07.03.2017

Wie Kirchenmusiker und Pfarrer zusammenarbeiten

Nicht nur „happy-kläppi“ und 300 Jahre alte Lieder

Sie können einander beglückwünschen: Pfarrer Robert Nandkisore und Kirchenmusiker
Markus Frank Hollingshaus arbeiten vorbildlich zusammen. Doch aus welchen „Zutaten“
besteht dies gute Miteinander? Aus weit mehr als nur guten Willen. Christa Kaddar.

Orgelpfeifen Bild: kna
Ein komisches Gefühl, wenn die Orgel in einem Sonntagsgottesdienst
mal nicht erklingt. Doch für Musik im Gottesdienst braucht es vor allem
Kirchenmusiker. | Bild: kna

Seit acht Jahren arbeiten Pfarrer Dr. Robert Nandkisore und Kirchenmusiker Dr. Markus Frank Hollingshaus in der Pfarrei St. Peter und Paul Eltville zusammen. Seit gut einem Jahr heißt die Pfarrei neuen Typs St. Peter und Paul Rheingau. Was beide über ihre Zusammenarbeit berichten, zeugt von gegenseitigem Vertrauen und beidseitiger Spontaneität. Ein Sorgenkind ist allerdings die Orgel, die dringend eine Reinigung und Restaurierung braucht.

„Ich weiß, dass er weiß, was passt“, sagt Robert Nandkisore über den Organisten Hollingshaus. „Ich gebe ihm keine Lieder vor, erwähne manchmal unmittelbar vor dem Gottesdienst, welches Lied ich gerne dabei hätte.“ Der Organist ergänzt: „Und das Lied habe ich meistens schon eingeplant, denn ich weiß, wie er predigt und suche die Lieder entsprechend aus.“ Aber es fällt ihm auch nicht schwer, spontan einen Liedwunsch des Pfarrers noch aufzunehmen oder selbst während der Predigt noch ein Lied mit hineinzunehmen, das stimmig ist.

Am Sonntagmorgen noch mit Frau und Kindern frühstücken

„Wenn Pfarrer und Organist nicht miteinander können, gibt der Pfarrer alles vor, oder er gibt gar nichts vor, und der Organist macht, was er will“, erklärt Nandkisore und ist erleichtert, dass es in der Zusammenarbeit mit Hollingshaus anders läuft. „Ich freue mich über sein Gespür und die Liedauswahl; es ist ein Glück, dass wir eine Ebene haben, denn die Musik gehört zur Verkündigung.“

Am Anfang musste er sich daran gewöhnen, dass der Organist oft „auf den letzten Drücker“ zum Gottesdienst kommt. „Ich möchte am Sonntagmorgen noch mit meiner Frau und meinen Kindern frühstücken; das ist mir wichtiger, als eine halbe Stunde vorher in der Sakristei rumzustehen“, sagt Hollingshaus, der jedoch immer rechtzeitig an der Orgel sitzt.

Robert Nandkisore, der als priesterlicher Leiter die Anfang 2016 neu gegründete Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau nach außen vertritt und das Pastoralteam leitet, ist froh, dass er alles, was die musikalische Gestaltung der Gottesdienste angeht, an Markus Frank Hollingshaus abgeben kann. „Wir haben viele Anfragen von Gastchören, die ich sofort an ihn weiterleite“, erzählt der Pfarrer. Hollingshaus begrüßt die Impulse, die von Auftritten auch „fremder“ Chöre ausgehen. Es erfordert aber oft intensive Absprachen, denn manche Chöre haben Vorschläge, die absolut nicht in sein Konzept passen. „Wir haben in der Gemeinde auch eine junge Geigerin, die manchmal spontan ein Stück im Gottesdienst spielen will, und das versuche ich auch unterzubringen.“ Auch ein Schlagzeuger wirkt manchmal im Gottesdienst mit. Wenn sich daraus ein harmonisches Ganzes gestalten lässt, ist Hollingshaus bereit, auch zu improvisieren, denn die richtige Mischung ist ihm wichtig. „Es wäre langweilig, nur ‚happy-kläppi‘ oder nur 300 Jahre alte Kirchenlieder zu spielen.“ Die Orgel soll die Dramaturgie des Gottesdienstes unterstützen – darin sind sich der Pfarrer und der Organist einig.

Pfarrer Robert Nandkisore und Organist Markus Frank Hollingshaus
Pfarrer Robert Nandkisore und Oragnist Markus Frank Hollingshaus
Foto: Christa Kaddar

Bis Ende 2015 hatten Nandkisore und Hollingshaus mehr Gottesdienste gemeinsam. Durch die Großpfarrei, die sich auf zwölf Gemeinden erstreckt, sind beide häufiger in unterschiedlichen Kirchen unterwegs. Und so ist nicht alles in der Pfarrei nur Friede, Freude und Harmonie, sondern es erfordert große Anstrengungen, alle zwölf Gemeinden kirchenmusikalisch zu versorgen. „Jeder Kirchort hat samstags oder sonntags seinen Gottesdienst, manche auch an beiden Tagen; das sind 16 Gottesdienste an jedem Wochenende. Dafür haben wir nicht genug Organisten“, erläutert Hollingshaus.

Er hat es übernommen, den Einsatz aller verfügbaren Organisten der Pfarrei zu koordinieren, was sich als sehr viel Arbeit erweist. Außerdem erstellt er, den Lesungen entsprechend, einen Grundplan an Liedern mit Alternativen für die ganze Pfarrei. „Das wird von den Kollegen gern angenommen.“ Es kommt allerdings vor, dass er selbst am Wochenende bei sieben Gottesdiensten spielt. Darüber hinaus leitet er vier Chöre, unter anderem die Eltviller Schola, spielt bei Beerdigungen und Hochzeiten. Das ist umfangreich, doch da er keine feste Stelle als Kirchenmusiker hat, arbeitet er weiterhin auch noch als Lehrer für Musik und Ethik am Gymnasium.

Auf eigene Kosten Ersatzorgel angeschafft

Markus Frank Hollingshaus ist auch für alle Orgeln in der Pfarrei zuständig, und da dürfte sein Beispiel einmalig sein: Weil die Orgel in der Kirche St. Peter und Paul absolut restaurierungsbedürftig und nicht mehr spielbar ist, hat er auf eigene Kosten eine gebrauchte Ersatzorgel angeschafft, die nun unten in der Kirche steht. „Bevor ich hier stehe und auf dem Keyboard oder auf der Blockflöte spiele, habe ich diese Orgel gekauft“, merkt er ganz sachlich und gelassen an, denn er weiß, dass die Orgelrestaurierung noch auf sich warten lässt.

Die Kosten für die Restaurierung werden auf 300.000 Euro geschätzt. „Wie es bisher aussieht, muss die Gemeinde die Kosten allein tragen. Wir haben aber erst 50.000 Euro durch Spenden und Benefizveranstaltungen sammeln können. Seit dem Skandal um Tebartz-van Elst ist es noch schwieriger geworden, Gelder für kirchliche Projekte zu sammeln.“ Immer wieder hören Hollingshaus und seine Mitstreiter vom Orgelbau-Verein: „Das Bistum hat doch genug Geld!“ Vom Bistum Limburg wurden jedoch bisher noch keine Zuschüsse für die Restaurierung in Aussicht gestellt.
„Die Orgel von St. Peter und Paul ist ‚sein Kind‘. Er kümmert sich um Gelder für die Restaurierung“, lobt Nandkisore das Engagement von Hollingshaus. „Ich könnte das nicht machen.“


Mehr Infos zum Eltviller Orgelprojekt auf: www.orgel-eltville.de