20.07.2016

Jahresserie: Das Jesus-Team (7) – Kirche der Teilhabe

Keine Alibi-Veranstaltung

Die Kirche der Zukunft ist „eine Kirche der Teilhabe“. Oder sie wird es schwer haben, Menschen zu begeistern. Zum „Jesus-Team“ von heute und morgen gehören deshalb Menschen wie die Mitwirkenden der „Pastoral-Werkstatt“ in Hofheim im Bistum Limburg. Von Barbara Faustmann.

Absolute Mehrheit: Mitwirkende der Pastoral-Werkstatt setzen auf kreative Wege Foto: Bistum Limburg
Absolute Mehrheit: Mitwirkende der Pastoral-Werkstatt setzen auf kreative Wege Foto: Bistum Limburg

Liebe Leserin, lieber Leser, ich nehme Sie mit auf eine Zeitreise. Eine Reise zur Kirche der Zukunft. Sie beginnt mit Ahnungen, Erwartungen und Hoffnungen. Wohin soll diese Reise gehen, und welches Ziel hat sie? Start war die Pastoral-Werkstatt in Hofheim, mit Themenschwerpunkten zur Zukunft der kirchlichen Entwicklung im Bistum Limburg. Etwa 500 Menschen machten sich dort auf den Weg. Zwei Frauen und zwei Männer, alle in der Kirche aktiv, schildern ihre Empfindungen vor der Werkstatt, am Tag selbst und einige Wochen später.

Tag eins: vor der Werkstatt

Kathrin Tschernich, Referentin der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Lahn-Dill-Eder/Wetzlar, Gabriele Kerber, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in St. Anna in Biebertal, Stefan Fink, stellvertretender Vorsitzende der Stadtversammlung der Wiesbadener Katholiken, und Peter Eisner, Katholik im Bistum, reisen mit großen Erwartungen und Hoffnungen im Gepäck. Kathrin Tschernich ist seit der Einladung klar, „da muss ich unbedingt hin“. Sie ist von Kindesbeinen auf in der katholischen Kirche zuhause. „Die Erfahrungen, die ich bereits als Kind machte, wollte ich weitergeben. Das Aufwachsen in und mit der kirchlichen Jugendarbeit hat mir für mein Leben sehr viel gegeben“, sagt Tschernich. Von der Pastoral-Werkstatt erhofft sie sich, gemeinsam zu überlegen, wie die „Kirche“ wieder attraktiv für junge Menschen gestaltet werden kann.

Stefan Fink Foto: privat
Stefan Fink, stellvertretender
Vorsitzende der Stadt-
versammlung der
Wiesbadener Katholiken

Nach vielen Jahren der Strukturdebatten und der Aufarbeitung innerkirchlicher Probleme will Stefan Fink in der bevorstehenden Pastoral-Werkstatt visionär Christ sein und die Kirche im Bistum sowie darüber hinaus betrachten und ein gutes Stück voranbringen. „Als Vorsitzender des Diözesan-Kolpingwerks interessiert mich natürlich auch, wie die Verbände in diese Visionen einbezogen werden?“
„Mir wird immer deutlicher, dass wir neue Wege gehen müssen und gleichzeitig vieles, was die einzelnen Kirchorte ausmacht, nicht vernachlässigt werden darf“, sagt Gabriele Kerber. Für diesen Spagat sucht sie in Hofheim Hilfe, denn die Arbeit im Pfarrgemeinderat zeigt ihr, dass dazu wohl ein langer Atem notwendig ist.

Peter Eisner hofft darauf, dass dieses Treffen neuen Schwung und neue Ideen in die Seelsorgearbeit bringen wird. „Mich interessiert, inwieweit weltkirchliches Gedankengut in unseren Pfarreien vorhanden ist, gerade im Rhein-Main-Gebiet mit einer hohen Quote ausländischer Mitbürger.“ Mit Spannung erwartet er, ob Modelle ehrenamtlicher Leitungen in den Kirchorten erprobt werden können.

