend. Da mag der Kaffee natürlich nicht so gut schmecken wie in der Cafeteria der Dormitio-Abtei, aber mitten im Getümmel der Einkaufsstraße ist dieses liebevolle Örtchen einfach zu verlockend. Ein Kaffee, ein Brief, dann kann es weitergehen...

 

 

Teich mit KoisFrische Fische

Donnerstag, 14. November 2013

Der Koi, des Christen liebster Fisch. Sofern der Vegetarier ist, denn dieser Zuchtkarpfen ist nicht zum Verzehr gedacht, nur zum Anschauen. Meditativ. Am Eingang zur Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genesaret tummeln sich einige dieser farbenfrohen Spezies. Einige hundert Meter entfernt – draußen auf dem See – wird die kulinarische Touristenspezialität gefangen: der Petersfisch. Alle Restaurants hier am See haben ihn auf der Speisekarte. Aber Vorsicht: Gräten. Wer unbedingt probieren will, der wählt lieber Filets vom Petersfisch. Und die Kois? „Die wären auch schön im Teich daheim“, wird sich schon so manch anderer Heilig-Land-Pilger gedacht haben.

Übrigens, am Samstag war in Tabgha Kirmes (siehe unten).

 

Mittwoch, 13. November 2013

Und noch ein Grab

Jitzchak Rabin. Fast genau 18 Jahre ist es her als ein Feind des Friedens den israelischen Ministerpräsidenten am 4. November 1995 bei einer Rede in Tel Aviv ermordet hat.

Grab von Jitzchak RabinMit ihm ist vielen die Hoffnung gestorben auf einen baldigen Frieden im Land. Rabin, der Generalstabschef des israelischen Militärs war und Verteidigungsminister, hatte im Jahr zuvor den Friedensnobelpreis bekommen. Ein traurig-ergreifendes Gefühl, an seinem Grab zu stehen und nach jüdischer Sitte einen Stein abzulegen. Hier, auf dem Mount Herzl in Jerusalem hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Neben ihm liegt seit ihrem Tod im Jahr 2000 seine Frau Leah.

Hier am „Resting Place of Great Leaders of the Nation“, der Grabstätte aller Präsidenten, Premierminister und Parlamentspräsidenten (Knesset) Israels, sind auch Golda Meir und Jitzchak Schamir begraben, hier ist das Grab des Zionisten Theodor Herzl und jenes des beliebtesten Oberbürgermeisters des modernen Jerusalem, Teddy Kollek. Und hier, auf dem größten Militärfriedhof des Landes, findet sehr oft die Vereidigung junger Soldaten statt.

 

Sonntag, 10. November 2013

Tango – eine Weltsprache

Was für ein Abend. Da findet ein Deutscher Gastarbeiter seinen Weg auf die Dachterrasse eines georgischen Restaurants im israelischen Jerusalem, um zu den Klängen des argentinischen Tango mit Einwanderinnen aus Russland zu tanzen… Die Menschen können so friedlich miteinander sein – auch im Nahen Osten. Wo man Musik spielt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder…

 

Samstag, 9. November 2013

Kirmes in Tabgha

Fahnen in TabghaFünf Brote und zwei Fische bringen die Jünger zu Jesus. Fünftausend Menschen werden satt. Das berichten alle vier Evangelisten. Am See Genesaret hat Jesus dieses Wunder bewirkt. Heute steht am Ort der Tradition ein Benediktinerkloster und die herrliche Brotvermehrungskirche mit dem bekannten Mosaik von vier Broten und zwei Fischen – das fünfte Brot wird bei jeder Eucharistiefeier auf dem Altar hinzugelegt. Das Mosaik findet sich hier im Heiligen Land auf Tellern, Tassen, Schlüsselanhängern, Wandfliesen, Taschen, T-Shirts…

In Tabgha feiern seit einigen Jahren die Christen verschiedener Konfessionen aus ganz Galiläa ihre Kirmes. Kirchweihfest. Die Benediktiner des Klosters laden ein, der lateinische Patriarch aus Jerusalem, Fuad Twal kommt als Prediger, und Melkiten, Armenier, Kopten, Katholiken… feiern gemeinsam ein Fest. Natürlich gibt es auch Brot – körbeweise. Insgesamt leben in Israel etwa 150.000 christliche Bürger. Die Hälfte von ihnen sind Melkiten.

Am Kloster in Tabgha wehen am Festtag viele Fahnen: jene mit dem Symbol der Kirche, dem Mosaik; jene des lateinischen Patriarchats – in vatikanischem gelb-weiß; jene des Deutschen Vereins vom Heiligen Land (DVHL), der auch an diesem Ort als Bewahrer von Grund und Haus aktiv ist. Ach, gleich am Eingang grüßen auch die bayerischen Farben. Ob da wohl Bruder Franziskus zum Festtag sein eigenes Signal gehisst hat...