Tag zwei der Reise: die Werkstatt

Gabriele Kerber Foto: privat
Gabriele Kerber, Pfarr-
gemeinderatsvorsitzende in
St. Anna in Biebertal

Angekommen in Hofheim, sind sich alle vier einig: Das läuft hier richtig gut, sowohl die Organisation als auch die sehr offenen Aussprachen.

„Ich habe ein gutes Gefühl, auch wenn sich mir Fragezeichen auftun. Es muss auf jeden Fall weitergearbeitet werden“, ist sich Tschernich sicher. Fink sieht einen echten Aufbruch, da überlebenswichtige Themen angesprochen werden. Der Tag ist gut ausgefüllt, und Kerber hat den Eindruck, dass die Zeit zu schnell verrinnt. „Es wird positiv gesprochen, packen wir es an“, freut sich Eisner.

Tag drei der Reise: nach der Werkstatt

Die Ereignisse aus Hofheim haben sich nun gesetzt. Die vier Kandidaten hatten Zeit zum Nachdenken. Und so lautet ihr Fazit:

Für Kathrin Tschernich war die Pastoral-Werkstatt eine sehr gelungene Veranstaltung. Sie freut sich, kreative Wege zu suchen, um Kirche und Glauben wieder mehr mit der Lebenswelt zu vereinen. Mit Spannung wartet sie ab, wie das Angestoßene erfahrbar wird.

 

 

Kathrin Tschernich, Referentin
der Katholischen Fachstelle für
Jugendarbeit
Lahn-Dill-Eder/Wetzlar.

„Einfach großartig“ war die Veranstaltung für Gabriele Kerber. Besonders berührt haben sie die Mut machenden Worte des Apostolischen Administrators, Weihbischof Manfred Grothe, dass die Pastoral-Werkstatt keine Alibiveranstaltung sei.

„Es ist ein erster Meilenstein zum Nachdenken über Handlungsfelder. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass die Pläne der Pastoral-Werkstatt auch unten bei den Menschen ankommen“, zieht Stefan Fink Bilanz.
Das Zuhören stand bei Peter Eisner im Vordergrund. Er schlägt regionale Treffen vor. „Ich wurde in Hofheim motiviert, ,gespeist‘ mit Informationen. Der Prozess wird weitergehen“, ist er sicher.

Die Kirchenzeitung bleibt dran, informiert über den weiteren Weg „lokaler Kirchenentwicklung“.

http://kirchenentwicklung.bistumlimburg.de/home.html

 

 

 

Zitiert: „Partizipation ist ein Schlagwort“

Peter Eisner
Peter Eisner, Katholik im
Bistum Limburg, Fotos:
Faustmann (2), privat (2)

Aus den Kommentaren von anderen Teilnehmenden der Pastoralwerkstatt in Hofheim:

„Schon lange habe ich nicht so einen besonderen Tag in der Kirche erlebt. Es gibt viel Stärke im Bistum Limburg, wir müssen einfach den Auftakt wagen!“

„Was lokale Kirchenentwicklung sein soll, ist mir nicht ganz klar geworden. Es werden viele Worthülsen gebraucht, die nur wenig durch das Leben gedeckt sind. Paulus spricht vom Aufbau der Gemeinden. Warum kann man nicht dabei bleiben?“

„Ich könnte mir vorstellen, dass eine ähnliche Veranstaltung nur unter Ehrenamtlichen sinnvoll wäre.“

„Ich würde mir wünschen, dass die Bistumsleitung eindringlicher und konsequenter Priester in die Pflicht nimmt, Veränderungen nicht im Weg zu stehen. Priester dürfen als ,Alleinentscheider‘ nicht eine ganze Pfarrei blockieren!“

„Wäre es nicht ein Zeichen gewesen, wenn die Andacht von Laien gehalten worden wäre, und einmal alle Priester aus der Bank heraus mitgefeiert hätten?“

„Partizipation ist ein Schlagwort, das gefüllt werden muss. Ich bin misstrauisch, denn der Gedanke der Partizipation verträgt sich nicht mit der hierarchischen Struktur der Kirche.“„Es hat leider der Hinweis gefehlt, dass jetzt jeder zuhause selbst weiter machen kann