 

Freitag, 8. November 2013

Kloster-Pfefferminze

Kloster-PeppermintReiner Atem. Frischer Hauch. Ganz irdisch. Zwar könnten auch hier sehr passend die kleinen Lutschpastillen erworben werden, die nach dem Freund des Fischers benannt sind („Sind sie zu stark, bist du zu schwach“), doch es gibt etwas besseres. Jedenfalls ist die Verpackung einfach himmlisch irdisch: Eine Alu-Box zum Aufklappen mit dem Bild der Dormitio-Kirche. Inhalt: Peppermint Breathmints. Preis: 15 NIS – Neue Israelische Schekel. Oder in Euro, mit denen man hier (fast) überall bezahlen kann: 3. Ein Muss für den Liebhaber frischen Atems und überflüssiger Souvenirs.

 

Mittwoch, 6. November 2013

Glücksmomente

Herrlich, diese Momente, wenn ein warmer Strom durch die Brust fließt. Wenn der nächste Atemzug so Herz und Seele flutet, als hätte Gott selbst sich heruntergebeugt zu seinem Geschöpf. Abendlob auf dem Zion. Vesper im Kreis der Mönche. In Psalm 85 haben sich bereits „Gerechtigkeit und Frieden“ geküsst. Nun, im folgenden Psalm 87 erklingt ein Hochgesang auf Gottes heilige Stadt Jerusalem: „Die Tore Zions liebt der Herr.“ Und es gilt vom Zion: „Dort ist ein jeder gebürtig… Und sie tanzen und singen: In dir sind all meine Quellen.“ Wie gesegnet kann ein Mensch doch sein...

 

Dienstag, 5. November 2013

Letzte Ruhe für Oskar Schindler

Grabplatte Oskar SchindlerIn unmittelbarer Nachbarschaft der Benediktinerabtei auf dem Zionsberg liegt ein katholischer Friedhof. Hunderte von Gräbern – nach der Tradition des Landes mit Steinplatten abgedeckt. Nur wenige haben in den Tagen nach Allerheiligen einen kleinen Blumenschmuck. Auf einigen finden sich – nach jüdischer Sitte – kleine Steine, die Besucher als Zeichen des Andenkens zurücklassen.

Die meisten Steine liegen auf der Grabplatte von Oskar Schindler. „Der unvergessliche Lebensretter 1200 verfolgter Juden“, steht auf der Platte geschrieben. Schindler wurde hier 1974 begraben. Es war sein Wunsch. Seit seinem ersten Besuch in Israel  – 1961 – war er  oft bei Freunden im Land zu Gast. Menschen, denen er im Nazi-Deutschland beim Überleben geholfen hatte, unterstützten den inzwischen mittellosen Fabrikanten über viele Jahre.

 

EIngang zum Friedhof auf dem Oskar Schindler beerdigt istIm Juli 1967 erkannte ihm die Jerusalemer Gedenkstätte für die Opfer der Shoah, Yad Vashem, den Ehrentitel eines „Gerechten unter den Völkern“ zu. Ein Baum in der Allee der Gedenkstätte zeugt bis heute von dieser Auszeichnung. Die allerdings war längere Zeit umstritten. Hatte doch ein Verfolgter der Nazi-Zeit gegen die Würdigung Schindlers Einspruch erhoben. Und einem solchen Einspruch muss die Gedenkstätte nachgehen. 1993 wurde die ursprüngliche Entscheidung bestätigt. Auch Schindlers Frau Emilie wurde mit dem Ehrentitel ausgezeichnet.

 

Montag, 4. November 2013

Deutschsprachig – nicht deutsch

Hier wird Deutsch gesprochen. Die Benediktinerabtei der Dormitio auf dem Zionsberg ist aber kein deutsches Kloster. Darauf legen die Mönche Wert. In der Liturgie wird auf Deutsch gebetet und gepredigt, das Chorgebet in Deutsch gesungen. Im Laden und in der Cafeteria wundern sich viele Pilger aus Deutschland, dass sie in ihrer Heimatsprache begrüßt werden.

Doch die Patres und Brüder der Gemeinschaft sind international. Sie kommen aus Kroatien und Polen, aus Frankreich und den USA, aus Slowenien und der Slowakei. Abt Gregory Collins ist Nord-Ire. Selbstverständlich gibt es auch Mönche aus deutschen Landen. Pfälzer und einen aus dem Hunsrück, Bayern und Franken. Dazu einen ehemaligen Mainzer Stadtdekan, Pater Zacharias Schmitz, und zwei Mönche aus dem Bistum Fulda, Pater Jonas Trageser aus Bernbach-Freigericht und Pater Nikodemus Schnabel aus der Fuldaer Stadtpfarrei. Also noch mal: Die Kirche gehört zwar dem Deutschen Verein vom Heiligen Land (DVHL), die Sprache der Abtei ist Deutsch, aber es ist kein deutsches Kloster.

 

Friedhof der Dormitio-Abtei von Johannes Becher fotografiert

Samstag, 2. November 2013

Totengedenken. Benediktinisch katholisch.

Die Mönche der Dormitio pflegen am Allerseelen-Tag zum Klosterfriedhof zu ziehen. Nach der Frühmesse. Und dort entzünden sie für jeden verstorbenen Mitbruder ein Licht. Und dann werden ihre Namen verlesen. Gut, mag man sagen, die Abtei ist erst gut 100 Jahre alt. Da sind es nicht so viele, deren Andenken es zu bewahren gilt. Stimmt. Trotzdem ist es würdig und recht. Keiner ist vergessen hier. An alle wird erinnert. Und wer den Friedhof sonst besucht, der bekommt eine Ahnung davon, was mit dem himmlischen Frieden gemeint sein könnte.

 

 

Montag, 28. Oktober 2013

Begegnungen zwischen Ikonen und Rosenkränzen

Dormitio-AbteiSchon eine Woche lebe ich in Jerusalem. Bei den Benediktinern in der Dormitio-Abtei. Als Volontär im Klosterladen begegnet man vielen Pilgern aus aller Welt. Und so verschieden ihre Kulturen, so verschieden kaufen sie ein. Ikonen aller Art die osteuropäischen Christen, Rosenkränze die Menschen aus dem Süden, Karten und Briefmarken Deutsche und Franzosen. Na gut, ein wenig holzschnittartig. Aber mit einem Körnchen Wahrheit.

 

TafelnEin Rundgang auf der Stadtmauer Jerusalems. Herrliche Ansichten. Einsichten. Dachlandschaften. Kuppeln. Moscheen. Kirchen. Und zwischendrin national-religiöses Siedeln. Mit Sicherheitsposten und israelischer Fahne. Und direkt am Zentralsitz der Franziskaner im Heiligen Land die aufgesprühte Botschaft: „No way! Keine Möglichkeit! Gott hat dieses Land nicht Rom versprochen. Er gab das Terra Sancta, das Heilige Land den jüdischen Menschen.“

 

Wie wohltuend ist da eine Begebenheit ganz anderer Art:

Medaille des Mount Zion AwardsEs sind die kleinen Gesten, die hier auffallen: Menschen umarmen sich, begrüßen sich freudig, lächeln sich zu, fassen einander an den Händen. Menschen christlichen, islamischen und jüdischen Glaubens begegnen sich. Warm, zugewandt, herzlich. Es ist der Tag der Preisverleihung des Mount Zion Awards 2013. Die Feier in der Kirche der Jerusalemer Dormitio-Abtei spiegelt etwas von der alltäglichen Arbeit der beiden Preisträgerinnen: Die israelische Jüdin Yisca Harani und die palästinensische Christin Margaret Karram leben den Dialog der Religionen. Oder wie sie selbst sagen: „Was wir tun, ist unser Leben.“ Und weil es ihr Alltag ist, sind sie von der Auszeichnung mit dem Award so überrascht: „Das ist so, als ob man ausgezeichnet wird dafür, dass man frühstückt.“

Die eine – Yisca Harani – erzählt jüdischen Israelis seit 1989 vom Christentum. Und sie veranstaltet einen Schüleraustausch, weil sie Wissen ohne Zuneigung, ohne Empathie für leer hält. Die andere – Margaret Karram – erzählt auch nicht-religiösen Menschen vom Judentum. „Liebe deinen Nachbarn!“ Das ist die Botschaft beider Frauen. Beeindruckende Preisträgerinnen.

 

Donnerstag, 24. Oktober 2013

„Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.“

Der „Zionspsalm“ wird er genannt. Psalm 122.

Ja, so ist es seit einigen Tagen. Sogar mein Haupt darf ich betten in den Mauern dieser Stadt.

Der heiligsten aller Städte. Dem Judentum ist sie dies ohne jeden Zweifel. Die Westmauer des Tempels erinnert an den Bund mit Jahwe, der Israel zu seinem Volk erwählt hat. Den Muslimen gilt Jerusalem als dritte heilige Stätte – nach Mekka und Medina. Von hier begann der Prophet Mohammed seine Himmelsreise. Und die Christen? Wenden ihren Blick weit häufiger gen Rom und zum Vatikan hin. Dort ist aber – bei aller Wertschätzung – nur der Stellvertreter zu Hause. Zu den Quellen finden. Das geht hier besser. Im Heiligen Land. Dort, wo Milch und Honig fließen. Und die Menschen besoffen sind von Gott. Mal ohne Kontrolle. Mal charismatisch, fröhlich, ansteckend. Die Heimat Jesu. Welches Land sollte Christen wertvoller sein? Und welche Stadt könnte als heiliger gelten als Jerusalem? Im Ernst: keine!

Und so könnten alle – Juden, Christen und Muslime – zum Wohl dieser heiligen Stadt mit dem Psalm-Dichter beten: „Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.“

Fotos und Texte von Johannes Becher